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Erkrath
Freude und Frust bei Flüchtlingshelfern

Erkrath: Freude und Frust bei Flüchtlingshelfern
Die Helferinnen Heike Becker (l.) und Simone Driese zusammen mit den ehrenamtlichen Dolmetschern (v.l.) Sargon Ghan, Mahmud Hasan und Sedat Hasan. FOTO: dj
Erkrath. In den wenigen Tagen seit der Unterbringung von 150 Flüchtlingen im Bürgerhaus Hochdahl wurde viel erreicht: Grill-Fest, Deutsch-Lernangebote, Sportangebote und mehr. Jetzt wird dringend Raum für eine Kleiderkammer gebraucht. Von Susann Krüll

Freude und Frust - zwei Pole, zwischen denen sich zurzeit die Stimmung der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer in Hochdahl bewegt. Freude darüber, bereits so viel in den gut zehn Tagen, seitdem das Bürgerhaus auf Anordnung der Bezirksregierung Arnsberg Erstaufnahmelager wurde, erreicht oder auf den Weg gebracht zu haben. Frust, weil vieles noch nicht so geregelt ist, wie sich die Helfer das für die Betreuung der Menschen im Bürgerhaus, aber auch den übrigen sechs städtischen Einrichtungen wünschen würden.

Aber das Positive zuerst: Bereits am vergangenen Freitag zeigte sich bei einem für Helfer und Bewohner veranstalteten Grillfest - mit Geflügelwurst im Brötchen und Salat - dass Musik und gemeinsames Feiern über Sprachbarrieren und Kulturen hinweg funktioniert: Die Bewohner brachten den Besuchern ihre Tänze bei, sie lernten im Gegenzug für die bevorstehende 5. Jahreszeit schon einmal das Schunkeln sowie die aktuellen Hits des Duos R & R, hinter dem sich der Erkrather Rainer Winandy und der Kölsche Jung Rainer Buch verbergen. Tränen der Emotion flossen dann bei Wolfgang Hildebrandts Interpretation des Lennon-Songs "Imagine". Der Künstler hatte es sich nicht nehmen lassen, zu diesem Event ohne Gage aufzutreten.

Die Familie Floridia brachte schon am Eröffnungstag Spenden zum Bürgerhaus. FOTO: dj-

Stolz können die Helfer auch auf die innerhalb von wenigen Tagen geschaffenen Deutsch-Lernangebote sein, die auf Initiative der Stadtbücherei und der VHS aktuell über 70 Lernpaten anbieten: Bücherei und Awo im Bürgerhaus bieten zurzeit ein Bild wie in der Schule: Überall beugen sich Köpfe über das Lernmaterial, das später, wenn die Bürgerhaus-Bewohner an ihrem dauerhaften Aufnahmeort angekommen sind, in den offiziellen Kursen dann schon kennen werden. Für ein Sportangebot hat der TSV Hochdahl im benachbarten Vereinsheim und auch auf der Wiese vor dem Bürgerhaus gesorgt. Freiwillige Helfer kommen immer wieder stundenweise und beschäftigen sich mit den Kindern, die sonst auf den gespendeten Bobby-Cars und Rollern um das Bürgerhaus flitzen. Für sie hat die Jugendabteilung des TSV außerdem ihre Nachmittagsbetreuung geöffnet.

Begleitungen zum Arzt oder auch einmal "nur" ein Eis am Hochdahler Markt essen gehen, für all diese Gänge stehen die Helfer da. Viele sind wie die Bewohner jetzt, einmal fremd gewesen in Erkrath, und sind bereits am ersten Tag gekommen, um für ihre Landsleute zu übersetzen, die meisten kommen immer noch jeden Tag, auch "nur" um zu reden und zuzuhören.

Aber es gibt sie leider auch, die Frust-Erlebnisse. Allen voran, die Frage, in welchem städtischen Gebäude die Kleiderkammer ihren Dienst langfristig aufnehmen kann. Die Spendenbereitschaft der Erkrather Bürger war und ist so groß, dass dort dringend eine schnelle Entscheidung her muss. Hier stehen die Helfer in den Startlöchern, um zu sortieren und dann auch wieder feste Annahmezeiten anbieten zu können.

Denn im sozialen Netzwerk "Facebook" brodelt es und immer wieder lautet die Frage, wo kann man das abgeben, was man den Flüchtlingen gerne zukommen lassen möchte.

Quelle: RP
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