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Thomas Von Kuczkowski
"Fußball ist für viele Spieler nicht mehr das Wichtigste"

Emmerich. Niederrhein Fünfeinhalb Jahre hat er die sportlichen Geschicke des 1. FC Kleve bestimmt. Jetzt hat sich Trainer Thomas von Kuczkowski von dem Verein verabschiedet. Im Gespräch mit der Rheinischen Post zieht der 44-Jährige Bilanz.

Wie haben Sie die Nachricht vom Ende der Zusammenarbeit aufgenommen?

Thomas von Kuczkowski Ich habe mich gefühlt wie ein Viertklässler, dem gesagt wird: Du musst in eine andere Stadt umziehen. Du kannst nicht mehr Kapitän deiner Fußballmannschaft sein und wirst aus deinem sozialen Umfeld gerissen. So habe ich mich gefühlt. Ich bin enttäuscht und traurig gewesen, auch wenn eine Trennung nach so langer Zeit nicht unüblich ist.

Ende 2010 wurde die Mannschaft aus der damaligen NRW-Liga abgemeldet, Anfang 2011 Insolvenzantrag gestellt. Sie sind 2011 als Sportlicher Leiter gekommen und haben zur Rückrunde 2012 das Traineramt übernommen. Wo lagen die Herausforderungen in der Zeit des Neustarts?

Von Kuczkowski Damals war die große Frage: Wie geht es weiter mit dem FC? Es herrschte ja Chaos - und wir hatten nichts. Nachdem das Team in der NRW-Liga abgemeldet worden war, wurde die Landesliga-Reserve unter Sebastian Kaul zur ersten Mannschaft gemacht. Und wir mussten in kurzer Zeit einen Kader für das zweite Team in der Bezirksliga aufstellen.

Spielerverpflichtungen standen weit oben auf Zettel?

von Kuczkowski Ja, das ist nach der Insolvenz nicht einfach gewesen. Wir mussten zunächst das Vertrauen zurückgewinnen. In dieser Phase habe ich sehr akribisch gearbeitet, und wir haben es geschafft, Fabio Forster und Pascal Hühner für die Saison 2012/2013 zu verpflichten. Die haben mit sehr guten Leistungen dafür gesorgt, dass wir oben mitspielen. So konnten wir gleichzeitig zeigen, dass neue Akteure uns wieder vertrauen können.

Ihre Bilanz?

von Kuczkowski Leider bleiben bei vielen nur die knapp verpassten Aufstiege in Erinnerung. Aber unsere Quote in den fünfeinhalb Jahren ist trotzdem sensationell gewesen: In 155 Meisterschaftsspielen haben wir 86 Siege und 36 Unentschieden geschafft, in 78 Prozent der Spiele sind wir nicht als Verlierer vom Platz gegangen.

Als Spieler waren sie damals noch beim VfB Kleve aktiv, als Trainer unter anderem auch bei Viktoria Goch. Wie sehen Sie die Entwicklungen im Amateurfußball?

von Kuczkowski Man kann sich heute nicht mehr zu hundert Prozent auf Spielerzusagen verlassen, so wie das früher der Fall gewesen ist. Veränderungen gibt es auch im sozialen Bereich: Früher war man eine Stunde vor Trainingsbeginn in der Kabine und hat gequatscht, heute treffen die Spieler oft erst kurz vor Beginn ein. Gleichzeitig leben die Spieler bewusster, tun mehr für ihren Körper. Eine Kiste Bier konnte bei uns auch schon mal drei Wochen unangetastet in der Kabine stehen.

Haben sich die Trainingsstandards verbessert?

von Kuczkowski Ich finde, dass die jungen Leute heute besser trainiert und ausgebildet werden. Allerdings sind wir damals nach der Schule und vor dem Training noch auf den Bolzplatz gegangen, das ist in der heutigen, hektischeren Zeit anders geworden. Es gibt überall Ablenkung. Fußball ist für viele Spieler nicht mehr das Wichtigste. Ich kann nur jedem sagen: Spielt so lange wie möglich. Es gibt nichts Schöneres, als vor und nach der Partie mit der Mannschaft zusammenzusitzen.

Dass Sie die Lust am Fußball verlieren, ist nicht zu befürchten. Beim Bezirksligisten TSV Wachtendonk/Wankum haben Sie eine neue Aufgabe gefunden. Wie sehen Ihre sportlichen Pläne aus?

von Kuczkowski Ich hatte mehrere Angebote, habe aber beim ersten Gespräch mit dem TSV gemerkt, dass der Verein top organisiert ist. Die Verantwortlichen machen einen Riesenjob, und die Trainingsmöglichkeiten sind toll.

DAS GESPRÄCH FÜHRTE JENS HELMUS

Quelle: RP
 
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