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Erkrath
Bienenfresser brüten in der Sandgrube

Erkrath: Bienenfresser brüten in der Sandgrube
Bernhard May und Karl Bude halten Ausschau nach den Bienenfressern. Dabei ist vor allem Geduld gefragt. FOTO: nicole marschall
Erkrath. 2005 hatte schon einmal ein Bienenfresser-Pärchen in Erkrath gebrütet. Doch erst in diesem Jahr sind die herrlich bunten Vögel wieder hierher zurückgekehrt: Gleich drei Paare zogen diesmal ihre Jungen in Bruchhausen auf. Von Nicole Marschall

Bienen fressen sie schon. Doch meist nur bei Regen. "Dann sind die kleinen Insekten leichte Beute", hat Bernhard May, stellvertretender Vorsitzender der Stiftung Naturschutzgebiet Bruchhausen, in den vergangenen drei Monaten beobachtet: Regnet es, setzen sich die Bienenfresser einfach vor die Bienenstöcke - und können sicher sein, dass ihnen dort irgendwann das Futter gleich vor den Schnabel fliegt. "Ansonsten bevorzugen sie dicke Hummeln und Libellen", so May. Kein Wunder, denn an denen ist nun mal wesentlich mehr dran als an einer Biene!

Bienenfresser sind Koloniebrüter und hauptsächlich im Mittelmeerraum beheimatet. In Deutschland brüten einige Vögel seit fast drei Jahrzehnten am Kaiserstuhl und in der Region um Dresden. Dass sie sich in den Sommermonaten immer weiter nördlich niederlassen, hänge mit dem Klimawandel zusammen, erklärt Karin Blomenkamp. Bereits 2005 hatte es ein einzelnes Pärchen nach Erkrath verschlagen. "Dann war neun Jahr lang kein einziger zu sehen", erzählt die Leiterin des Naturschutzzentrums Bruchhausen. Erst in diesem Frühjahr vernahm sie dann wieder den unverkennbaren "Rüp-Rüp"-Ruf des mit dem Eisvogel verwandten Vogels. Bald darauf konnte sie mit Bernhard May und Naturfotograf Karl Bude beobachten, wie drei Paare ihre Nisthöhlen in die Steilwände der Sandgrube in Bruchhausen gruben.

Um die Aufzucht der Jungen nicht zu gefährden, behielten die Naturschützer die Sensation erst einmal für sich. Seit Mitte vergangener Woche sind die jungen Bienenfresser nun flügge, dennoch bitten May und Blomenkamp alle, die die Vögel beobachten wollen, sich an sie zu wenden. Sie nehmen interessierte Besucher gerne mit in die Sandgrube. Zum einen wird auf dem abgesperrten, privaten Gelände noch gearbeitet, zum anderen hat sich in den ausgebaggerten Flächen ein sensibles Biotop entwickelt, das zahlreichen - auch seltenen Tieren wie dem Uhu und der Kreuzkröte - eine Heimat bietet, die es zu schützen gilt. Noch in diesem Jahr werden die Arbeiten in der Sandgrube eingestellt. "Dann bräuchten wir einen 'Hobby-Baggerfahrer', der ab und zu dafür sorgt, dass die Steilhänge bleiben und nicht verbuschen", blickt Karin Blomenkamp in die Zukunft und hofft, dass das Gelände auch künftig optimale Bedingungen für Tiere wie den Bienenfresser oder Uhu bieten wird.

Wie viele Junge die drei Bienenfresser-Paare aufgezogen haben, konnten die Naturschützer derzeit noch nicht genau sagen. "Wir schätzen, dass ein Paar zwei, eines drei und eines sogar vier Junge hat", berichtet Bernhard May von seinen Beobachtungen, bei denen auch der ausgesprochene Familiensinn der Vögel auffiel. "Beide Eltern füttern die Jungen", konnte Karl Bude durch sein Teleobjekt sehen: "Dabei kreist einer in der Luft und übergibt das Futter im Flug an den nächsten."

Die geschätzte Zahl der Jungen weckt Hoffnungen, dass im kommenden Frühjahr vielleicht sieben Paare in Bruchhausen brüten werden. Im Herbst werden sie sich jedoch erst einmal eine lange Reise Richtung Süden aufmachen.

Quelle: RP
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