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Gelderland
Caritas fordert klarere Richtlinien für den Ganztag

Gelderland. Mehr Geld und ausgebildete Fachkräfte sollen hohen Qualitätsstandard erhalten. Kritik an der Bezirksregierung. Von Bianca Mokwa

Der Offene Ganztag (OGS) ist an den Schulen längst kein Novum mehr. Manchen Eltern ist er sogar ein Ärgernis. Dann nämlich, wenn sie ihr Kind vor 15 Uhr abholen wollen und ihnen gesagt wird, dass das nicht geht.

Es gibt tatsächlich eine Teilnahmepflicht bis 15 Uhr an fünf Tagen die Woche. Das ist geregelt. Vieles andere aber nicht. Und das ärgert Andreas Becker vom Caritas-Vorstand und Nadja Hübinger, Fachleiterin OGS beim Caritasverband Geldern-Kevelaer. Becker fordert "mehr Klarheit, mehr Struktur im Sinne der Kinder und des Bildungsauftrags". Seine Kritik richtet sich gegen die Bezirksregierung in Düsseldorf. Denn zwar sei der Offene Ganztag als Teil der Schule in den Richtlinien festgeschrieben, aber ansonsten seien die Richtlinien "mit der heißen Nadel gestrickt", bemängelt Hübinger.

An 17 Standorten im südlichen Kreis Kleve betreibt der Caritasverband Geldern-Kevelaer Ganztagsangebote. Er ist also nah dran am Geschehen, anders als die Bezirksregierung, die für den Ganztag die Richtlinien vorgegeben und vieles nicht bedacht habe. "Was wir an Personalstunden haben, ist eins zu eins Betreuungszeit", erklärt Hübinger. Was nicht weiter schlimm wäre, aber auch Gespräche im Team oder mit Lehrern und Elternberatung brauchen Zeit und gehören zur Arbeit im Offenen Ganztag mit dazu. "Das sieht der Gesetzgeber nicht", bemängelt Hübinger. Eine andere Fehlplanung gebe es bei der Inklusion. Kindern mit Förderbedarf wird nur bis 13 Uhr ein Integrationshelfer zur Seite gestellt. "Aber wir sehen, dass auch solchen Kindern OGS gut tut", sagt Hübinger. Die Betreuung im Offenen Ganztag muss dann mit normalen, nicht aufgestocktem Personalschlüssel erfolgen.

Das Personal, das ist auch ein Thema, das Hübinger unter den Nägeln brennt. "Im Gesetzestext gibt es keine klare Vorgabe, welche Profession im Offenen Ganztag arbeitet." Dort steht "pädagogische Fachkraft". An einer klaren Definition, wer alles darunter fällt, mangelt es. "Wenn wir das Angebot Offener Ganztag als Bildungsangebot ernst nehmen, dann gehören da ausgebildete Fachkräfte hin", mahnt Becker. Wo die Überleitung zum nächsten Kritikpunkt geschaffen wird: das Geld. "Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Kommunen allesamt noch etwas drauf legen, zu dem, was das Land gibt", erklärt Tobias Kleinebrahm, Pressesprecher des Caritasverbandes. Aber es gehe nicht an, dass man je nach Wohnort darauf hoffen müsse, ob es ein vernünftiges Angebot im Offenen Ganztag gebe, je nach finanzieller Ausstattung der Kommune.Mehr Geld vom Land für den Offenen Ganztag, lautet daher eine weitere Forderung.

Und dazu gehört die Einsicht, dass Offener Ganztag mehr ist, als sein Kind zu parken. Es gehe um den Bildungsauftrag, betont die Caritas.

Quelle: RP
 
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