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Was Macht Eigentlich...? Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern
"Ich habe das Gefühl, dass die Zeit rast"

Was Macht Eigentlich...?  Eine Aktion Der Rheinischen Post Und Der Stadtwerke Geldern: "Ich habe das Gefühl, dass die Zeit rast"
Am Lenker seines Fahrrads ist Heinrich Verweyen oft zu sehen. Meist steuert er Ziele am Niederrhein an. FOTO: evers
Geldern. 36 Jahre lang unterrichtete Heinrich Verweyen an der Michael-Schule, davon war er dort 30 Jahre Rektor. Sein Leben als Ruheständler genießt er mit vielen Radtouren und Lesen. Aktiv ist er unter anderem im Kirchenchor und im Pfarreirat. Von Michael Klatt

Geldern Noch einmal Lehrer werden? Ginge es nur um den Unterricht mit den Kindern, wäre Heinrich Verweyen wieder dabei. Nur das "bürokratische Drumherum" war etwas, das ihm schon sein Berufsleben etwas verleidet hat. 1973 fing der gebürtige Straelener als Lehrer an der Michael-Grundschule in der Gelderner Innenstadt an. 1979 wurde er dort Rektor. "Als ich als Schulleiter begann, kam ich mit drei Aktenordnern aus. Als ich im Sommer 2009 in den Ruhestand ging, waren es fast 40."

Seit Verweyen nicht mehr berufstätig ist, hat er "das Gefühl, dass die Zeit rast". Vorher habe er das, da voll beschäftigt, nicht so wahrgenommen. Die Veränderungen im Lehrerberuf, die Zunahme der Formalitäten, das Anschwellen von Tests und Berichten, die abgeheftet werden mussten, hat er noch zu großen Teilen noch erlebt. "Gott sei Dank muss ich das jetzt nicht mehr", kommt er auf Entwicklungen wie die Inklusion, gut gemeint, aber nicht gut gemacht, zu sprechen.

Zu seiner Schule hat er so gut wie keinen Kontakt mehr. Abgesehen von den Korken, die er für die Sammlung dorthin bringt, den Weihnachtsgrüßen und der Schulzeitung, die er bekommt. Die "Eltern-Info", im Format DIN A 4 und manchmal beidseitig bedruckt, hat er früher selbst geschrieben - 350 Stück an die Erziehungsberechtigten der rund 4000 Kinder, die während seiner Schulleiterzeit an der Hülser-Kloster-Straße fit fürs Leben gemacht wurden. Zweimal im Jahr trifft er sich im Kegelclub mit alten Kollegen.

Sich mit Beginn des Ruhestands ganz aus den Schulangelegenheiten rauszuhalten, fiel Verweyen nicht schwer. Denn kurz vor und nach seiner Verabschiedung hatte er den Kopf voll mit anderen Dingen. So zog er mit seiner Frau Marianne innerhalb Gelderns um. Mit der Einrichtung hatten sie monatelang zu tun, eine Sauna baute Verweyen selber. Und er besuchte seinen Sohn, der damals in Kenia lebte. "Da war ich genug abgelenkt", blickt er neun Jahre zurück.

"Das Leben genießen, und das in aller Ruhe" lautet jetzt Verweyens Devise. Keine Langeweile, aber auch nicht in eine Tretmühle geraten, das versucht er hinzubekommen. Zu den eher geruhsamen Aktivitäten zählt das Lesen, gerne auch bei einem Glas Rotwein ("nicht so trocken"). Der heimische Herd ist ihm kein unbekanntes Terrain. Die Zigaretten hat er schon lange verbannt, und auch das Pfeiferauchen hat der Mann, der heute seinen 71. Geburtstag feiert, aufgegeben. Von jetzt auf gleich "in die Tonne geworfen". Dafür gönnt er sich seinen Mittagsschlaf.

Ein wichtiges Thema ist das Radfahren. Meist geht es, gemeinsam mit seiner Frau, zu an einem Tag erreichbaren Zielen am Niederrhein. Oder das Auto bringt sie an Mosel und Lahn, um dort Fahrradtouren zu absolvieren. Auch Winterwetter hält ihn nicht davon ab, in die Pedale zu treten.

Seine Tenorstimme lässt Verweyen seit 34 Jahren im Kirchenchor von St. Maria Magdalena Geldern erklingen. Viele erhebende Aufführungen hat er dabei erlebt. Besonders eindrücklich bleibt ihm Bachs "Matthäus-Passion" im Gedächtnis. Daran hat er sowohl unter dem früheren Kantor Hans Feierabend als auch unter dem jetzigen, Dieter Lorenz, mitgewirkt.

Lorenz warb ihn darüber hinaus für die Mitarbeit im Pfarreirat an. Im neunten Jahr ist Verweyen dabei, seit vier Jahren als Vorsitzender. 2016 übernahm er die Leitung der Besuchsdienstgruppe vom St.-Clemens-Hospital, der er seit 2010 angehört.

Einige Semester lang belegte der Rentner bei der Volkshochschule Niederländisch-Kurse. "Leider bin ich nicht mehr so oft in den Niederlanden gewesen." Doch das wird sich bald ändern, im Sommer ist ein einwöchiges Familientreffen im Nachbarland geplant. Dann wird Verweyen seine drei Kinder und fünf Enkel wiedersehen. Zwei der Enkel hütet er sowieso regelmäßig.

Quelle: RP
 
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