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Emmerich
Nach dem Dauerfeuer kam die Offensive

Krieg in Rees: Historische Aufnahmen von der Luftlandung und dem Rheinübergang 1945
Krieg in Rees: Historische Aufnahmen von der Luftlandung und dem Rheinübergang 1945 FOTO: Andreas Endermann
Emmerich. Am Mittwoch genau vor 65 Jahren trat der Krieg am Niederrhein in seine entscheidende Phase. Mit dem Rheinübergang und der Luftlandung begann die massive Offensive der Alliierten, die den Widerstand auf der rechten Rheinseite brechen wollten. Von Bernd Finke

"Der Rheinübergang wie auch die unmittelbar danach erfolgende Luftlandung der Alliierten im Rücken der deutschen Rheinverteidigung waren als Teiloperationen innerhalb der Operation "Plunder" bis ins kleinste Detail durchgeplant", betont Zeitzeuge Johann Nitrowski, Jahrgang 1928, im Gespräch mit der RP.

In seiner beeindruckenden Buch-Dokumentation "Die Luftlandung" (erschienen 1997, derzeit erfolgt ein Nachdruck) hatte sich der gebürtige Kamp-Lintforter und heute in Hamminkeln lebende Schulrektor i. R. mit den damaligen Geschehnissen intensiv auseinandergesetzt. Kürzlich hatte er auch bei der Eröffnung der Ausstellung "Spuren der Trauer" im Heimatmuseum Haffen von den Kriegsereignissen im März 1945 berichtet.

Die unter dem Codenamen "Torchlight" (Taschenlampenlicht) ablaufende Rheinüberquerung zwischen Xanten und Bislich/Mehr war mit massivem Artilleriefeuer des auf der linken Rheinseite liegenden 12. Britischen Korps vorbereitet worden.

Nicht weniger als 706 Geschütze verschiedenen Kalibers hatten am 23. März ab 18 Uhr über den Rhein hinweg die deutschen Truppen beschossen, aber auch Straßen und andere Ziele auf der rechten Rheinseite anvisiert und gaben so zugleich den in Schwimmpanzern und Sturmbooten über den Strom setzenden Soldaten der 15. Schottischen Division den notwendigen Feuerschutz.

In einer zweiten Welle am nächsten Morgen mit dabei in einem der schwimmenden Panzer – das belegen historische Fotos - war kein geringerer als Winston Churchill. Das Artilleriefeuer hatte erst am anderen Morgen um 9.30 Uhr, dann aber abrupt, geendet, und wenige Minuten vor 10 Uhr waren etwa 1 500 britische und amerikanische Lastensegler im Bereich zwischen Hamminkeln und Wesel gelandet.

"Als sich die Menschen nach mehr als 14-stündigem alliierten Dauerfeuer aus ihren Luftschutzbunkern trauten, standen die ersten britischen Soldaten schon in ihren Gärten", berichtet Johann Nitrowski, der hierzu zahlreiche Augenzeugen befragt hat. Am 24. März um 17.45 Uhr war das Dörfchen Mehr von den "Seaforce Highlanders", einer Untereinheit der 15. Schottischen Division, besetzt worden. Den deutschen Elitesoldaten der 7. Fallschirmjägerdivision war es danach zwar gelungen, die Schotten noch einmal zurückzudrängen, doch schon kurz darauf waren diese wieder und nun endgültig die Herren der Lage gewesen.

Aber sie hatten hierfür einen hohen Preis zahlen müssen, denn zehn ihrer Offiziere und 21 Soldaten hatten in diesem letzten sinnlosen Kampf ihr Leben verloren. Auf deutscher Seite waren 30 Gefangene und etliche Verwundete zu beklagen, die Zahl der Toten ist nicht bekannt.

Am 25. März war der Widerstand der Deutschen endgültig gebrochen, der Krieg am Niederrhein war beendet. Derweil rollte bereits der Nachschub der Alliierten in einer nicht enden wollenden Kolonne über eine Pontonbrücke auf dem Rhein und die Landstraße zwischen Mehr, Mehrhoog und Brünen zur Reichsstraße 70 (heute B 70) und von dort ins Landesinnere. Am 8. Mai 1945 schwiegen dann überall die Waffen, der II. Weltkrieg (in Europa) und mit ihm das verbrecherische Nazi-Regime unter Adolf Hitler gehörten endlich der Geschichte an.

Quelle: RP
 
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