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Duisburg
Klaviertrio: Schatten der Romantik

Duisburg: Klaviertrio: Schatten der Romantik
Das Trio Image bannte jetzt das Publikum im Theater am Marientor. FOTO: NN
Duisburg. Im ersten Duisburger Kammerkonzert der neuen Saison 2015/16 im Theater am Marientor spielte das in Duisburg ausgebildete Weltklasse-Klaviertrio "Trio Imàge" Werke von Joseph Haydn, Mauricio Kagel und Robert Schumann. Von Ingo Hoddick

Sein Kammermusik-Aufbautstudium beendete das "Trio Imàge" am Standort Duisburg der Folkwang-Universität der Künste bei Prof. Andreas Reiner 2011 mit Asuzeichnung. Inzwischen machen Gergana Gergova (Violine), Thomas Kaufmann (Violoncello) und Pavlin Nechev (Klavier) zu dritt Weltkarriere, die charismatische junge Geigerin war zudem 2010 für ein Jahr Konzertmeisterin der Duisburger Philharmoniker.

Im jüngsten, ersten Duisburger Kammerkonzert der neuen Saison 2015/16 im Theater am Marientor (TaM) spielte das "Trio Imàge" zunächst das vorletzte Klaviertrio Nr. 31 es-Moll "Jacob's Dream" (1794/95) von Joseph Haydn. Es hat zwei Sätze, mit dem zuerst entstandenen letzten über Jakobs Traum von der Himmelsleiter im Alten Testament wollte der Wiener Klassiker seinerzeit einen Londoner Amateurgeiger ärgern, der gerne sehr hohe Töne spielte, aber zwangsläufig daran scheitern musste. Im Kammerkonzert klang Haydn jetzt nach weit mehr als Einspielen, durchaus stilsicher, wenn auch ein wenig unruhig. Dieser Gestaltungsdrang fand dann ein noch passenderes Objekt in dem halbstündigen Klaviertrio Nr. 1 (1984/85) von Mauricio Kagel (1931-2008), der auch vielfach mit Duisburg verbunden war, zum Beispiel, indem er zum 125-jährigen Bestehen der Duisburger Philharmoniker 2001 seine "Broken Chords" schrieb. In seinem ersten Klaviertrio verarbeitete Kagel sein eigenes Musikepos über den Teufel "La trahison orale" (Der mündliche Verrat), es beschwört fragmentarisch den Geist des Charakterstücks. Das enorme kompositorische Handwerk und die klug eingesetzten Spieltechniken - die Streicher spielen oft am Steg oder am Griffbrett, Flageolett-Töne werden verlangt oder die Saiten mit dem Bogenholz geschlagen, der Pianist hat die Klaviersaiten wiederholt auch mit der Hand zu dämpfen - bannten das Publikum im TaM. Das "Trio Imàge" machte daraus wirklich Musik - kein Wunder, dass seine erste CD mit sämtlichen drei Klaviertrios von Kagel gleich den renommierten Echo-Klassikpreis erhielt.

Die Brücke über die Konzert-Pause schlug dann das bekannteste Werk des Abends, das gleichfalls halbstündige Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 63 (1847) von Robert Schumann mit seinen erzromantisch verklammerten Episoden. Die Aufführung hatte höchstes Niveau, blieb aber leider ein wenig pauschal. Die Zugabe war dann wieder von Haydn, laut Thomas Kaufmann "ein langsamer Satz zum nach Hause gehen". Das "Trio Imàge" verwendete hier erfolgreich den Duisburger Bechstein-Flügel. Das nächste, zweite Kammerkonzert am Sonntag, 18. Oktober, um 19 Uhr, im TaM, ist dann der jährliche Bechstein-Klavierabend. Die junge französische Pianistin Claire-Marie Le Guay spielt abwechselnd Werke von Johann Sebastian Bach und Wolfgang Amadeus Mozart. Karten und weitere Infos unter der Telefonnummer 0203 28362100.

Quelle: RP
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