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Duisburg
Hilfswelle ist ungebrochen hoch

Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft
Fotos: Eine Nacht in der Düsseldorfer Flüchtlingsunterkunft FOTO: Bernd Schaller
Duisburg. Der Rat der Stadt stellt am Montag die Weichen für einen neuen Kämmerer. Doch Schwerpunkt ist ein weiteres Mal das Thema Asylbewerber. Für deren Wohlergehen spenden immer mehr Bürger. Von Hildegard Chudobba

Gesucht wird ein neuer Kämmerer. Eine Persönlichkeit soll er oder sie sein. Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen und Überzeugungskraft werden verlangt und auch Managementqualitäten. Die Stellenausschreibung ist eines der Themen, mit denen sich der Rat der Stadt in seiner Sitzung am Montag befassen wird. Bekanntlich will der Amtsinhaber Peter Langner am 16. Januar aufhören. Gewählt wird sein Nachfolger, der zum 1. Februar am Burgplatz anfangen soll, frühestens in der Novembersitzung des Rates.

Viel mehr Dringlichkeit als diese Personalie haben in der Sitzung am Montag hingegen andere Themen - naheliegend, dass dabei das Problem der Unterbringung von Asylbewerbern im Fokus steht. Wie gestern berichtet, nähert sich die Stadt bedenklich ihren Grenzen und wird möglicherweise schon bald keine freien Plätze mehr haben. Noch aber laufen gezielte Anstrengungen, um diesen Zeitpunkt zumindest so weit wie möglich hinauszuzögern - vor allem über die weitere "Beschlagnahmung" von Wohnungen. Denn bis die bereits genehmigten und geplanten neuen Sammelunterkünfte belegt werden können, vergeht zu viel Zeit.

Ein klein wenig Entlastung wird bringen, wenn der Rat am Montag zustimmt, dass die Landesaufnahmeeinrichtung im Neumühler St.-Barbara-Hospital erweitert wird. Die zuständige Bezirksregierung Arnsberg hat den Antrag gestellt, dort künftig 800, statt heute 600 Flüchtlinge einzuquartieren.

Unterdessen läuft in der Stadt eine unvergleichliche Hilfswelle für die Flüchtlinge, die hier bereits Quartier bezogen haben. Hildegard Stiehler vom Referat für Bürgerdialog bringt es auf den Punkt: "Wir werden zugeschüttet." Bei ihr und ihren Kollegen landet jeder, der bei de Stadt anruft und wissen will, wie er helfen kann. 40 bis 50 Anrufe pro Tag sind inzwischen eher die Regel als die Ausnahme, hinzu kommen schriftliche und elektronische Anfragen und Angebote. Vor allem nach der Veröffentlichung des erschütternden Fotos des ertrunkenen Jungen am Strand vom Bodrum/Türkei gab es einen spürbaren Schub.

"Ich hätte mit solch einer Resonanz nie gerechnet", freut sich Stiehler über die Hilfsbereitschaft der Duisburger. Angeboten werde wirklich alles, von dem die Bürger denken, dass es benötigt werden könnte: von Kleidung über Literatur und Spielzeug bis hin zu Windeln. Wenn überhaupt, dann besteht noch Bedarf an Schreibutensilien (Stifte, Blöcke, Hefte) und an Wörterbüchern (zum Beispiel Syrisch-Deutsche). Auch Kinderlexika, in denen mit Bildern Begriffe erklärt werden, sind sehr willkommen. Und immer benötigt werden Hygieneartikel wie Duschgels, Deos, Shampoos etc.

Auch wenn das Angebot an Kleidung wie gestern berichtet reichlich ist, Kinderschuhe sind in jedem Fall willkommen. Und angesichts der sinkenden Temperaturen wächst der Bedarf an Winterkleidung. Denn viele Flüchtling haben nicht mehr als die sommerlichen T-Shirts und kurzen Hosen mitnehmen können, die sie auf ihrer Flucht am Leibe trugen. Nicht angenommen werden können Angebote, Nahrung zur Verfügung zu stellen. Selbst wenn ein großer Discounter auf die Idee käme, kistenweise zum Beispiel Obst und Gemüse zu geben, muss die Stadt abwinken. "In einem solchen Fall verweisen wir dann zum Beispiel auf die Duisburger Tafel", so Stiehler.

Wer helfen will, der sollte nicht den gut gemeinten Versuch unternehmen, seine Spenden selber an einer der Sammelunterkünfte abzuliefern. Auf der Internetseite der Stadt Duisburg wird erläutert, wie und wo wirkungsvoll Unterstützung geleistet werden kann. Hier sind auch Möglichkeiten für diejenigen dargestellt, die sich selber einbringen und zum Beispiel in Sammelunterkünfte gehen wollen, um dort vorzulesen, den Flüchtlingen beim Erlernen der deutschen Sprache zu helfen oder mit ihnen Behördengänge zu erledigen.

Quelle: RP
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