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Erkelenz
Rund um die Uhr einsatzbereit

Erkelenz. Die Leitstelle des Kreises Heinsberg - kein Ort, der einfach so betreten werden darf. Für unsere Redaktion öffnete der Kreisbrandmeister die Tür. Von Anke Backhaus

Klaus Bodden braucht gar nicht erst anzufangen, einen Arbeitstag durchzuplanen. "Wenn ich den Alarm höre, ist es nämlich hinfällig, das zu machen, was ich eigentlich vorhatte", sagt er. Und so kann es also sein, dass der viel beschworene Papierkram einfach auf seinem Schreibtisch liegenbleibt. Aus gutem Grund: Klaus Bodden, seit dem 1. August 2013 im Amt des Kreisbrandmeisters, muss immer darauf vorbereitet sein, sofort loszufahren, wenn es ein Einsatz, oder wie Bodden zu sagen pflegt: "Kundschaft", erfordert. Seit einigen Monaten kann er seine Arbeit dennoch besser strukturieren und überblicken - denn Bodden hat mittlerweile sein Büro in der Leitstelle des Kreises Heinsberg in Erkelenz bezogen. Für unsere Redaktion hat Klaus Bodden die Türen zur Leitstelle geöffnet und dabei erklärt, warum es praktischer ist, unmittelbar vor Ort zu sein. "Ich habe hier die Möglichkeit, sofort die notwendigen Informationen zu bekommen. So lassen sich Entscheidungen auch besser treffen", hat er bereits kurz nach dem Umzug seines Büros nach Erkelenz gesagt.

Gerade hat er wieder Zeit, um administrative Aufgaben zu erledigen. Bodden ist für die gesamte Gefahrenabwehrplanung zuständig. Vor ihm auf seinem Schreibtisch ausgebreitet liegt eine große Skizze - ähnlich der eines Bauplanes. "Zu sehen ist hier der Abrollbehälter, den wir kürzlich nach Erkelenz geholt haben", sagt er. Der neue Abrollbehälter (ABH), der so aussieht wie ein Container und auf einen Lkw geladen wird, trägt den Namen "Infrastruktur". Bodden: "Das ist wichtig für den Katastrophenschutz. Geladen sind dort unter anderem 200 Feldbetten, Decken, Kissen, Tische, Bänke, Duschzelte und ein Warmwasseraufbereiter." Kostenpunkt: etwas mehr als 100.000 Euro. Per Gesetz ist der Kreis Heinsberg dazu verpflichtet, eine solche Ausrüstung vorzuhalten. Wer durch eine der Fahrzeughallen geht, sieht dort allerdings mehrere dieser Container. Ein weiterer hat beispielsweise 6000 Liter Schaummittel geladen, ein anderer bringt Atemschutzgeräte zu den Einsatzorten. Für Dezember erwartet Bodden noch einen Abrollbehälter mit Namen "Gefahrgut", für nächstes Jahr den ABH "Technische Einsatzleitung". Beim Blick in die Fahrzeughallen fällt aber auf: Wo ist eigentlich noch Platz für noch mehr Ausrüstung? Klaus Bodden erklärt: "Ja, das ist sicherlich ein großes Problem, an der Lösung wird gearbeitet, denn die Halle wird erweitert werden."

Dabei fällt auch der Blick auf die Baustelle. Der Kreis Heinsberg baut - und zwar die neue Leitstelle. In den Neubau einziehen wird zunächst das "Herz" der Leitstelle. Das was Klaus Bodden gern auch "das Heiligtum" nennt. Im August/September 2017 soll der erdbebensichere Bau, der 440 Quadratmeter groß ist und über zwei Geschosse geht, fertig sein. 4,12 Millionen Euro kostet die Maßnahme. Das Land Nordrhein-Westfalen gewährt einen Zuschuss in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Wenn alles fertig ist, wird es möglich sein, Schulungsräume, die es derzeit gar nicht gibt, im Bestandsgebäude einzurichten.

Bei seinem Rundgang durch die Leitstelle kommt Klaus Bodden in einer der Werkstätten aus. In der Funkwerkstatt liegen Funkmeldeempfänger, die dort programmiert, gewartet und repariert werden. Dazu ist viel spezielles Werkzeug vorhanden. Nicht weit davon entfernt liegt ein Raum, den Bodden nur ungern nutzen möchte. Der Stabraum ist nämlich für Großschadenslagen gedacht. Hier sitzen im Ernstfall Vertreter aus Feuerwehr, Polizei, THW, Bundeswehr oder auch aus Verwaltungen zusammen, um Einsätze zu koordinieren. Die Computer sind in Sekundenschnelle einsatzbereit. Wie an allen anderen Stellen in der Leitstelle übrigens.

Auffallend ist: Klaus Bodden kann nicht ohne Schlüssel durch das Gebäude gehen - sämtliche Räume sind verschlossen. Und überhaupt: Die Leitstelle betritt man ebenfalls nicht einfach so. Warum ist das so? "Das hat etwas mit dem Datenschutz zu tun. Ich zeige Ihnen das mal an einem Beispiel." Er geht weiter über den Flur. "So, nun betreten wir also das Heiligtum", sagt er.

Die Leitstellendisponenten haben unzählige Bildschirme im Blick, wissen zum Beispiel punktgenau, welches Einsatzfahrzeug der Feuerwehr gerade abgemeldet ist und nicht alarmiert werden kann. Oder wo sich gerade ein Rettungswagen befindet. Derweil will Klaus Bodden die Adresse der Erkelenzer RP-Redaktion wissen. Flugs zeigen die Bildschirme alle notwendigen Daten an, um im Notfall schnell und richtig reagieren zu können. Von diesem Raum aus wird für alle Städte und Gemeinden des Kreises Heinsberg die ganze Rettungsschiene bedient, von hier aus werden zum Beispiel die Meldeempfänger der Feuerwehrleute ausgelöst.

Die Leitstelle - sie muss immer funktionieren. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche. Stromausfälle kann sie kompensieren. "Der Bürger erwartet das. Braucht er Hilfe, ruft er uns an", sagt Bodden. In Zahlen ausgedrückt heißt das: Im Jahr 2015 liefen rund 23.000 Einsätze für den Rettungsdienst, 8000 Krankentransporte und 2500 Feuerwehreinsätze auf. Die Leitstelle - sie muss immer funktionieren.

Quelle: RP
 
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