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Rees
Glanzleistung als liebestoller Gockel

Rees: Glanzleistung als liebestoller Gockel
Für den Pleißenbacher Stadtrat Peter Struwe (Marko Gertzen) soll sich schon bald rächen, dass er in Berlin der schönen Varieté-Tänzerin Yvette (Anne Bücker) nachgestellt hat. FOTO: Michael Scholten
Rees. Viel Applaus für die Darsteller der Dorfbühne Mehr gab es bei der Premiere des dreistündigen Schwanks "Der wahre Jakob". Ab dem kommenden Freitag, 15. April, gibt es weitere Vorstellungen. Von Michael Scholten

"Es ist immer wieder toll", waren sich die 140 Zuschauer einig, als sie am Samstag das Pfarrheim verließen. Mit der Premiere des dreistündigen Schwanks "Der wahre Jakob" hatten zuvor die Darsteller und Regisseurin Elisabeth Rupprecht bewiesen, dass die Dorfbühne Mehr auch im 31. Jahr ihres Bestehens nichts an Humor und Können eingebüßt hat.

Hauptdarsteller Marko Gertzen entpuppte sich als Idealbesetzung für die Hauptrolle des Pleißenbacher Stadtrates Peter Struwe, der einen Sittlichkeitskongress in Berlin schwänzt und sich ins frivole Nachtleben stürzt. Dort verfällt der Familienvater und Präsident des "Vereins zur Aufrichtung gefallener Mädchen" den Reizen der Varieté-Tänzerin Yvette (Anne Bücker) und stellt ihr fortan wie ein verliebter Gockel nach. Er ahnt ja nicht, dass Yvette in Wahrheit seine Stieftochter ist - und damit nimmt das Chaos seinen Lauf.

Marko Gertzen, der als liebestolles "Moppelchen" zur Höchstform auflief, erinnerte in vielen turbulenten Momenten an Giganten wie Heinz Erhardt. Anne Bücker wirkte mit ihrer blonden Perücke wie die junge Grit Boettcher. Und Peter Rupprecht, der im Jahr 1985 die Hauptrolle in "Der wahre Jakob" gespielt hatte, glänzte in der starken Nebenrolle des gewissenhaften Nervenbündels Heinrich Böcklein. Leo Tekath war der einzige Darsteller, der seine Rolle von 1985 erneut spielte, nämlich den sittenstrengen Geheimrat Eduard Stülpnagel, der mit schlohweißer Perücke und weißem Bart jetzt umso bedrohlicher wirkte.

"Der wahre Jakob", ein Dreiakter aus der Feder von Franz Arnold und Ernst Bach, spielt um das Jahr 1930 und bot der Dorfbühne Mehr die ideale Gelegenheit, ganz tief in die Klamottenkiste zu greifen, übertriebene Perücken und Brillen aufzusetzen und sich auf die bombensichere Wirkung von Slapstick und Pointen zu verlassen. Gepaart mit herrlich altmodischen Begriffen wie "Gnädigste" und "Bratenrock" oder dem hanebüchenen Kräftemessen hormongesteuerter Männer war der Erfolg beim Publikum programmiert. Das amüsierte sich besonders über das Zerbröckeln der bürgerlichen Fassade von Tugend und Moral.

Quelle: RP
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