| 10.28 Uhr

Rees
Ungestörte Hetze in Facebook-Gruppe

Facebook Rees: Ungestörte Hetze bei "Du bist Reeser"
"Alle vergasen. Das Pack ausrotten." Zwei Auszüge aus der Diskussion gestern Morgen in der Gruppe "Du bist Reeser". Wir haben die Namen und Fotos der Teilnehmer entfernt. Die Administratoren löschten alle Einträge am Nachmittag.
Rees. In der Facebook-Gruppe "Du bist Reeser" brüstet sich ein junger Mann aus Millingen ungehindert mit seiner rechten Gesinnung. Von Christian Hagemann

Tummeln sich in der Facebook-Gruppe "Du bist Reeser" ungestört Rechtsradikale? Oliver Scholten (42) aus Haldern beklagt, dass die Administratoren dieser Gruppe nicht einschreiten, wenn ein Teilnehmer schreibt, Flüchtlinge sollten ausgerottet und vergast werden. Die Gruppe hat mehr als 2000 Mitglieder.

Scholten ist Geschäftsführer des "Tannenhäuschen" in Wesel und war bislang regelmäßig auf der Seite, die sich mit den Dingen rund um Rees beschäftigt. Doch seit gestern Morgen ist das anders. Scholten, der gerade Urlaub hat, zur Rheinischen Post: "Am Morgen beklagte sich eine Frau aus Emmerich, dass sie wegen ihres Nachnamens, der nicht deutsch klingt, beschimpft worden ist. Daraus entwickelte sich dann eine Diskussion, die immer mehr ausartete. Zwei Stunden ging da so."

Scholten schreibt auf seiner Facebook-Seite: "Im Verlauf einer erneuten Diskussion über Flüchtlinge kam es zu Kommentaren, die den Straftatbestand der Volksverhetzung erfüllen. Jeder darf zu diesem akuten Thema seine Meinung, Sorgen und Ängste haben. Wenn allerdings Begriffe wie Ausrotten und Vergasen ins Spiel kommen und selbige Kommentare durch die Admins der Gruppe nicht gelöscht werden mit dem Kommentar "Das gehört zur Akzeptanz von Meinungen", ist das Ende der Fahnenstange erreicht."

Scholten bezieht sich auf einen Teilnehmer der Gruppe, der aus Millingen stammt und das geschrieben hat. "Nicht das erste Mal, dass derlei Kommentare akzeptiert werden. Stattdessen wird man selbst dann daran erinnert, dass man doch mal seinen Tonfall ändern soll!", so Scholten. Er hat, um das alles beweisen zu können, Kopien der Seite und der Kommentare gemacht. Und er hat sich nicht nur an Facebook gewandt, damit man sich dort die Gruppe und den Teilnehmer vornimmt, sondern auch an die Polizei.

Sascha Jonkhans und seine Frau Sandra sind die Administratoren dieser Seite, also die Organisatoren. Jonkhans beklagt gegenüber der RP "Hetzerei und Aufbauscherei" auf der Seite. Es sei kaum noch möglich, Herr der Lage zu sein. Zumal seine Frau und er tagsüber ihrer Arbeit nachgingen und folglich nur begrenzt die Möglichkeit hätten, die Diskussionen zu verfolgen. Der Ton werde immer aggressiver. Das gilt allerdings auf für einige Posts, die Jonkhans geteilt hat und in denen es gegen Flüchtlinge geht oder die Regierung, die lüge und betrüge.

Oliver Scholten hat jedenfalls die Nase voll von der Rees-Gruppe und fordert auch andere auf, diese zu verlassen. Er habe sich einer neuen Gruppe angeschlossen. Sie heißt "Du bist Reeser wenn..." Dort gehe es um Rees und nicht darum, "rechten Hetzern eine Plattform zu bieten". "Lasst uns gemeinsam den Mitgliedszähler der Gruppe ,Du bist Reeser' auf einen zweistelligen Wert bringen", so Scholten.

Möglicherweise kommt ihm das Ehepaar Jonkhans zuvor. "Wir überlegen, unsere Gruppe zu schließen. Wir haben die Nase voll von den ganzen Anfeindungen", sagt Jonkhans.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.