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Erkelenz
Beeindruckende Klanggewalt

Erkelenz: Beeindruckende Klanggewalt
Reinholt Richter leitete das Gemeinschaftskonzert von Cornelius-Burgh-Chor, Kirchenchor St. Helena und Camerata Gladbach, unterstützt von erstklassigen Solisten, in der Erkelenzer Stadthalle. FOTO: Jürgen Laaser
Erkelenz. Meisterkonzert: Bedrückend aktuell wirkte Verdis "Messa da Requiem" im Schatten der Anschläge von Paris. Camerata Gladbach, Cornelius-Burgh-Chor und Kirchenchor St. Helena begeisterten. Von Angela Wilms-Adrians

Der Cornelius-Burgh-Chor und der Kirchen- und Projektchor St. Helena traten schon mehrfach zu den Meisterkonzerten in der Erkelenzer Stadthalle auf. Doch nie zuvor wirkte eine Aufführung so aktuell wie die von Verdis "Messa da Requiem" im Schatten der Terroranschläge von Paris.

Angst, Trauer, Wut, aber auch der Funke der Hoffnung liegen in Verdis bedeutendem Chorwerk. Unterstützt von Solisten und der Camerata Gladbach gaben der Cornelius-Burgh-Chor des Heimatvereins der Erkelenzer Lande sowie der Kirchen- und Projektchor St. Helena Mönchengladbach-Rheindahlen diesen Emotionen eine ausdrucksvolle Gestalt. Es war, als gäben sie unter Reinholt Richters Dirigat eine Antwort auf die Gemengelage der Gefühle nach dem Schock als Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse in Paris.

Franz-Josef Dahlmanns, Leiter der gastgebenden Anton-Heinen-Volkshochschule, bat vor Beginn um eine Gedenkminute für die Opfer. Er mahnte an den französischen Werten Liberté, Égalité und Fraternité festzuhalten. Der Terror lasse den Atem stocken, alle Gefühle der Verzweiflung und Trauer, aber auch Hoffnung hätten Platz in Verdis Werk, betonte Chorsängerin Maria Czimek vom Chorprojekt Rheindahlen.

"Requiem aeternam dona eis, Domine" - "Die ewige Ruhe schenke ihnen, o Herr" - stimmten die beiden regional bedeutsamen Chöre zur großen Gemeinschaft vereint an - sanft und ernsthaft im Ausdruck. Es war der Auftakt zu einer Interpretation, die die starken Kontraste und die dramatische Energie der Totenmesse in atemberaubender Dichte einfing. Mal schien der Chor erregt zu flüstern, dann wieder innig zu beten. Zum "Dies irae" entflammten die Stimmen in steilen Crescendi zu grandioser, intensiv vibrierender Fülle. Das "Sanctus" aber erhielt in fein abgestufter Dynamik eine Leichtigkeit mit dem Zauber eines lichten Hoffnungsstrahls.

Die Camerata Gladbach mit Konzertmeisterin Johanna Brinkmann meisterte souverän die ungeheure Farbigkeit des Werks. Sie überzeugte mit feinen, sanften Klangfarben und schuf in dramatischen Steigerungen eine pulsierende Wucht. Im konzertanten Wettstreit mit der großen Chorgemeinschaft entfachte das Orchester klanggewaltige Orkanstürme, die jeden Zuhörer mit sich zu reißen schienen und in der brodelnden Energie zutiefst packten.

Die Solisten Dara Hobbs, Renée Morloc, Ho-yoon Chung und Almas Svilpa rundeten die eindrucksvolle Aufführung mit beeindruckender Energie, Wärme und Wandlungsfähigkeit ab. Der Bass Almas Svilpa sei indisponiert, hatte das Publikum vor Beginn erfahren. Doch auch er meisterte souverän den geforderten Kraftakt. Zutiefst berührend gestaltete Tenor Chung in subtiler Ausgestaltung die Arie "Ingemisco". Ebenso ließen die Sopranistin Hobbs und die Mezzosopranistin Morloc mit ihrer ungeheuren Intensität den Atem anhalten. "Immer quälender werden Angst und Furcht, aber zuletzt verspricht das "Requiem aeternam" trostvolle Ruhe. Die abschließende Chorfuge verströmt Kraft und Zuversicht. Unumstößlich fest steht die Gewissheit der Erlösung", hat Dirigent Richter ins Programmheft zum Werk geschrieben. Und so brachte er mit allen beteiligten Akteuren diese Musik zum Klingen. Die Zuhörer dankten mit endlosem Beifall.

Quelle: RP
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