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Erkelenz
Ganz ruhig, ganz friedlich, ganz Mensch

Erkelenz. Die Höhner haben auf ihrer Akustik-Tour in Erkelenz gastiert. In den überarbeiteten Versionen klangen die Lieder noch ein bisschen gefühlvoller. Für den Erkelenzer Micki Schläger (Keyboard) war dieses Heimspiel ein besonderes Konzert. Von Philipp Schaffranek

Die Höhner haben ihrer Akustik-Tour den Titel "Janz höösch" gegeben. Doch möchte man nun wissen, was das kölsche Wort "höösch" auf Hochdeutsch heißt, stößt man auf drei unterschiedliche Bedeutungen. "Höösch" kann ruhig, friedlich oder Mensch bedeuten. Weil es sich um eine Akustik-Tour handelt, bei der die Höhner ganz ohne verstärkte Instrumente auftreten, steht das Wort in diesem Fall insbesondere dafür, dass die Band es einmal ganz ruhig angehen lassen will. Doch eigentlich muss man sich nicht für eine der Bedeutungen entscheiden. Denn als die Kölner Kultband am Samstag in der Erkelenzer Stadthalle gastierte, zeigte sich, dass ihr neues Konzertereignis genauso gut mit "ganz friedlich" oder "ganz Mensch" betitelt werden kann.

Ganz ruhig war die Musik. Alle Stücke waren neu arrangiert. Dass es ruhiger zugehen sollte, machte auch die Auswahl der Instrumente deutlich. Kein E-Bass, kein Keyboard und keine E-Gitarre. Stattdessen Dobro-Gitarre - eine Resonatorgitarre mit Metallkorpus, die den Ton verstärkt -, Akustikgitarre und Klavier. Dazu noch Mundharmonika und Cajon. "Hey Kölle! Du bes e Jeföhl" zum Auftakt klang auf diesen Instrumenten wie ein lockeres Country-Stück mit treibendem Rhythmus. Ganz ruhig und gefühlvoll starteten die Höhner und übermittelten gleich zu Beginn ein neues und anderes Höhner-Gefühl - passend zum Stück. Nicht unbekannt waren die Liedtexte, weshalb das Publikum von Beginn an mitsang.

Ganz Mensch waren die Bandmitglieder. Vor allem für den Erkelenzer Micki Schläger war sein Heimspiel ein besonderes Konzert. Familie und Freunde waren gekommen. Passend war das erste Lied, das er an diesem Abend sang, das fröhliche "He föhl ich mich zohus". Und Schläger fügte hinzu: "Hier bin ich zu Hause." Außerdem war an diesem Abend gleichzeitig "Geburtstagszeit", wie Sänger Henning Krautmacher anmerkte. Denn Keyboarder Micki Schläger und Schlagzeuger Wolf Simon sind jetzt seit einem Jahr Mitglieder der Höhner. Was bei allen Bandmitglieder gleich war: Sie überzeugten mit Publikumsnähe.

Mensch als Übersetzung von "höösch" passt auch, weil es in den Liedtexten der Höhner um Menschen und Menschlichkeit geht. "Minsche wie mir" handelt von Freundschaft und Menschen, die nicht gerne allein sind. Gleichzeitig schafften die Höhner es mit dem Lied, das in der Akustikversion noch ein bisschen gefühlvoller klingt als die Originalversion, die Menschen zum Schunkeln zu bringen. Auch als sie die Leidzeile "in et Levve verknallt, un manchmol zu Tode betrübt" bei "Himmelhoch High" sangen, nahmen sich die Zuhörer in die Arme und schunkelten im Takt.

Es war ein friedliches Miteinander in der Erkelenzer Stadthalle, bei dem sich auch Zuhörer einhakten, die sich vorher nicht kannten. Und so passt auch die dritte Übersetzung von "höösch", nämlich friedlich. Direkt zur Sprache kam der Frieden, als die Höhner mitten in einem Lied das Tempo wechselten und John Lennon mit den Worten "Give peace a chance" zitierten.

Quelle: RP
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