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Rees
Die Buch-Versteckerin

Rees. "Regalhaltung von Taschenbüchern ist Literaturquälerei", meinen BookCrosser wie Theresa Sünder. Die 19-jährige Reeserin versteckt Bücher in der Stadt, um Literatur mit anderen zu teilen. Von Michael Scholten

Ob im Restaurant, im Bürgerhaus oder in Parkanlagen: Wenn irgendwo in Rees ein scheinbar herrenloses Buch herumliegt, könnte Theresa Sünder dahinter stecken. Die Schülerin hat die Bücher nicht aus Versehen liegen lassen, sondern bewusst platziert und das Versteck auf der Internetseite www.bookcrossing.com mit dem Rest der Welt geteilt. Die 19-Jährige ist eine von derzeit 847 000 BookCrossern in 130 Ländern. Und deren Motto lautet: "Regalhaltung von Taschenbüchern ist Literaturquälerei!"

Die Idee zum freien Büchertausch hatte der Amerikaner Ron Hornbaker im Frühjahr 2001. "Beim BookCrossing geht es darum, Bücher auf Reisen zu schicken", erklärt Theresa Sünder. "Sie werden freigelassen, bis jemand sie findet, liest und danach wieder an einem neuen Ort versteckt." Um den Überblick zu wahren, schreibt die Reeserin eine individuelle Nummer in ihr Buch und registriert das Werk auf der Homepage, bevor sie es an einem Ort hinterlegt, der für jeden zugänglich ist.

"Im Idealfall hat das Versteck etwas mit dem Inhalt des Buches zu tun", sagt Theresa Sünder. "Mein erstes Buch habe ich zum Beispiel im Balkan-Stübchen versteckt, weil es vom Balkan-Krieg handelte." Dass eben jener Titel an eben jenem Ort zu finden ist, können alle anderen BookCrosser im Internet nachlesen. Wer in Rees wohnt oder die Stadt besuchen möchte, darf das Buch abholen.

Die "Ausleihe" ist nicht frei von Bedingungen: Der Finder muss die anderen BookCrosser informieren, dass das Buch jetzt bei ihm ist. Nach dem Lesen sollte er eine kurze Kritik schreiben und das Werk an einem neuen Ort deponieren.

Größte Bibliothek der Welt

Nach diesem Prinzip ist seit 2001 die größte freie Bibliothek der Welt mit bislang mehr als sechs Millionen Büchern entstanden. "Die Lust am Lesen beginnt damit, dass es noch unsicher ist, ob man ein Buch überhaupt findet", sagt Theresa Sünder. "Man geht raus und sucht und bekommt schon allein dadurch Lust, sich mit dem ergatterten Buch ein paar Stunden zu beschäftigen. Außerdem kostet BookCrossing nichts. Man entgeht der Gefahr, 20 Euro für ein Buch auszugeben, das einem hinterher nicht gefällt."

Ihre Mitschüler am Willibrord Gymnasium in Emmerich betrachten die Idee mit Skepsis. "Sie mögen zwar die Idee, allerdings kommt es ihnen verrückt vor, geliebte Bücher einfach so wegzugeben", sagt Theresa Sünder. "Man kann aber auch mit einem Buch anfangen, das einen selbst gelangweilt hat. Vielleicht gefällt es dem Finder ja besser als demjenigen, der es versteckt."

Quelle: RP
 
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