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Duisburg
Erdbeeren von der Hand in den Mund

Duisburg: Erdbeeren von der Hand in den Mund
Der häufige und starke Regen zurzeit sorgt für viel Ausschussware. Heinrich Beumer hofft, dass das Wetter bald besser wird. FOTO: Carolin Skiba
Duisburg. Tag für Tag steht Heinrich Beumer auf seinen Feldern und pflückt Erdbeeren, um sie im Direktvertrieb zu verkaufen. Kunden können selbst pflücken. Doch das Wetter sorgt jetzt für hohe Ernteeinbußen. Von Carolin Skiba

Saftig, süß und leuchtend rot sind die Erdbeeren, die Heinrich Beumer und seine Mitarbeiter jeden Tag vom Feld holen. Von dort wandern sie über die eigenen sechs Verkaufsstände direkt in die Münder der Konsumenten. Manchmal wird der Weg über den Verkaufsstand auch ausgelassen, wenn die Kunden kommen und die süßen Beeren selbst vom Feld pflücken. "Wir haben einzelne Bereiche vom Feld abgesteckt, wo die Erdbeeren selbst gepflückt werden können. Naschen gehört natürlich auch dazu", erzählt Heinrich Beumer, der das Erdbeergeschäft mit seiner Familie nun im siebten Jahr betreibt.

"Hoffentlich ist es nicht das verflixte siebte Jahr", sagt der 31-Jährige und spielt damit auf das Wetter an, das es in den vergangenen Tagen nicht gut mit dem Erdbeerbauern meinte. Die heftigen Regenfälle haben bereits ihre Spuren hinterlassen. "An solchen Tagen haben wir 50 Prozent Ernteeinbußen", sagt Beumer. "Wenn die Erdbeere reif und weich ist, ist es mit dem Starkregen schwierig, weil er die Haut der Frucht verletzt." Das führe dann zu allerhand Ausschussware. "Das bereitet mir schon Kopfschmerzen." Normalerweise seien es Schnecken oder Vögel, die die Beeren anpicken und so für Verluste sorgen. Der momentane Regen aber sei schlimmer.

Durch die gute Qualität und die Direktvermarktung könne er zwar einen höheren Preis als im Supermarkt nehmen, aber bei dem Wetter kämen auch weniger Kunden an die Stände oder zum pflücken. Seine Mitarbeiter aber würden natürlich auch dafür bezahlt, die Ausschussware von den Pflanzen zu holen, damit neue Früchte nachwachsen können. Dafür zahlt Beumer dann drauf, denn ohne Ware kein Ertrag.

Zu große Sorgen möchte sich der junge Familienvater aber nicht machen. "Man darf sich nicht zu sehr ärgern", sagt er und wirkt gelassen. Gerade so gelassen wie es nötig ist, um diesen Beruf ausüben zu können. Denn das Wetter ist in der Landwirtschaft "das A und O", wie Beumer sagt. Und der Erdbeeranbau erfordere viel Arbeit. Von Mitte Mai bis Anfang Juli wird geerntet. Doch bereits im Februar beginnt die Arbeit, die sich bis in den September zieht. Neue Pflanzen müssen gesetzt werden, bereits bestehende müssen vor Frost geschützt und je nach Wetter bewässert werden. Vier verschiedene Sorten von Erdbeeren wachsen auf den zwei Hektar großen Feldern des Bauern. "Man käme auch mit zwei Sorten aus, aber um ein möglichst großes Erntefenster zu haben, sind vier Sorten schon besser." Jedes Jahr versucht Beumer, den Erdbeeranbau weiterzuentwickeln, um den Ertrag reicher und sicherer zu machen. In diesem Jahr etwa hat er die Pflanzen in kleine Erdhügel eingepflanzt, die mit einer Folie bedeckt sind. "Da drunter wird der Boden viel schneller warm", erklärt Beumer. Alle anderen Felder sind mit Stroh ausgelegt, damit die Beeren nicht den erdigen Boden berühren. Zum einen dient das dem Schutz der Frucht, zum anderen mögen die Kunden es, wenn die Früchte weniger schmutzig sind, weiß der Landwirt aus Erfahrung. Süß müssen sie sein, aber nicht zu süß. Der Kunde habe eine genaue Vorstellung, wie die Beeren zu schmecken haben.

Die restliche Zeit im Jahr betreibt die Familie herkömmliche Landwirtschaft mit Raps, Weizen, Gerste und Co., im Winter kommt noch ein Kaminholzhandel dazu. Mit den Erdbeeren will Beumer etwas anbieten, "wo der direkte Kundenwunsch da ist". Durch diese Arbeit öffnet sich die Bevölkerung auch für den Beruf des Landwirtes", sagt er. Die Menschen bekämen ein Verständnis für das, was ein Landwirt macht und wie viel Arbeit dahinter stecke. Auch, dass die Kunden selber pflücken können, verbessere den Stand dieses Berufs. "Viele sagen dann sogar, dass wir die Erdbeeren viel zu günstig verkaufen." Diese Wertschätzung gefalle ihm.

500 Gramm der sommerlichen Früchte kosten drei Euro. Zu kaufen gibt es außerdem noch Marmelade, die Beumers Mutter selbst einkocht. "Das ist ihr Steckenpferd", sagt er und fügt hinzu: "Überhaupt funktioniert das Ganze hier nur, weil die ganze Familie mitzieht." Bleibt nur zu hoffen, dass die Sonne sich endlich mal wieder dauerhaft zeigt, damit es auch weiterhin frische Erdbeeren und schmackhafte Marmelade gibt.

Quelle: RP
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