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Rees
Bier-Appell: Wirte schäumen vor Wut

Rees: Bier-Appell: Wirte schäumen vor Wut
FOTO: Pixabay
Rees. "Am Samstag gab es viele Leute in der Stadt, die nach dem Gastspiel von Sebastian Pufpaff nach 22 Uhr keine Chance auf ein Glas Bier mehr bekamen", sagte Bürgermeister Christoph Gerwers beim jüngsten Unternehmer-Frühstück. Von Michael Scholten

Diesbezüglich sei an manchen Abenden noch echte Wirtschaftsförderung denkbar. Als die Reeser Gastwirte diese Kritik in der Rheinischen Post lasen, fiel ihre Reaktion ähnlich aus wie der Name des Kabarettisten Pufpaff - nämlich sehr explosiv.

"Ich glaube, unser Bürgermeister sucht einen Sündenbock, weil Rees sich vielleicht nicht optimal präsentiert hat und macht es sich leicht, indem er den schwarzen Peter an die Gastronomie weiterschiebt", sagt Andrea Collins von den Rheinterrassen Collins. "Ich verstehe unter Wirtschaftsförderung allerdings, dass man uns keine Knüppel zwischen die Beine wirft, sondern Sonderregelungen für die Öffnungszeiten genehmigt."

Collins muss die Terrasse des Restaurants ab 22 Uhr schließen, weil ein Anwohner 2016 die Ruhestörung beklagt hatte. "Die Stadt ist als Mediator aufgetreten, damit ich mich mit meinem Nachbarn einige, aber ansonsten kam da nichts", sagt Collins. Von 1970 bis 2016 waren lange Sommerabende am Rhein kein Problem: "Wo kein Kläger, da kein Richter", sagt Collins, "aber nach der Beschwerde sagte die Stadt, dass kein Bestandschutz gilt. Die Gäste müssen ab 22 Uhr ihr Bierchen im stillen Kämmerlein trinken und dürfen nicht am Rhein sitzen."

Unter diesen Umständen lohne sich der Mehraufwand zu später Stunde nicht: "Die meisten Gäste kommen zum Essen und gehen vor 22 Uhr nach Hause", sagt Andrea Collins. Das Lokal für wenige Nachtschwärmer aufzulassen, rechne sich in zweierlei Hinsicht nicht: "Die Personal- und Betriebskosten sind meist höher als die Einnahmen, außerdem lege ich mich für die Hoffnung auf ein paar Euro nicht mit meiner Nachbarschaft an." Wenn die Stadt Rees die Rheinpromenade attraktiver machen wolle, soll sie laut Collins eine klare Position beziehen und die Außengastronomie offiziell bis 23 Uhr genehmigen.

Ludger Rösen bietet Bürgermeister Gerwers an, das Rheincafé Rösen ab 22 Uhr zu pachten und sich selbst hinter die Theke zu stellen. "Wenn der letzte Gast um 21 Uhr geht, müsste ich doch aus betriebswirtschaftlicher Sicht mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenn ich die Personalkosten in die Höhe treibe, weil nach dem Kabarett mit Zugabe um 22.30 Uhr eventuell noch drei Gäste kommen und ein Bier trinken wollen", sagt Rösen. "Wenn es sich lohnt, sind unser Restaurant und unsere Terrasse bis 22 oder 23 Uhr geöffnet. Aber die meisten Besucher des Bürgerhauses fahren gleich nach der Veranstaltung nach Hause."

Gordana Scholaja von der Pizzeria Adriatico II fühlt sich von der Kritik des Bürgermeisters nicht angesprochen. "Mehrere Kabarettbesucher hatten Tische bei uns vorbestellt, deshalb war die Küche länger auf und die Terrasse bis Mitternacht gut besucht. Auch Herr Gerwers hätte gern kommen dürfen." Dann hätte Gordana Scholaja ihm einen Wunsch mit auf den Weg gegeben: "In Rees sollte es, wie in Süddeutschland, Sondergenehmigungen für die Außengastronomie geben. Zumindest im Sommer. Dann müssten wir ab 22 Uhr nicht mit der Sorge leben, dass die Beschwerde eines einzelnen Anwohners Verwarnungen und Auflagen durch das Ordnungsamt nach sich zieht."

Volker Kullmann, Inhaber des Sport- und Freizeitcenters am Groiner Kirchweg und Ehrenvorstandsmitglied des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga), schlägt sich auf die Seite seiner Kollegen in der City. "In Xanten und in Kalkar dürfen die Gäste draußen auf dem Marktplatz bis weit nach Mitternacht essen und trinken. Da darf kein einzelner Bürger die ganze Gastronomie plattmachen", sagt Kullmann. "Die Stadt Rees könnte das genauso handhaben. Sie muss es nur wollen."

Kullmann nimmt auch die Stadt Rees und den gastronomischen Pächter des Bürgerhauses in die Pflicht: "Dann ist die Theke halt nicht nur in der lukrativen Pause geöffnet, sondern auch nach der Veranstaltung. Ein paar Tische, ein paar Stühle, fertig ist die gewünschte Gastronomie. Und wenn einer mit Bier und Zigarette rausgeht, bietet das Bürgerhaus sogar noch ein Vordach. Da muss keiner im Regen stehen." Kullmann meint: "Wenn der Bürgermeister will, dass es nach 22 Uhr Bier gibt, soll er eine Lösung im eigenen Haus anregen und nicht alles auf die Gastwirte schieben. Wir haben mit den ganzen Verordnungen schon genug am Hals."

Restaurant und Sommergarten in Kullmanns Sport- und Freizeitcenter sind teilweise bis Mitternacht und darüber hinaus geöffnet. Auch Esserden hat sich via Facebook in die Diskussion eingeschaltet: "Wer am Abend noch auf der Suche nach Bier ist, darf gerne zu uns ins Restaurant Zur Linde in Esserden kommen", schreibt Ann-Christin Schneeweiß, die mit Maik Baatsch das Traditionslokal übernommen hat. "Ist zwar nicht direkt in der Stadt, aber wir haben bis 24 Uhr auf und neben Bier auch noch jede Menge anderer leckere Getränke."

Quelle: RP
 
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