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Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Leidenfrost: Ein Phänomen

Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Leidenfrost: Ein Phänomen
Johann Gottlieb Leidenfrost (1715-1794) übernahm in seinem 50-jährigen akademischen Leben fünfmal das Amt des Duisburger Universitätsdirektors. Sein Porträt ist zurzeit in der Universitätsbibliothek hinter Glas ausgestellt. FOTO: reichwein
Duisburg. Der Duisburger Mediziner und Naturforscher Johann Gottlieb Leidenfrost (1715-1794) ist der berühmteste Professor der Alten Duisburger Universität. In einer Ausstellung der Uni-Bibliothek wird er besonders vorgestellt. Von Harald Küst

Die Universitätsbibliothek präsentiert in diesen Wochen in einer unspektakulären, aber ungewöhnlichen Ausstellung "Leichenpredigten". Neben dem Gründungsrektor Clauberg wird auch der berühmte Duisburger Mediziner und Naturforscher Johann Gottlieb Leidenfrost (1715-1794) vorgestellt. Die einen denken bei diesem Namen an ihren Physikunterricht ("Leidenfrostsches Phänomen" oder "tanzender Wassertropfen auf der Herdplatte"), andere an den Straßennamen im Dellviertel. Grund genug, mit Hilfe der Leichenpredigt ("Oratio Funebris") das Wirken des renommierten Professors noch einmal in Erinnerung zu rufen.

Johann Gottlob Leidenfrost wurde am 27. November 1715 in Rosperwend (Südharz) geboren. Er entstammte einer Pfarrerfamilie und so lag ein Theologiestudium nahe. Später wechselte er das Fach und studierte Medizin an den Universitäten in Gießen, Leipzig und Halle, dort wurde er promoviert. Anschließend war er als praktischer Arzt in Berlin und als Feldarzt in der preußischen Armee tätig.

Im Jahr 1743 folgte er dem Ruf auf eine ordentliche Professur für Medizin an der Duisburger Universität. Leidenfrost heiratete 1745 in Duisburg Anna Cornelia Kalkhoff , die Tochter des Mediziners und Kriegskommissars Heinrich Kalkhoff und seiner Ehefrau Anna Maria Wintgens. Die Familie Wintgens, unter anderem auch mit den Nachkommen Gerhard Mercators verschwägert, hat mehrfach Duisburger Bürgermeister gestellt und gehörte zur Duisburger Oberschicht.

Nach zwölf Jahren Ehe verstarb 1757 seine Frau und ließ den Witwer mit sieben Kindern zurück. In einem mehrseitigen Kondolenzschreiben, aufbewahrt im Duisburger Stadtarchiv, wird die Tugendhaftigkeit seiner Frau hervorgehoben und dem Witwer Trost gespendet: "Beim Abschied selbst; bei Deiner größten Pein - Liebt Gott Sie doch, und lässt Sie selig sein. Wir gehen zurück. Von Wehmuth ganz gerühret, Beweinen wir Dein Leid."

Leidenforst setzte seine akademische Arbeit unverdrossen fort. Dabei ging er streng systematisch und empirisch vor. Er verband praktische Erfahrung in seiner Duisburger Praxis mit den Lehren des renommierten Leidener Professors Boerhaave. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen belegen seinen Forschungseifer. Er hielt zusätzlich Vorlesungen über Physik und Chemie, veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die weit über die Grenzen des Faches Medizin hinausgingen. Gerühmt wurden seine didaktischen Fähigkeiten bei der Stoffvermittlung.

Leidenfrost schrieb auch populärwissenschaftliche Artikel in dem amtlichen "Duisburger Intelligenzblatt". Das Themenrepertoire reichte von "Knochenfunden des Elephanten Abdul Abbas an der Lippe" bis zur Bewertung des universitären Alltags. Sein Beitrag "Vom Schaden der langen Ferien auf einer Universität" dürfte bei den Studenten allerdings keine allzu große Begeisterung ausgelöst haben. Leidenfrost war bereits zu Lebzeiten ein hoch geachteter Bürger der Stadt. Er war zudem Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. Fünfmal übernahm er das Amt des Universitätsrektors in Duisburg. Leidenfrost setzte sich während der französischen Besatzungszeit mutig für das Wohl der Universität und der Stadt ein.

Damals verhafteten französische Soldaten den Duisburger Universitätsbuchhändler Hermann Ovenius. Der Vorwurf: Der Buchhändler habe eine französische Schmähschrift über die Geliebte Ludwigs XV., Madame de Pompadour, verkauft. Die Franzosen kannten kein Pardon. Dem Buchhändler drohten ein Jahr Festungshaft.

Leidenfrost gelang es, durch Fürsprache, geschickte Verhandlungskunst und ein Bestechungsgeld, die Angelegenheit einvernehmlich zu regeln. Großzügig - von 1000 Talern war die Rede - beglich er später auch einen Teil der Forderungen, um den Abzug der Franzosen zu beschleunigen.

Leidenfrost galt als anständiger, ehrenhafter Christ und menschlich integer. Eine öffentliche Jubelfeier zu seinem 50jährigen Dozentenjubiläum im Jahr 1793 lehnte er mit Verweis auf sein hohes Alter ab. Hochgeehrt verstarb er im Kreise seiner Familie am 2. Dezember 1794 in Duisburg. Er wurde fast 80 Jahre alt. Die Leichenpredigt hielt der Duisburger Professor für Beredsamkeit August Christian Borheck.

. Die Bibliothek ist montags bis freitags von 8 bis 22 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.)

Literaturtipps: Duisburger Forschungen Band 53, Zur Geschichte der Universität Duisburg.

Die Universität Duisburg. Geschichte und Gegenwart. Helmut Schrey, 1982.

Leidenfrost-Effekt: https://de.wikipedia.org/wiki/Leidenfrost-Effekt

(Die Ausstellung "Leichenpredigten" kann in der ersten Etage der Universitätsbibliothek bis zum 18. September besichtigt werden, Gebäude LK, Universitätsbereich Lotharstraße 65 in Neudorf)
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