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Rees
Chemieverbot fördert Kersten-Absatz

Rees: Chemieverbot fördert Kersten-Absatz
Die Geschäftsführer Robert Bosch (r.) und Bernd Boßmann (Mitte) begrüßten Bundesministerin Barbara Hendricks in der Kersten Arealmaschinen GmbH. Auch SPD-Ratsmitglied Ahmed Tolun (l.) und der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Karl van Uem (2. v. l.) nahmen an der Führung teil.
Rees. Ministerin Barbara Hendricks war gestern zu Gast in Rees. Sie besuchte die Firma Kersten Arealmaschinen, die optimistisch in die Zukunft blickt. Von Michael Scholten

Als "Männertraum" beschrieb Bundesministerin Barbara Hendricks das Angebot, das sie jetzt beim Besuch der Kersten Arealmaschinen GmbH zu sehen bekam. Die Geschäftsführer Bernd Boßmann und Robert Bosch, die den Produktionsbereich Arealmaschinen und Anbaugeräte im März 2014 aus der insolventen Kersten Maschinen GmbH herausgekauft hatten, führten die SPD-Politikerin durch die beiden Produktionshallen an der Empeler Straße.

Im Jahr 2014 betrug der Umsatz der Kersten Arealmaschinen GmbH 3,8 Millionen, für 2015 rechnet das Unternehmen mit einem Umsatz von 4,5 Millionen Euro. Neben den derzeit 42 Mitarbeitern sollen ab nächstem Jahr auch ein bis zwei Auszubildende zum Betrieb gehören. Die Geschäftsführer blicken optimistisch in die Zukunft: Eine europäische Richtlinie, wonach Unkraut in öffentlichen Anlagen oder entlang von Straßen nicht mehr chemisch bekämpft werden darf, gilt in Deutschland seit 2014 und fördert europaweit den Absatz von Maschinen wie der in Rees produzierten Wildkrautbürste. Diese entfernt das Wildkraut (so heißt das Unkraut heute politisch korrekt in deutschen Gesetzestexten) mechanisch mit Hilfe einer Stahlgeflechtbürste.

Gemeinsam mit einer niederländischen Firma entwickelten die Reeser auch den Wildkrautbrenner, der Pflanzen durch hohe Temperaturen von innen absterben lässt. Da sich langfristig alle europäischen Staaten an die neue Richtlinie halten müssen und keine chemischen Unkrautvernichter mehr einsetzen dürfen, könnten die Absatzmöglichkeiten in den nächsten Jahren stark steigen, zumal aktuell nur sechs Firmen auf die Produktion der entsprechenden Maschinen spezialisiert sind: Neben der Kersten Arealmaschinen GmbH sind das Betriebe in Niedersachsen, Schlewsig-Holstein, Dänemark und Österreich.

"Wir exportieren derzeit fast 70 Prozent unserer Maschinen ins Ausland, vorwiegend nach Frankreich, Belgien und Großbritannien", erklärte Bernd Boßmann beim Besuch der Ministerin. Der Anteil der Wildkrautbürsten und -brenner mache aktuell ein Drittel des Jahresumsatzes aus. Innerhalb Deutschlands sei der Absatz dagegen ins Stocken geraten. Laut Bernd Boßmann fehle vielen Kommunen das Geld für den Kauf der gesetzlich vorgeschriebenen Maschinen. Als Grund führten die Städte ihre gestiegenen Ausgaben für Asylbewerber an. Diesbezüglich räumte Bundesministerin Barbara Hendricks ein, dass der finanzielle Ausgleich der Kommunen "etwas schleppend" laufe, das Problem aber 2016 gelöst sein werde. Somit könne sich auch die Firma Kersten auf volle Auftragsbücher einstellen.

Der Reeser Betrieb produziert ausschließlich auftragsbezogen, jedoch nicht für die Endabnehmer, sondern für Fachhändler in Deutschland und international. Die Maschinen kosten zwischen 2500 und 50.000 Euro, hinzu kommt der Vertrieb von Ersatzteilen für neue und ältere Maschinen. An der Empeler Straße sind aktuell 185.000 Teile griffbereit und können sofort geliefert werden. Gefragt ist auch der in Rees gefertigte Schlegelmäher, der handgeführt an Steilhängen zum Einsatz kommt. Allein der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen hat in den letzten anderthalb Jahren 18 Stück davon gekauft. "Nach der damaligen Insolvenz haben alle namhaften Großkunden und Fachhändler an einer Zusammenarbeit mit uns festgehalten", freute sich Robert Bosch. Der gute Ruf des Labels "Made in Germany" sei international ungebrochen.

Barbara Hendricks nannte die jüngsten Enthüllungen rund um den Autokonzern Volkswagen "höchst bedauerlich", befürchtete aber keinen Schaden für andere deutsche Unternehmen: "Ich war vor einer Woche in China auf einer großen internationalen Konferenz für Umweltschutz. Mit Ausnahme eines Amerikaners hat niemand das Thema VW angesprochen."

Quelle: RP
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