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Straelen
Indien trifft in Straelen aufs Münsterland

Straelen. Mit Ebbo Ebbing hat Straelen einen neuen Kaplan. Thomas Vanderkunnel ist schon ein Jahr in der Gemeinde St. Peter und Paul. Ein Gespräch über bedeutungsvolle Namen, Vorbilder und "Brudersein". Von Bianca Mokwa

Auf seinem Nachttisch liegt das Tagebuch von Karl Leisner. Mit dem katholischen Glaubenshelden verbindet Ebbo Ebbing einiges. "Wir haben den gleichen Weg eingeschlagen. Er war auch im Borromeum in Münster, ist auch Priester geworden", sagt Straelens neuer Kaplan. "Tagebuch, das heißt, sein Leben und sein Inneres kennenzulernen", sagt Ebbing. "Da rücken die Heiligen ganz nah."

Priester werden, das mache man nicht einfach so, sagt der 33-Jährige. Genauso wenig wie beim Heiraten gebe es da "Trial -and-Error". "Es ist eine Lebensentscheidung", sagt der Kaplan. Die teilt er sich nicht nur mit Leisner, sondern auch mit Thomas Vanderkunnel. Der ist seit einem Jahr in Straelen und kann deswegen "dem Neuen" schon ein bisschen verraten, wie die Straelener so sind. "Toll, ganz freundlich. Ich kenne die anderen Menschen nicht, aber sie kommen auf mich zu", beschreibt der Pater aus Indien seine Erfahrungen. Ebbing nickt zustimmend. An seinem ersten Tag ist er einfach nur aus dem Auto gestiegen, hat zwei Damen nach dem Weg zum Pfarrhaus gefragt. "Ach, sie sind bestimmt der neue Kaplan", stellten die fest und lagen damit goldrichtig. In Münster wäre ihm das nicht passiert, ist Ebbo Ebbing überzeugt.

Eines vorweg. "Ebbo, den Namen gibt es wirklich", erklärt der neue Kaplan. Der findet sich schon in der Stadtchronik von Rhede. Da kommt "der Neue" nämlich her. Und sein Nachname Ebbing heiße einfach soviel wie "Söhne des Ebbo". Nun kommt Vanderkunnel ins Spiel. Auch der Name des indischen Paters hat eine Bedeutung. "Vander" stehe für Wunder, "Kunnel" für Berg, also ein Wunder-Berg sozusagen. Berge gibt es zwar nicht so viele in Straelen, aber einen hat Ebbing schon als Lieblingsplatz auserkoren. Den Kalvarienberg. Natur, das ist sein Ding. Der christliche Glaube war es eine ganze Zeit lang nicht.

Er komme aus einer christlichen Familie, vor allem durch seine Mutter habe er den Glauben als Kind kennengelernt. "Aber als Jugendlicher habe ich mich davon distanziert, hatte keine Lust mehr zum Gottesdienst zu gehen. Ich habe das als Last empfunden", sagt Ebbing. Dann ist er zu einer Jugendwallfahrt eingeladen worden. "Jugendliche zu sehen, die mit Freude beten und Menschen zu begegnen, die vom Glauben wirklich überzeugt sind, das hat mich bewegt", sagt der 33-Jährige. Damals war er 16, wollte Schauspieler, Fotograf oder Journalist werden. Beim Zivildienst dachte er noch, dass auch Krankenpfleger ein schöner Beruf sei.

Anschließend studierte er Theologie, sammelte Erfahrungen in der geistlichen Gemeinschaft Cenacolo, die sich um Jugendliche kümmert, die auf die schiefe Bahn geraten sind. Für ihn sei die Zeit eine Lebensschule gewesen - mit der Erkenntnis, dass es mehr gibt, er konkrete Schritte gehen will, um seine Zeit ganz in den Dienst für Gott und die Menschen zu stellen. So wurde er Priester. In diesem Jahr wurde er geweiht. Sein Kollege aus Indien hat 1996 diesen Schritt gemacht. Die Idee Priester zu werden, war schon früh in seinem Kopf. Dabei sind in seiner Heimat nur 2,3 Prozent Christen, 80 Prozent sind Hindus. Umso erstaunlicher ist, dass von den 180 ausländischen Priestern im Bistum Münster 130 aus Indien kommen.

Sieben Jahre war Vanderkunnel in Südindien Priester, sieben Jahre als Missionar in Nordindien, fünf Jahre in Emmerich. Dann kam der Ruf nach Straelen. Auch Vanderkunnel hat geistliche Vorbilder. Was für Ebbing Karl Leisner ist, ist für ihn Titus Brandsma. Wie Leisner war auch Brandsma im KZ. Fasziniert habe ihn, dass auf dem Grab des Philosophen, Theologen und Karmeliter die Symbole der verschiedenen Religionen zu sehen waren. "Das hat mich sehr beschäftigt", sagt Vanderkunnel.

Im vergangenen Jahr hat er an der ersten interreligiösen Wallfahrt in Kevelaer teilgenommen. "Beeindruckend" fand er, wie Juden, Muslime und Christen von verschiedenen Orten gestartet sind, um sich auf dem Kapellenplatz zu treffen und das Friedenslicht zu entzünden. "Das war toll. Das ist ein Neubeginn. Das muss so sein", sagt er. "Alle Menschen sind Kinder Gottes und wenn ich mit einem Hindu spreche, dann spreche ich mit meinem Bruder", sagt er. Und Ebbing, der ist natürlich auch sein Bruder.

Quelle: RP
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