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Rees
Schüler beeindrucken ihre Gasteltern

Rees: Schüler beeindrucken ihre Gasteltern
Rees. Sechstklässer vom Gymnasium Aspel zu Besuch in England. Bilingualer Unterricht macht sich bezahlt. Von Michael Scholten

Da lacht das Herz des Englischlehrers: Der irische Schriftsteller Oscar Wilde verfasste 1894 in Worthing die Komödie "The Importance of Being Earnest". Die Figur Jack Worthing benannte er auch gleich nach dem schmucken Kurort in der Grafschaft West Sussex. Auf diesen literarischen Wurzeln wandeln seit vier Jahren die Schüler des Gymnasiums Aspel. Erst gerade waren wieder 49 Sechstklässler vier Tage lang in der Küstenstadt, um ihr Englisch aufzupolieren und erste Auslandserfahrungen zu sammeln.

Alle Schülerinnen und Schüler des bilingualen Unterrichts sowie circa 15 Klassenkameraden, die per Losverfahren für die Reise ausgewählt worden waren, fuhren mit Bus und Kanalfähre nach Worthing. Das Lehrerquartett Agnes Bückers, Cordula Hübner, Eva-Maria Tardy und Franz Wankum begleitete sie und lebte, genau wie die Schüler, bei lokalen Gastfamilien. Am ersten Tag lernten sie die Stadt bei einer Fragebogen-Rally besser kennen. Dabei mussten sie die Engländer befragen, warum zum Beispiel auf einem alten Postkasten noch "VR" statt "ER" steht.

"Der Briefkasten stammt aus den Regierungsjahren 1837-1901 von Königin Victoria", erklärt Lehrer Franz Wankum, "seit 1952 Königin Elizabeth II. regiert, stehen auf den Briefkästen die Buchstaben ER." Schülerin Pauline von Bontrup erzählt: "Ein Busfahrer, den wir fragten, wusste das, weil er es im Internet recherchiert hatte, nachdem ihm vor einem Jahr schon andere Schüler diese Frage gestellt hatten." Die Kleinstadt Chichester faszinierte die Reeser Besucher durch ihre römische Vorgeschichte. Im Museum besichtigten sie alte Thermen, in der Kathedrale, die auf den Resten der Römersiedlung steht, sahen sie alte Mosaikfußböden. Auch viele englische Schüler in Uniformen sahen sie dort. "Je nach Uniform könnte ich mir das auch in Deutschland vorstellen", sagt Schüler Simon Hildenhagen, "aber nicht mit Schlips und so."

Ein Höhepunkt der Reise war die Tagesfahrt nach London, inklusive Tower-Besuch und Bootsfahrt auf der Themse mit Blick auf die Houses of Parliament und den Big-Ben-Glockenturm. Der Weg zum Buckingham Palace endete am gusseisernen Zaun, doch die gehisste Flagge und das Eintreffen teurer Wagen mit elegant gekleideten Insassen verriet, dass Königin Elizabeth II. zu Hause sein musste. Geht es nach Schüler Stephan Hartung, braucht Deutschland das Konzept einer Monarchie nicht von Großbritannien zu kopieren: "Das kostet nur Steuern."

London empfanden die Schüler als "groß, aber übersichtlich" und "grün, mit vielen Rasenflächen - wie Bocholt." Arundel Castle, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Burgen, stand ebenfalls auf dem Pogramm. "Hier wohnt der Duke of Norfolk", sagt Lehrer Franz Wankum. "Er ist römisch-katholisch und für die Hochzeiten und Beerdigungen innerhalb der Königsfamilie zuständig."

Wenn es an der Reise überhaupt etwas zu meckern gab, dann war es das Essen. "Bei uns gab es morgens Toast mit Teller", sagt Pauline von Bontrup, "und abends Fast Food." Bei Felicitas Rally lautete der Speiseplan: "Pommes. Immer nur Pommes." Lob gab es dagegen von den Gasteltern: "Sie haben gestaunt, wie gut die meisten unserer Schüler Englisch sprechen", so Lehrerin Eva-Maria Tardy. Ihre Kollegin Cordula Hübner bedauert, dass Rees keine internationalen Städtepartnerschaften unterhält und es auch keine Partnerschulen gibt. Dies sei der Grund, warum die Reeser Reisen nach Worthing stets über eine Agentur gebucht werden.

Wie dem auch sei: Die Schüler haben die England-Reise auf jeden Fall genossen.

Quelle: RP
 
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