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Rees
Düsseldorfer Gastspiel zum Orgeljubiläum

Rees: Düsseldorfer Gastspiel zum Orgeljubiläum
Klaus Lohmann räumt am Mittwoch seinen Platz an der Orgel. RP-Archivfoto: markus van offern FOTO: van Offern Markus
Rees. Die "Königin der Instrumente" wurde vor 40 Jahren in der Reeser Mariä-Himmelfahrt-Kirche eingeweiht. Wolfgang Abendroth, Kantor und Organist an der Johanneskirche in Düsseldorf, spielt morgen. Von Michael Scholten

Klaus Lohmann ist seit 1985 Kantor und Organist an der Reeser Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt. Am morgigen Mittwoch überlässt er seinen Platz an der Orgel dem Düsseldorfer Kollegen Wolfgang Abendroth, der seit 2002 Kantor und Organist an der Johanneskirche in Düsseldorf ist. Ab 20 Uhr gibt der gebürtige Osnabrücker im Rahmen der sechsten Reeser Tage der Kirchenmusik ein Jubiläumskonzert zu Ehren der Reeser Kirchenorgel. Der Eintritt ist frei.

Die "Königin der Instrumente" wurde vor 40 Jahren eingeweiht, enthält fast 3000 Pfeifen und 37 Register. Gebaut und montiert wurde sie durch die Orgelbauer Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer. Bereits in fünfter Generation baut das Unternehmen Orgeln, die weltweit einen außerordentlich guten Ruf genießen.

Gegründet wurde die erste Werkstatt 1885 von Orgelbaumeister Ernst Seifert in Köln. Als 1904 die große Marienorgel in Kevelaer gebaut wurde, ließ sich auch die Firma in dem niederrheinischen Wallfahrtsort nieder. Der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise ließen die Zahl der Aufträge sinken, doch das verschlankte Unternehmen Seifert konnte sich am Markt behaupten. Dann kam der Zweite Weltkrieg und die Behörden zwangen die Seiferts zur Umstellung ihrer Produktion auf "kriegswichtige Güter", nämlich Schreibtische. Als britische und US-amerikanische Truppen am Niederrhein einmarschierten, funktionierten sie die Werkstatt in ein Lebensmittellager um. Romanus Seifert wurde als kommissarscher Bürgermeister von Kevelaer eingesetzt und musste das Lager verwalten.

Ab den 1950er Jahren begann ein neuer Aufschwung der Orgelbaufirma. Viele Kirchen wurden gebaut oder restauriert, viele Gemeinden wünschten sich Orgeln, die nach strengen Regeln der Orgelbaukunst konstruiert und in bester handwerklicher Tradition gebaut werden sollten. Die Reeser Pfarrkirche, die im Kriegsjahr 1945 bis auf wenige Außenmauern zerstört worden war, wurde über zwei Jahrzehnte im klassizistischen Stil wieder aufgebaut. 1970 erhielt sie ihre markanten Bronzetüren im Hauptportal, fünf Jahre später wurde mit dem Bau und der Montage der Seifert-Orgel begonnen. Sie hat drei Manualwerke und ein Pedalwerk.

"Die Kreativität bleibt den Händen des Organisten vorbehalten", schreibt die Firma Romanus Seifert & Sohn auf ihrer Internetseite und ergänzt: "So wird unsere Orgel zum vollendeten Werkzeug in der Hand des einfühlsamen Könners."

Organisten aus aller Welt sind schon nach Kevelaer gekommen, um dort die Marienorgel zu spielen. Sie gilt als eine der größten und authentischsten romantischen Orgeln weltweit. Doch auch die Reeser Kirchenorgel weiß die Organisten zu begeistern. So auch den Gastspieler Wolfgang Abendroth. Er studierte Kirchenmusik an der Hochschule für Musik in Köln und belegte Meisterkurse bei Jane Parker-Smith, Daniel Roth und Harald Vogel. Eine rege Konzerttätigkeit führte ihn durch Deutschland, Österreich, England, Russland, Italien, Polen, Belgien und Südamerika. Er war Gast bei vielen Festivals und wirkte als Organist und Pianist an Rundfunk- und CD-Aufnahmen für den Norddeutschen und Westdeutschen Rundfunk mit.

Abendroth ist auch künstlerischer Leiter der Johanneskantorei Düsseldorf und des Düsseldorfer Kammerchores, er konzipiert die musikalischen Ereignisse an Düsseldorfs größter evangelischer Kirche. Seit 2005 unterrichtet er eine Orgelklasse an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford, seit 2013 auch an der Hochschule für Musik Köln. 2010 erhielt Abendroth den Förderpreis für Musik der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Quelle: RP
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