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Innenansichten Das Bethesda Krankenhaus
Lunge wird fachübergreifend behandelt

Duisburg. Die Palette der Lungenerkrankungen, die im Lungenzentrum des Bethesda behandelt werden, ist breitgefächert. Sie reicht von der chronischen Bronchitis bis hin zum Lungenkrebs. Rund 2800 Menschen suchen hier jährlich Hilfe. Von Cornelia Brandt

Nichts ist so selbstverständlich wie das Atmen. Ohne dass wir darüber nachdenken, leistet die Lunge jeden Tag Höchstarbeit. Ein erwachsener Mensch atmet im Schnitt zwölf Mal pro Minute. In Summe macht das 720 Atemzüge pro Stunde und 17 280 pro Tag. Im Jahr atmen wir also 6 307 200 Mal. Etwa ein halber Liter Luft wird bei jedem Atemzug ein- und ausgeatmet. Auf einen Tag gerechnet sind das 8500 Liter. Das ist mehr, als in 60 durchschnittlich große Einbau-Badewannen passt. Der Sauerstoff gelangt über das Blut in den ganzen Körper und versorgt ihn. Und wenn die Lunge erkrankt, wird die Atmung oft zu einem Problem und der gesamte Gesundheitszustand des Menschen ist in Gefahr.

Die Palette der Lungenerkrankungen, die im Bethesda behandelt werden, ist breitgefächert. Sie reicht von der chronischen Bronchitis bis hin zum Lungenkrebs. Um die Patienten umfassend und nachhaltig behandeln zu können, arbeiten im Lungenzentrum der Klinik Fachleute unterschiedlicher medizinischer Bereiche Hand in Hand. Zu ihnen gehören die Spezialisten der Klinik für Pneumologie, also der Klinik für Lungenheilkunde, und der Thoraxchirurgie, der chirurgischen Fachrichtung, die sich mit der operativen Behandlung der Lunge beschäftigt. Eng kooperiert wird auch mit der Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, der Klinik für Nuklearmedizin, dem Institut für Pathologie und der Praxis für Strahlentherapie. "Mit dem Lungenzentrum decken wir alle Möglichkeiten der Diagnose, Behandlung und Therapie ab, die man in der Pneumologie einsetzt", erklärt Chefarzt Dr. Clemens Maurer, Leiter des Lungenzentrums.

Ziel der fachübergreifenden Diagnose und Behandlung ist es, die Behandlung zu optimieren, Doppeluntersuchungen zu vermeiden und Zeit für die Betroffenen einzusparen. Denn je früher zum Beispiel Lungenkrebs oder COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) erkannt werden, desto besser sind in der Regel die Chancen, dass ein Mensch mit guter Qualität leben kann. "Weil die Patienten zunächst keine Schmerzen haben, suchen sie häufig erst dann einen Arzt auf, wenn die Erkrankung bereits sehr weit fortgeschritten ist", erklärt Maurer. Eine schnelle, umfassende Therapie sei dann gefragt.

In einer regelmäßig stattfindenden Tumorkonferenz beraten die Spezialisten sich über jeden einzelnen Patienten. Gemeinsam überlegen sie, welche Behandlung für jeden dieser Menschen richtig und förderlich ist, ob eine Operation durchgeführt werden kann und wie die Nachbetreuung der Patienten zu organisieren ist. Am Tisch sitzen dabei sowohl Chirurgen als auch Spezialisten des Pathologischen Instituts und Mediziner aus der Klinik für Nuklearmedizin und Psychoonkologen. Immer dann, wenn es möglich ist, wird auch minimal-invasiv operiert.

Auch wenn ein Patient nicht operabel ist, wenn sein Krebs also mit einem Eingriff nicht geheilt werden kann, wird in die Behandlung von allen Fachleuten gemeinsam geplant. "Zusammen entscheiden wir, welche Möglichkeiten der Behandlung es für den betroffenen Menschen gibt, wie wir seine Lebensqualität fördern und seine Lebenszeit verlängern können", sagt Maurer. Die Zahl der Lungenerkrankungen ist in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen und viele der Patienten gehören zu bestimmten Risikogruppen. Viele von ihnen sind Raucher oder arbeiten in Berufen, in denen zum Beispiel die Asbest-Belastung sehr hoch gewesen ist, und auch eine Tätigkeit unter Tage kann das Risiko einer Lungenerkrankung vergrößern. Lungenkrebs ist die einzige bösartige Erkrankung unter den Krebserkrankungen, deren Häufigkeit in den vergangenen Jahren zugenommen hat und die auch in Zukunft weiter zunehmen wird. Denn nicht nur eine fehlende Vorsorgeuntersuchung, wie es sie für Brust-, Dickdarm oder Prostatakrebs gibt, ist eine Ursache für eine Zunahme. Auch die notwendige Infrastruktur, um den Patienten schnell und wirksam helfen zu können, fehlt häufig.

Eine besondere Einrichtung des Lungenzentrums ist neben der Beatmungsentwöhnung für Menschen, die in Folge schwerer Erkrankungen unterschiedlichster Ursachen sehr lange künstlich beatmet werden mussten (siehe Infobox), auch das Schlaflabor. Rund 800 Patientinnen und Patienten werden dort jährlich untersucht. Bei vielen von ihnen besteht der Verdacht auf eine schlafbezogene Atmungsstörung, wie zum Beispiel Schlafapnoe. Dies macht zwar den Großteil der Patienten aus, aber weiterhin müssen noch zirka 70 weitere schlafmedizinische Diagnosen beachtet werden. Über einen Bildschirm beobachten Fachleute im Schlaflabor, ob die Patienten im Schlaf Besonderheiten oder Auffälligkeiten zeigen. Dazu gehört zum Beispiel, ob sie Atemaussetzer im Schlaf haben.

Anhand von umfangreichen Ableitungen erkennen die Ärzte, wie das Atemmuster des Menschen ist, wann er wie tief schläft, wie seine Muskelspannung ist - und vieles mehr. Gemessen werden auch seine Augenbewegung, die Sauerstoffsättigung im Blut und die Atmung. "Dass er im Schlaf Atemaussetzer hat und dass er dadurch sogar mehrfach im Schlaf Weckreaktionen hat, merkt der betroffene Mensch meist selbst nichts. "In schweren Fällen kommt es zu Atempausen von über einer Minute", erklärt Maurer. Auch diesen Patienten kann im Bethesda geholfen werden.

Quelle: RP
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