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Duisburg
Ein Meister an der Hamborner Eule-Orgel

Duisburg. Das war schon das zweite der diesjährigen, 22. Sommerlichen Orgelkonzerte in der evangelischen Friedenskirche Hamborn, Duisburger Straße 174, jeden Mittwoch in den Sommerferien. An der 42 Jahre jungen Eule-Orgel mit ihren 22 klingenden Registern spielte diesmal ein Meister, nämlich der 1959 geborene Prof. Jürgen Kursawa (Düsseldorf). Sein kluges Programm brachte "Frühe Klassiker der Orgelliteratur" von vier Komponisten, es schlug den Bogen von der Passion bis zu Weihnachten, zugleich symmetrisch in sieben Werken. Den äußeren Rahmen bildeten zwei groß angelegte freie Stücke von Johann Sebastian Bach, die den Rahmen der Friedenskirche fast sprengten, nämlich die Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, berühmt und dennoch dem Thomaskantor nur zugeschrieben, sowie Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564, inzwischen fast noch öfter aufgeführt. Danach beziehungsweise davor kam je ein Leipziger Choraltrio von Bach: "Herr Jesu Christ, dich zu uns wend" BWV 655 und "Allein Gott in der Höh sei Ehr" BWV 664. Den inneren Rahmen bildeten zwei spannende Meisterwerke des norddeutschen Barocks, nämlich das große Präludium e-Moll von dem Husumer Marienorganisten Nikolaus Bruhns (1665-1697) und die Toccata F-Dur BuxWV 156 von Bruhns' Lübecker Lehrer Dietrich Buxtehude (1637-1707). Im Mittelpunkt stand die "Fantasia chromatica" des Niederländers Jan Pieterszoon Sweelinck (1562-1621), neben Bruhns' Präludium das bedeutendste barocke Werk über den Quartfall in Halbtönen, das Symbol für Leiden. Von Ingo Hoddick

Jürgen Kursawas Artikulation hielt die Waage zwischen "rhetorisch" und "glatt", am besten gelang ihm die kontrollierte große Geste, auch dank seiner äußerst treffsicheren Registrierung. Da hörte man gerne zu, vor allem bei Bach und bei Bruhns. Bei Sweelinck versuchte er, die etwas eintönige Komposition durch flexible Farben und Tempi zu beleben und zu erhellen. Als willkommene Zugabe gab er eine brillant hingetupfte Improvisation über "Kuckuck, Kuckuck, ruft's aus dem Wald".

Im nächsten, dritten Sommerlichen Orgelkonzert am Mittwoch, 27. Juli, um 20 Uhr, spielt der 1993 geborene Christoph Hintermüller (Dortmund) "Classic meets modern - Ein Orgelkonzert für Jung und Alt". Das Programm reicht von der Buxtehude-Toccata F-Dur bis zur Filmmusik "Herr der Ringe". Der Eintritt kostet sechs Euro. Anschließend an das Konzert gibt es kühle Getränke im Kirchgarten, bei schlechtem Wetter in der Sakristei.

Quelle: RP
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