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Erkrath
Künstler verwandeln Scheune in Galerie

Erkrath: Künstler verwandeln Scheune in Galerie
Volker Rapp stellt seine Fotografien aus. FOTO: Stephan Köhlen
Erkrath. Besucher konnten sich von der Kreativität des Duos "Prima Neanderthal" und seiner Mitstreiter überzeugen. Von Daniele Funke

Eine große Scheune als Ausstellungsraum, das hat Charme. Hell ist das Gebäude am Neanderweg, trocken, die Holzkonstruktionen teilen die riesige Fläche indirekt in Abschnitte: Ein perfekter Ort, an dem sich die ausstellenden Künstler ohne Absperrungen oder Trennwände voneinander abgrenzen können.

Normalerweise nutzt der Erkrather Metallbaumeister Ulrich Weiß die Scheune als Lager für seine Maschinen und Materialien. "Ich habe Kathy Schnee schon vor einigen Jahren kennengelernt und ihr irgendwann angeboten, die Scheune für eine Ausstellung zur Verfügung zu stellen." Die 62-Jährige bildet gemeinsam mit Volker Rapp das Künstlerduo "Prima Neanderthal!". Während Kathy Schnees Leidenschaft der Malerei und den Skulpturen gehört, konzentriert sich Umwelttechniker Rapp auf Fotografie, Video und Aktionskunst. "Wir arbeiten seit vielen Jahren zusammen", erzählt Kathy Schnee und fügt trocken hinzu: "Wer uns gemeinsam erlebt, der glaubt, wir wären verheiratet, so wie wir uns oft streiten." Und obwohl beide Erkrather sich verschiedenen Kunstrichtungen verschrieben haben, gebe es kreative Schnittmengen, zum Beispiel im Bereich der Lichtinstallationen. Eine Beamerpräsentation zeigt einige der gemeinsamen Projekte.

Mehrere ausrangierte Perückenköpfe aus einem Friseursalon stehen nebeneinander gereiht auf einem Holzbalken, die Künstlerin hat sie so individuell bemalt, dass ihre Vielseitigkeit sich unmittelbar widerspiegelt. Volker Rapp zeigt einen Bruchteil seiner unzähligen Reisefotos auf Leinwänden. "Ich liebe Studienreisen in die ganze Welt, bei denen ich mit Gleichgesinnten das Land erleben und fotografisch erfassen will", sagt er. Auch Waltraud Buer nutzte einen Bereich der Scheune, um Figuren aus Metall und florale Gestecke aus Seidenblumen zu präsentieren. "Bis vor kurzem hatte ich noch das Geschäft ,Seidenblümchen', in Erkrath, aber das hat sich nicht mehr rentiert. Nun mache ich meine Arbeiten von Zuhause aus". Waltraud Buer hat sich die darauf spezialisiert, Dekoration zu vermieten.

"Es ist zum Beispiel so, dass die Röntgenpraxis in Hilden alle zwei Wochen neue Dekogestecke für den Empfang von mir bekommt, genauso wie zwei Arztpraxen hier in Erkrath", erzählt Waltraud Buer und man merkt: Das was sie tut, tut sie mit Leidenschaft.

Scheuneninhaber Ulrich Weiß sieht sich selbst als reiner Handwerker - der selbstständige Metallbaumeister stellt unter anderem Geländer her. Aber auch der 1,50 Meter große Neandertaler aus Stahl stammt aus seiner Fertigung. "Der ist wunderbar", schwärmt Besucher Rudolf Simon, "so etwas muss doch hier im Neandertal aufgestellt werden." Ulrich Weiss winkt bescheiden ab. "Ach was, Kunst ist das, was die anderen hier zeigen." Bevor ein Streit entsteht, einigen sich die beiden Herren: Kunst liegt im Auge des Betrachters.

Unverfänglicher ist es da, sich den leckeren kostenlosen Kuchen und Fingerfoodhäppchen zu widmen. Oder sich einen Schluck Düsselwasser zu genehmigen. Der von "Prima Neandertal" entwickelte Amarettolikör mit einem Hauch von Kakao wird mittlerweile sogar in einem Supermarkt in Erkrath verkauft. "Sehr lecker", lobt ein Besucher, "da nehme ich gleich mal eine Flasche mit."

Kathy Schnee freut sich und verrät dann noch ein Geheimnis: " In dem Likör ist kein Tropfen Düsselwasser, das stammt alles aus der Mosel."

Quelle: RP
 
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