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Duisburg
"Selfi in Delfi": Kalle Pohls Schaf war ein zickiges Stofftier

Duisburg. Der Kabarettist begeisterte am Freitagabend die Besucher in der "Säule" am Dellplatz mit einem witzigen Programm. Von Julia Zuew

Mit einer Bedienungsanleitung für Babys, Gesprächen mit einem Schaf und kurzen Einlagen auf dem Akkordeon hatte Kalle Pohl die Zuschauer schnell auf seiner Seite. Das Publikum in Duisburg schien für Pohl keine harte Nuss zu sein. Schnell folgten erste Lacher und Applaus. Von der schweren Last, ein Smartphone zu besitzen, bis hin zum Frühsport im Urlaub reichten die Themen. Mit einer guten Schippe Selbstironie sorgte Pohl für Pointen, die für schallendes Gelächter sorgten.

Es sah ganz so aus, als ob der Künstler an diesem Abend den Nagel auf den Kopf getroffen hatte. Der kleine Zuschauerraum in der "Säule" war gut besetzt, aber nicht ausverkauft. Eins der versprochenen Highlights im Programm "Selfi in Delfi" sollte eine Ballettnummer mit Schaf werden. Das zickige Stofftier wollte aber nicht so recht mitspielen. Die zottelige Handpuppe verkörperte auf der Bühne eine ziemlich eigensinnige und selbstbewusste Schafsdame, mit der Pohl immer wieder diskutierte und den Kürzeren zog - die "Zicke" hatte immer das letzte Wort. Das Ende vom Lied war, dass Pohl alleine tanzen musste. Auch diese Nummer kam gut an und wurde mit reichlich Applaus bedacht.

Pohl erwies sich als Chamäleon. Binnen Sekunden sattelte er um von der Rolle des ungehobelten Kunstbanausen Heinz Spack auf die Rolle von Tante Mimi im Wartezimmer beim Arzt, die sich bestens informiert gab, wenn es um Englands Royals oder den Nachbarn auf der anderen Straßenseite ging. Auch ohne Kostümwechsel schien Pohl im Nu ausgewechselt - der Blick, die Stimme, sogar die Gesten.

Zum Schluss schlüpfte er in die Rolle eines Stand-up-Comedian. "Ein Grund, warum ich auch Kabarettist wurde: Bei Comedians hört man die Worte nicht nur, man sieht sie auch", sagte Pohl und lachte selbst mit dem Publikum mit. "Da redet der Körper mit, das ist so anstrengend."

Auch zur Entwicklung der Geburtenrate hat Pohl eine Theorie: "Die Leute haben ja keine Anleitung, wie man's richtig macht bei einem Kind, das schreckt doch davon ab, welche zu haben", sagte er und stellte auch gleich die Lösung des Problems vor: "Ein Betriebsanleitung für Babys in brüchigem, simplen Deutsch, wie man es aus Anleitungen kennt, und damit keiner irritiert ist beim Lesen", wie Pohl erklärt.

So tauchte Pohl von einer Rolle in die nächste, von einer Geschichte aus der Kindheit in den Reisebericht von Heinz Spack, der "datt Orakel von Delfi" besucht hat.

Ein Ausflug in die bunte Welt von Pohls Charakteren, in denen wahrscheinlich jeder einen Bekannten oder Verwandten erkannte. Die Zeit schien im Flug zu vergehen, und am Ende der Reise nahmen viele Besucher ein strahlendes Lächeln mit nach Hause.

Quelle: RP
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