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Duisburg
Loveparade: Stiftung soll Opfern helfen

Loveparade in Duisburg: Fünf Jahre nach der Katastrophe
Loveparade in Duisburg: Fünf Jahre nach der Katastrophe FOTO: dpa, rwe fg kno
Duisburg. Um Betroffene und Angehörige besser unterstützen zu können, wurde eine Stiftung ins Leben gerufen. Sie will unter anderem jährliche Gedenkfeiern ermöglichen. Von Carolin Skiba

Am 24. Juli jährt sich das Unglück der Loveparade zum sechsten Mal. Noch immer warten Angehörige und Betroffene auf einen Prozess. Aber auch zwei Jahre nach der Anklageerhebung ist weiter offen, ob es eine Gerichtsverhandlung geben wird. Das Landgericht Duisburg wird voraussichtlich im Frühjahr darüber entscheiden. "Wir haben langsam das Gefühl, wahnsinnig zu werden", sagt Manfred Reißaus, Vater eines Opfers, über die ungewisse Situation. Sollte es zu einem Prozess kommen, bedeutet das für die Angehörigen zwar im besten Fall Aufklärung, gleichzeitig wird es aber eine emotionale Strapaze. Dass es in dieser Zeit Menschen und Betreuungsangebote gibt, unter anderem dafür soll die Stiftung "Duisburg 24.7.2010" sorgen, die nun der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

21 junge Menschen starben bei der Loveparade im Jahr 2010. Mindestens 650 Anwesende wurden verletzt, einige von ihnen schwer. Am einzigen Zu- und Abgang zum Veranstaltungsgelände wurden sie erdrückt oder zu Tode getrampelt.

Fotos: Gedenkfeier zum fünften Jahrestag der Katastrophe FOTO: dpa, mku kno

Nach der Tragödie schlossen sich Angehörige und Trauma-Opfer in mehreren Initiativen zusammen, eine konkrete Anlaufstelle aber gab es nicht. Mit Gründung der Stiftung soll sich das nun ändern. "Es gibt noch so viele Opfer, die Hilfe benötigen, und diejenigen, die zwar schon Hilfe bekommen haben, nun aber erneut welche brauchen", sagt Jörn Teich, der selbst bei der Loveparade anwesend war und zu den Gründungsmitgliedern gehört. Genau wie Jürgen Widera. Der Pfarrer wurde von der Stadt Duisburg als Ombudsmann beauftragt, als Ansprechpartner für die Opfer der Loveparade-Katastrophe da zu sein. "Gleich zu Anfang wurde ich von vielen Seiten mit der Idee konfrontiert, eine Stiftung zu gründen", sagt er. Nach dem Jahrestag 2013 habe man sich zusammengesetzt und darüber beraten, wie eine Stiftung aussehen solle. Auch Manfred Reißaus und zwei weitere Angehörige und Opfer gehören zu den Gründungsmitgliedern.

Ziel der Stiftung, die zunächst für den Zeitraum von zehn Jahren arbeiten soll, ist in erster Linie die Unterstützung hilfsbedürftiger Personen, die direkt oder indirekt durch die Katastrophe in Not geraten sind und denen von anderer Seite nicht ausreichend geholfen werden kann. "Es ist so schwierig, einen Therapieplatz zu finden. Teilweise wartet man zwei Jahre bis zu einem Erstgespräch", sagt Teich. Die Betroffenen hätten Organisationen gesucht, wo sie Hilfe bekommen, doch die habe es nicht gegeben. Sollten genügend Mittel zusammenkommen, will die Stiftung auch Menschen helfen, die von Unglücken betroffen sind, die zu vergleichbaren Notlagen und Traumatisierungen geführt haben. Reißaus sagt: "Es gab nichts, wo wir uns austauschen konnten. Aber Beziehungen gehen in die Brüche nach so einem Erlebnis, man braucht einfach Hilfe." Die finden Betroffene nun bei einer Kontakt- und Informationsstelle, die schnelle Unterstützung bieten kann.

Nacht der 1000 Lichter: Gedenken an Loveparade-Opfer FOTO: Christoph Reichwein

Zu den weiteren Aufgaben gehört die Ausrichtung einer jährlichen Gedenkfeier. Nach dem fünften Jahrestag soll auf Wunsch der Stadtgesellschaft weiterhin ein Gedenken stattfinden, allerdings soll es ein stilles Gedenken werden, ohne Reden und Versammlungen. Dazu soll die "Nacht der 1000 Lichter" dienen, die deshalb auf den Abend des 24. Juli verschoben wird. Der Tunnel, in dem viele Opfer gefangen waren, wird an diesem Tag zwischen 16 und 18 Uhr nicht für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Bis zur Gedenkfeier soll auch die Gedenkstätte fertig gestellt worden sein. Die Bodenplatte soll angehoben und eine indirekte Beleuchtung installiert werden. Ein Stiftungskapital von 50.000 Euro wurde den fünf Stiftern durch Dritte zur Verfügung gestellt, die namentlich nicht genannt werden möchten. Auch bei der Stadt können Mittel bis zu 50.000 Euro für konkrete Projekte beantragt werden. Ob der Veranstalter der Loveparade, Rainer Schaller, zu Gesprächen eingeladen werden soll, ist umstritten.

Quelle: RP
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