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Duisburg
Trödelmärkte in Gefahr
Duisburg: Trödelmärkte in Gefahr
Zum letzten Mal in dieser Saison wurde am vergangenen Wochenende auf dem Parkplatz am MSV-Stadion getrödelt. Die Verkäufer reagierten teilweise mit Entsetzen auf die Neuigkeit. FOTO: Andreas Probst
Duisburg. Die Sicherheitsauflagen, die nach der Loveparade verschärft wurden, machen das Trödeln zu einem teuren Spaß. Hohe Kosten verursacht vor allem das zusätzliche Sicherheitspersonal. Die Zukunft der Märkte ist ungewiss. Von Tim Harpers

Tapeziertische beugen sich unter dem Gewicht alter Radios, Kinderspielzeug, Kleidung und kristalliner Vasen. Die großen Duisburger Trödelmärkte auf der Mühlenweide und am MSV-Stadion locken jeden Monat tausende Schnäppchenjäger aus den umliegenden Städten an. Laut Uwe Gerste, Geschäftsführer von Duisburg Marketing, ist die Zukunft der Märkte jedoch ungewiss. Wegen hoher Kosten und fehlender Parkmöglichkeiten ist vor allem der große Einkaufsspaß in Ruhrort in Gefahr.

"Die erhöhten Sicherheitsauflagen, die uns nach der Loveparade-Katastrophe auferlegt wurden, haben für eine Kostenexplosion gesorgt", so Gerste. "Wir werden uns jetzt im Winter mit allen Entscheidungsträgern zusammensetzen und gucken, ob sich das alles noch rechnet. Aber ich fürchte, dass die Möglichkeit besteht, dass der Trödel auf der Mühlenweide in Zukunft nicht mehr zu bezahlen ist."

Den Grund für die hohen Kosten sieht er vor allem im zusätzlich anfallenden Sicherheitspersonal. Die Bezahlung der Ordner, die an beiden Markttagen über den vollen Zeitraum anwesend seien müssen, kann durch die Standmiete der Händler offensichtlich nicht mehr abgedeckt werden.

Trödler haben kein Verständnis

Die Verkäufer auf dem Trödelmarkt an der MSV-Arena reagieren am Samstag mit Entsetzen auf die Neuigkeit. Der Modellbau- und Werkzeughändler Andreas Derkum beispielsweise hat von den zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen überhaupt noch nichts mitbekommen: "Diese paar Ordner sollen so viel ausmachen? Dann sollen sie die wieder abschaffen. Hier ist doch auch früher nie etwas passiert. Das hier ist doch auch nichts anderes als ein größerer Wochenmarkt. Diese Auflagen sind nichts weiter als ein großer Witz."

Auch der Hobbytrödler Detlev Bergmann kann für die Entscheidung kein Verständnis aufbringen: "Es wäre einfach nur schade, wenn man die Trödelmärkte einstampfen würde. Wir machen das hier ja nur zum Spaß, um mal ein paar alte Sachen loszuwerden", sagte er. "Ich denke da eher an die Menschen, die das hier regelmäßig machen, um ihr spärliches Salär ein wenig aufzubessern. Wo sollen die denn bitte hin? Außerdem würde die Stadt wieder einmal etwas von ihrem ohnehin schon kaum vorhandenen Freizeitwert verlieren. Für die Leute hier ist das Entspannung und Abwechslung."

Deutlich entspannter auf die schlechte Nachricht reagierte Walter Ott, Comicbuch-Verkäufer und mit seinen 33 Jahren Erfahrung ein Trödel-Urgestein. Wenn die Stadt ihn nicht mehr haben wolle, dann könne er immer noch seinen Krempel zusammenpacken und in die Nachbarstädte ausweichen, sagte der Rentner. Die Stadt sei selber schuld. Wenn sie darauf aus sei, sich Stück für Stück ihrer eigenen Attraktivität zu berauben, dann könne man sie nicht aufhalten. Ott: "Getrödelt wird immer. Wenn nicht hier, dann halt anderswo."

Quelle: RP
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