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Duisburg
Höhenflüge einer jungen Organistin

Duisburg. Hyekyoung Kang verbindet freies Schweifen mit klarer Phrasierung. Von Ingo Hoddick

In der Konzert-Reihe "Local heroes" in der Salvatorkirche treten Organisten auf, die einen Bezug zu Duisburg haben. Jetzt war die Reihe an Hyekyoung Kang, seit fünf Jahren erfolgreiche Kantorin der Lutherkirche Duissern. In Jeans und Turnschuhen tritt sie auf wie eine brave Schülerin, liest ihre blitzblank formulierte Einführung von ihrem lila Tablet ab.

Sie begann mit der monumentalen Toccata, Adagio und Fuge C-Dur BWV 564 von Johann Sebastian Bach. Auf virtuose Soli, auch des Pedals, folgt darin ein langsamer Satz wie in einem italienischen Konzert und eine fröhliche Fuge. Hyekoung Kang zeigte schon hier viel Gespür für die kernigen Register der Kuhn-Orgel. Mit etwas prägnanterer Artikulation wäre die Fuge noch durchsichtiger gelungen. Dann folgten zwei romantische Werke, die formal auf das vorige Stück von Bach aufbauen, nämlich die Sonate Nr. 6 d-Moll aus op. 65 über den Choral "Vater unser im Himmelreich" von Felix Mendelssohn und jene halbstündige Sonate "Der 94. Psalm", die Julius Reubke 1858 kurz vor seinem Tod mit gerade einmal 24 Jahren schrieb. Bei Reubke erschien die junge Koreanerin am meisten in ihrem Element, sie verband scheinbar freies Schweifen mit klarer Phrasierung. Diese geradezu extremistische Sonate, die weit in die Zukunft weist, verfehlte auch in dem großen gotischen Gotteshaus am Burgplatz ihre Wirkung nicht.

Quelle: RP
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