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Emmerich
Heroin und die Folgen: Zwölf Tote in zwei Jahren

Emmerich: Heroin und die Folgen: Zwölf Tote in zwei Jahren
Die Mitglieder des "Elternkreis Drogeninitiative" erinnerten gestern mit Rosen an die Drogentoten in Emmerich. FOTO: Klaus-Dieter Stade
Emmerich. Emmericher Elternkreis erinnert an die Opfer der Sucht. Hilfe für "Altjunkies" ist vorhanden, doch die Drogen werden immer härter. Von Christian Hagemann

In den vergangenen zwei Jahren sind in Emmerich zwölf Menschen an den Folgen ihrer Drogensucht gestorben. In der Regel waren es Menschen, die von Heroin (oft in Kombination mit anderen Drogen) abhängig waren. "Allerdings starben sie nicht mit der Nadel im Arm", sagt Harald Hegel. "Es sind die Folgen vom langjährigen Konsum, die der Körper irgendwann nicht mehr schafft."

Hegel lebt in Emmerich, ist Diplom-Psychologe und engagiert sich im "Elternkreis Drogeninitiative". Dieser Verein von Betroffenen, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Hilfe für Abhängige zu organisieren, erinnerte gestern am Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenkranke, daran, dass es viele Familien in Emmerich gibt, die direkt betroffen sind.

Zum besseren Verständnis: In Emmerich sind in den vergangenen zwei Jahrzehnten ungefähr 161 Menschen durch ihre Heroinabhängigkeit ums Leben gekommen.

Der Erinnerungstag ist für den Elternkreis gleichzeitig immer auch ein Anlass, an die Jugendlichen zu appellieren, nicht in eine Drogenszene hineinzuschlittern. Deshalb steht der Freundeskreis jährlich auch mit einem kleinen Stand in der Innenstadt. Gestern zum Beispiel vor dem Geschäft von Brigitte van der Veen-Scheike an der Steinstraße 37. Auch sie ist im Elternkreis engagiert.

Weiße Rosen geben die Helfer am Stand an Passanten ab, die sich die Vornamen und Anfangsbuchstaben des Nachnamens der Toten durchlesen. Sie sind auf einer Liste zu finden, die der Elternkreis aufhängt.

Regelmäßig kommen die Altjunkies an den Stand und grüßen die Mitglieder vom Elternkreis. "Altjunkies" werden sie genannt, weil sie seit Jahren oder Jahrzehnten mit ihrer Abhängigkeit leben, oft nur mit Hilfe von Methadon, der Ersatzdroge für Heroin. 60 bis 80 Emmericher nehmen sie, zwei Ärzte in Emmerich geben sie. Das sind weniger als noch vor einigen Jahren. Doch die Betroffenen können auch einmal in der Woche für die Einnahme nach Kleve fahren.

Die Langzeit-Abhängigen haben durch den Elternkreis ein Netzwerk, das ihnen hilft, gesundheitlich und psychisch über die Runden zu kommen. Etwa durch eine Betreuung am Haus Neuer Steinweg 21. Fünf Wohneinheiten für die Drogenkranken gibt es dort, belegt sind derzeit nur drei.

Das klingt beinahe so, als ob die Drogenplage, unter der Emmerich seit Jahrzehnten leidet, abklingt. Doch das ist nicht der Fall. Die Strukturen haben sich nicht verändert, sprich: die Nähe zu den Niederlanden und damit zu den Drogen, die im Grenzgebiet billiger und einfacher zu beschaffen sind. "Und die Drogen werden immer härter", sagt Heger. Sogar Crystal Meths ist in die Jugendszene eingedrungen - die Droge also, die direkt zu einer absoluten Abhängigkeit führt, an deren Ende der rasche körperliche Verfall steht.

Wie groß diese Szene ist, kann Harald Heger allerdings nicht sagen. "Sie trifft sich nicht öffentlich, so wie früher die Drogenszene im Park. Und wir kommen mit unseren Hilfsangeboten an diese Leute erst heran, wenn es schon beinahe zu spät ist."

Kontakt: Harald Heger, Telefon 02822 - 9156988

Quelle: RP
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