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Rees
Inhalt der Symbole geht oft verloren

Rees. Ostern ist das zentrale Fest der katholischen Kirche. Dann werden der Tod und die Auferstehung Jesu gefeiert.

RP-Redakteur Sebastian Latzel sprach mit Pfarrer Michael Wolf von St. Irmgardis über das Fest und ging dabei auch der Frage nach, warum Weihnachten in der Öffentlichkeit dem Osterfest den Rang abgelaufen hat.

Wer rein auf die Besucherzahlen der Gottesdienste schaut, könnte inzwischen denken, dass viele Weihnachten für das höchste Kirchenfest halten.

Wolf Es ist tatsächlich so, dass wir beobachten, dass die Messen zu Weihnachten am besten besucht werden. Auch von Gläubigen, die sonst das ganze Jahr über nicht in die Kirche gehen. In der Osternacht ist die Kirche zwar auch gut gefüllt, aber dann kommt eher die Kerngemeinde.

Worauf führen Sie diese Entwicklung zurück?

Wolf Ich denke, Weihnachten ist ein Fest, das ganz viel mit Gefühlen zu tun hat. Es spricht stark das Herz an. Die Dunkelheit, der Adventskranz, das Plätzchenbacken, die vielen Lichter machen Weihnachten zu einem Familienfest. Außerdem ist es harmloser und einfacher, sich auf das Jesuskind in der Krippe einzulassen. Ostern ist anspruchvoller. Da geht es um den Jesu Tod am Kreuz und seine Auferstehung. Da geht es dann auch um meine Existenz.

Ostern also als ein eher unbequemes Fest?

Wolf Ostern ist ein Fest, das die Gläubigen in die Pflicht nimmt. Es hat sehr stark mit Umkehr zu tun. Jeder ist aufgefordert, über sich und sein Leben nachzudenken. Gerade dazu ist auch die sechswöchige Fastenzeit da. Ins eigene Herz, auf die eigenen Fehler zu schauen, das ist anstrengend, davor drücken sich viele. Dabei ist es gerade Auftrag der Kirche, darauf hinzuweisen, dass wir uns ständig verändern müssen, mit dem Ziel, Jesus ähnlicher zu werden. Sie merken, hier geht es um ein anspruchsvolles Fest.

Anspruchsvoll ist auch die Osternacht mit ihrer umfangreichen Liturgie. Ich habe aber den Eindruck, dass viele dieses Ostererlebnis schätzen und suchen.

Wolf Wie gesagt, Ostern geht die Kerngemeinde in die Kirche. Und die Gläubigen tun es bewusst, um das Geheimnis des Glaubens und des Lebens zu feiern. Die Liturgie mit Segnung von Feuer und Taufkerze, den vielen Lesungen gehört dazu. Die Osternacht ist der Gottesdienst, in dem sich die ganze Liturgie der katholischen Kirche entfaltet.

Auch Ostern ist ein Fest der vielen Symbole. Ich denke dabei etwa an die bunt gefärbten Eier und den Osterhasen. Können Sie damit etwas anfangen?

Wolf Diese Symbole gehören zum Osterfest einfach dazu und sie haben ja auch christliche Wurzeln. Der Hase etwa hat immer die Augen auf, deshalb hieß es früher: Er schläft nicht. Was als Zeichen für die Auferstehung verstanden wurde. Das Ei steht für werdendes, neues Leben. Es ist Symbol für die Auferstehung Wenn die Symbole noch mit Leben gefüllt werden, haben sie auch an einem christlichen Fest ihre Berechtigung. Das Problem ist inzwischen aber, dass es für manche nur noch um das Eiersuchen geht. Es geht nur noch um die schöne Form, die Verpackung. Der Inhalt der Symbole geht immer mehr verloren. Leider.

Quelle: RP
 
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