| 00.00 Uhr

Emmerich
Ein altes Relief gibt Rätsel auf

Emmerich: Ein altes Relief gibt Rätsel auf
Das total verwittere Relief ist nicht mehr zu erkennen. FOTO: Markus Balser
Emmerich. Dr. Johannes Pickers versucht herauszufinden, was es mit dem Relief am alten Spaarmannhaus an der Rheinpromenade auf sich hat. Es dürfte 600 Jahre alt sein, was es zeigt, ist nicht mehr zu erkennen. Von Monika Hartjes

Dr. Johannes Pickers ist ratlos. Überall hat er nachgefragt, aber keiner konnte ihm weiterhelfen. Der Zahnarzt interessiert sich sehr für die Geschichte seiner Heimatstadt und für historische Kunstdenkmäler und Gedenkstätten. Da er an der Rheinpromenade wohnt, läuft er fast jeden Tag am "Spaarmann-Haus", Rheinpromenade 39, vorbei. Dabei fiel ihm ein Schild mit der Jahreszahl 1417 auf und darüber ein Relief, das aber so verwittert ist, dass man kaum erkennen kann, was darauf abgebildet ist. Das machte ihn neugierig. "Emmerich wurde im Oktober 1944 zu 97 Prozent zerstört, da ist nicht viel übrig geblieben an kunsthistorischen Relikten. Da sollte man sich für die 'Zeugen', die wir noch haben, interessieren und diese auch entsprechend erhalten", sagt er. Denn wenn die Jahreszahl auch das Alter des Reliefs angibt, so ist es in diesem Jahr genau 600 Jahre alt. Die Tafel befindet sich auf einem Rest des alten Stadtturms, der beim Neubau wegen des Denkmalschutzes nicht abgerissen werden durfte.

Zunächst habe er überall nachgefragt, ob jemand etwas über die Abbildung und deren Bedeutung wisse, die auch auf einem Foto der Spedition Spaarmann aus dem Jahr 1836 zu sehen ist. Er fragte Elisabeth Riepe von der Stadt, die für die Denkmalpflege zuständig ist. Sie nannte als Ansprechpartner Walter Axmacher vom Geschichtsverein. Aber auch die Stadtführerin Monika Wirtz konnte nicht weiterhelfen. Herbert Kleipaß vom Rheinmuseum hatte ebenfalls keine Unterlagen dazu und auch in Mannis kleinem Museum wurde er nicht fündig. Eine Anfrage bei dem Architekten Dr Hasso Breuer aus Aachen ergab ebenfalls kein Ergebnis. "Mich wundert das, zumal der Turmteil des Hauses und das Relief damals beim Neubau ja nicht mit abgerissen werden durften und das Jahreszahlschild doch offensichtlich neu ist. Da muss doch wohl mal jemand Bescheid gewusst haben", so Pickers.

Er fotografierte das Kunstwerk ab und erstellte dann aus dem Gedächtnis heraus eine Nachzeichnung seiner "vermeintlichen Erinnerung" - zwei Männer, die an einer Stange einen großen Traubentross tragen. "Als Kind habe ich es öfter angeschaut." Dann recherchierte er im Internet. Dort fand er auf der niederländischen Homepage "buitenbeeldinbeeld.nl" ein Relief in gleicher Größe, dessen Motiv seiner Nachzeichnung ähnelt. Zur Erklärung stand dabei: Der Giebelstein mit dem Motiv 'Zwei Träger mit einem großen Traubentross" kommt öfters vor. Gleiche Giebelsteine sind unter anderem zu finden in Amsterdam (Herengracht und Rozengracht), in Leiden (Beestenmarkt) und in Roosendaal (Radhuisstraat). Diese Steine sind versehen mit dem Text: "Im Land der Versprechungen" Es verweist auf eine Geschichte der Bibel, worin Spione das gelobte Land Kanaan ausspähen sollten. Als Beweis für die große Fruchtbarkeit des Landes nahmen sie einen enorm großen Traubentross mit, den sie nur zu zweit an einer Stange tragen konnten. Der Giebelstein mit dieser Abbildung verzierte vor allem Lokale und Herbergen.

Da Dr. Johannes Pickers sich aber nicht sicher ist, ob das Suchergebnis tatsächlich auch mit dem alten Reliefmotiv übereinstimmt, fragt er nach, ob vielleicht jemand ein älteres Foto des Spaarmann-Hauses hat, auf dem das Bild noch besser zu erkennen ist. Er hat auch schon eine Idee, wie man dann den Rest des alten Reliefs schützen könnte. "Man könnte eine Plexiglasplatte mit einer Zeichnung des Originalmotiv davor schrauben", schlägt er vor. Es wäre also schön, wenn die Leser ihre alten Fotobücher mal durchblättern würden.

Quelle: RP
 
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Emmerich: Ein altes Relief gibt Rätsel auf


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.