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Eine Tafel Schokolade gegen das Minus

Rp-Thema: Eine Tafel Schokolade gegen das Minus
Die Aktion "Eine Tafel für die Tafel" soll etwas Geld in die leeren Kassen bringen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Jedes Jahr ist es eine Herausforderung für Günter Spikofski, die Arbeit der Duisburger Tafel auf finanziell sichere Beine zu stellen. Doch das Angebot wird wichtiger denn je - gerade in Zeiten der Flüchtlingskrise. Von Franziska Hein

Es gibt Geschichten, bei denen Günter Spikofski, Geschäftsführer der Duisburger Tafel, immer noch schlucken muss, wenn er sie erzählt. Vor einigen Jahren schon kam einmal eine junge Frau mit ihrem Sohn im Grundschulalter zu Spikofski in die Ausgabe. Er bot ihr ein Paket Nudeln, Konserven, zwei Stücke Apfelkuchen und Pfirsiche an. Da fing die junge Frau an zu weinen und sagte: "Wissen Sie, wie lange ich schon keinen Pfirsich mehr gegessen habe?"

Diese Begegnungen sind es, die Spikofski an seiner Arbeit schätzt. Aber dafür sind enorme Kraftanstrengungen nötig, damit die Tafel jedes Jahr ihr Angebot beibehalten kann. Im vergangenen Jahr hat der gemeinnützige Verein mit einem Minus von etwa 35.000 Euro abgeschlossen. Das könne man sich einmal leisten und das Defizit mit Rücklagen auffangen, aber ein weiteres solches Jahr, würde die Tafel nicht überstehen, sagt der Geschäftsführer. Die Tafel finanziert sich nur aus Spenden.

Günter Spikofski hofft, dass genug Weihnachtspakete zusammen kommen für die vielen Bedürftigen, denen die Tafel zu Weihnachten eine Freude machen möchte. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Deswegen hat Spikofski Ende Oktober die Aktion "Eine Tafel für die Tafel" gestartet, um die leere Kasse wieder etwas zu füllen. 10.000 Schokoladen-Tafeln zu je 1,50 Euro lässt er verkaufen. Nach Abzug der Produktionskosten bleibt rund die Hälfte des Kaufpreises übrig. 2000 Tafeln sind noch übrig, die Spikofski unter die Duisburger Bürger bringen will. Kaufen kann man die Schokoladentafeln im Tafelladen an der Brückenstraße in Hochfeld und in einigen Supermärkten (siehe Infokasten). Spikofski wünscht sich, dass bis Weihnachten auch die restlichen Schokotafeln weggehen. "Das wäre schon einmal ein Schritt, die Arbeit fürs nächste Jahr zu sichern", sagt er. Vor allem wird die Arbeit der Tafel nicht weniger. Gerade melden sich viele Asylbewerber und Flüchtlinge an, um von der Tafel mit Lebensmitteln versorgt zu werden. 4000 Menschen unterstützt die Tafel jede Woche. Zur Ausgabe kommen täglich 150 Familien, denn hinter jedem Abholer stehen meist zwei weitere Personen. Freitags findet immer die Neuanmeldung statt. Am vergangenen Freitag gab es 62 Neuanmeldungen darunter 48 Flüchtlinge, sagt Spikofski.

Gleichzeitig stellt Spikofski fest, dass er immer weniger Lebensmittelspenden von Unternehmen erhält. Die Supermarktketten gestalten ihren Wareneinkauf effizienter, so dass nicht mehr so viel übrig bleibt wie früher. Die Duisburger Tafel muss deswegen immer stärker auch Lieferanten suchen.

Spikofski hat jüngst einen Großhändler gewonnen, der nun frisches Obst und Gemüse liefert. Er kann nicht ausschließen, dass die Tafellebensmittel irgendwann nicht mehr reichen. "Aber im Moment bekommen wir das hin", sagt er.

Jetzt vor Weihnachten haben die Duisburger Bürger auch wieder die Chance, die Tafel mit Warenspenden zu unterstützen. Wie in jedem Jahr verschenkt die Tafel Weihnachtspäckchen an ihre Kunden, die Spender gepackt haben. Und weil schwer abzuschätzen ist, wie sich die Zahl der Flüchtlinge unter den Kunden entwickelt, schätzt der 55-Jährige, dass man in diesem Jahr noch mehr Päckchen braucht. "Wir wollen nicht in die Situation kommen, dass wir jemanden abweisen müssen."

Am Montag hat die Aktion begonnen, bisher sind es noch keine 100 Päckchen. 800 wurden im vergangenen Jahr an die Kunden verteilt. Am Samstag, 19. Dezember, ist die Ausgabe. Für manch einen ist dies das einzige Päckchen, was er an Weihnachten auspacken kann.

Quelle: RP
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