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Innenansichten Die Universität Duisburg-Essen (ude)
Physischer Lernort in digitalen Zeiten

Duisburg. An der UDE gibt es insgesamt sechs Fachbibliotheken. Elektronische Medien und Services nehmen in der Uni-Bibliothek zu. Gleichzeitig suchen die Studierenden die persönlichen Ansprechpartner und lernen gemeinschaftlich. Von Amela Radetinac

Wenn schon alles auf dem Campus geschlossen und still ist, dann herrscht in der Universitätsbibliothek (UB) noch munteres Treiben. Bis 22 Uhr an Werktagen. "Wann sollen die Studierenden sonst lernen? Ihre Stundenpläne sind oft durchgetaktet, dass sie gar nicht anders können, als am späten Abend oder an den Wochenenden zu lernen. Die Studienbedingungen haben sich geändert und viele von ihnen gehen nebenher auch arbeiten", erklärt Ulrike Scholle vom Dezernat Qualitätsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit der UB. "Die Uni-Bibliothek ist ein zentraler Lernbereich, ein physischer Lernraum, der auch in digitalen Zeiten gefragter ist, denn je."

Rund 2300 Einzel-, Gruppen- und Computerarbeitsplätze stellt die Universität Duisburg-Essen (UDE) daher den mehr als 40 000 Nutzern zur Verfügung, welche die sechs Fachbibliotheken am Campus Duisburg und Essen täglich über 6700 Mal nutzen. 2,28 Millionen Mal im Jahr suchen Studierende, Mitarbeiter der Uni und Externe die Räume des gebündelten Wissens von gut 2,45 Millionen Medien auf. Dabei liegt das gewünschte Buch oder die Zeitschrift nicht immer an dem Campus, an dem sie gebraucht werden. Täglich werden die Medien deshalb kostenlos für die Nutzer Lkw-weise zwischen den Campussen hin- und hergeschickt.

"Verstärkt werden derzeit Lehrbücher, also Grundlagenliteratur, ausgeliehen", führt Ulrike Scholle aus, "daher haben wir in den vergangenen Jahren sehr viele Mittel in diesen Bereich investiert." Zwei Drittel des Etats von 4,9 Millionen Euro, inklusive des Sonderbudgets, das die UB im Jahr 2014 von der Universität zur Verfügung gestellt bekommen habe, floss in elektronische Medien. Aufbereitet für mobile Endgeräte.

Doch "ob Print oder elektronisch, ist uns völlig egal, wenn die Informationen benötigt werden", so Scholle. Der Vorteil der digitalen Medien ist, dass sie immer und augenblicklich verfügbar sind.

Und welche elektronischen Medien erworben werden, bestimmen die Nutzer mit, zum Beispiel durch das Modell "Patron Driven Acquisition". E-Books, die kostenlos für eine Kurzausleihe geladen wurden, erwirbt die Uni anschließend für eine dauerhafte Nutzung. So stellt die UDE sicher, dass nur Medien angeschafft werden, die auch von Nutzen sind.

Die digitale Entwicklung geht aber noch weiter: 2013 wurde mit "Primo" der klassische Online-Bibliothekskatalog durch eine umfangreiche Suchmaschinentechnik zur Recherche wissenschaftlicher Publikationen ersetzt. Ganz nach den Google-Suchgewohnheiten. Wobei der Bestand der Uni zunehmend durch Daten anderer Anbieter erweitert wird. Ausleihfristen werden direkt aufs Handy geschickt, die elektronischen Semesterapparate auf dem Uni-eigenen Dokumentenserver boomen, und jüngst wurde das erste sogenannte Webinar, also webbasierte Seminar, durchgeführt. Gerade in Hinsicht des E-Learnings kommen neue Fragenkomplexe auf. Im Fokus: das Urheberrecht. Was darf wo und in welchem Umfang zugänglich gemacht werden? Zu diesem Thema wie auch zu den Dauerbrennern, wie richtig recherchiert wird, wie Literaturverwaltungsprogramme verwendet und wissenschaftliche Arbeiten erstellt werden, bietet die Uni-Bibliothek Schulungen und Beratungsgespräche an - auch in Kooperation mit Partnern wie der Schreibwerkstatt. Rund 7200 Studierende nahmen im vergangenen Jahr an Schulungen dieser Art teil.

Neben dem Service nehmen Beratung und Information einen hohen Stellenwert in der UB ein: 220 000 Auskünfte erteilte die Bibliothek im Jahr 2014. Neben eingehenden Beratungsgesprächen mit Fachreferenten fragen Studierende alles - angefangen bei "Wie lange haben Sie geöffnet?" über "Wo schreibe ich meine Klausur?" bis "Haben Sie eine Kopfschmerztablette?". "Wir sind Ansprechpartner für alles", so die Auffassung der rund 160 Mitarbeiter, unter denen sich auch sechs Auszubildende auf dem Weg zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste befinden. Neben dem Dienst an der Theke kümmern sie sich um Vormerkungen, besorgen Bücher aus anderen Universitäten für ihre Nutzer, stellen sie bereit, sortieren sie zurück, betreuen das Mahnwesen wie auch Einzelfälle. "Wir nehmen Studierende als ganze Menschen wahr", erläutert Scholle.

Quelle: RP
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