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Kerken
Kerken braucht jetzt schnell Asylheime

Kerken: Kerken braucht jetzt schnell Asylheime
Auch die Turnhalle in Nieukerk ist im Gespräch, zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert zu werden. FOTO: Seybert Gerhard
Kerken. Das Schließen der Landeseinrichtung Via Stenden hat Folgen für die Gemeinde: Sie muss eigene Unterkünfte für Flüchtlinge schaffen. Da könnten wieder Teile von Via Stenden infrage kommen, aber kurzfristig auch Turnhalle oder Adlersaal. Von Antje Seemann

Dass die Bezirksregierung Düsseldorf die Via Stenden schließt, stellt Kerken vor eine riesige Aufgabe. Bisher wurden die Flüchtlinge in der Unterbringungseinrichtung des Landes auf die Quote der Gemeinde angerechnet. Dadurch musste Kerken kaum selbst eigene Plätze schaffen. Aktuell leben nur 26 Geflüchtete in kleineren Unterkünften in Nieukerk, Aldekerk und Winternam.

Das wird jetzt anders. Nach aktueller Aufnahmequote werden nach und nach etwa 220 weitere Flüchtlinge hinzukommen. Das heißt, die Gemeinde muss jetzt eigene Unterkünfte schaffen, Personal einstellen und die Menschen integrieren. Die finanziellen Auswirkungen sind dabei aber noch nicht mal das größte Problem für die Gemeinde. Das sieht Kämmerer Udo Niersmann nämlich darin, überhaupt geeignete und verträgliche Möglichkeiten zu finden, die geflüchteten Menschen unterzubringen: "Wir müssen jetzt innerhalb kürzester Zeit Entscheidungen treffen. Anderes müssen wir zurückstellen, um den Menschen jetzt erst mal ein Dach überm Kopf zu schaffen."

Die Ansicht des Adlersaales in Nieukerk. Die Veranstaltungsstätte könnte zu einer Bleibe für Flüchtlinge werden. FOTO: Seybert

Das Thema ist so dringend, dass die Verwaltung es noch kurzfristig in die vergangene Ratssitzung mit auf die Tagesordnung genommen hat. Die Info, dass die Bezirksregierung Düsseldorf die Via Stenden als Unterkunft nicht weiter betreiben wird, kam erst vor knapp zwei Wochen. Grund ist, dass aktuell weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen und das Land nicht mehr so viele Plätze braucht. Zusätzlich hätte das Land NRW die Via Stenden wegen Brandschutzauflagen umbauen müssen - also noch in die Unterkunft investieren.

Bereits ab Anfang Oktober muss Kerken damit rechnen, pro Monat 50 Flüchtlinge zugewiesen zu bekommen. "Die Gemeinde muss jetzt diese Aufgabe bewältigen", sagt Bürgermeister Dirk Möcking. Dazu hat sie ein grobes Konzept erstellt: Im ersten Schritt geht es um die Frage, welche Gebäuden erst mal kurzfristig zu Sammelunterkünften umfunktioniert werden können. In der Ratsvorlage werden dabei auch die kleine Turnhalle in Nieukerk genannt und auch der Adlersaal.

Der Bürgermeister hofft allerdings auf eine andere Lösung: Unter Umständen könnte der neuere Teil der Via Stenden wieder als Unterkunft herhalten - wenn auch nur zum Übergang. Möcking: "Das wäre keine dauerhafte Lösung. Jetzt geht es auch um Integration. Da kann man die Menschen nicht an den Rand der Gemeinde setzen." Trotzdem: Das würde Kerken erst mal Zeit verschaffen, andere Möglichkeiten zu finden. Mit der Bezirksregierung Düsseldorf und dem Deutschen Roten Kreuz hat die Gemeindeverwaltung bereits gesprochen, um zu erfahren, was finanziell auf sie zukommt. Und Möcking zeigt sich zuversichtlich, dass die Beteiligten sich da verständigen können. "Aber es hängt auch noch davon ab, was die Brandschutzdienststelle vom Kreis Kleve erwartet", sagt er.

In einem zweiten Schritt denkt Kerkens Verwaltung zum Beispiel an mittelfristige Lösungen wie das Issumer Modell der Holzblockhäuser. Als langfristige Lösung steht in der Vorlage, massive Gebäude zu bauen. Aktuell prüft die Verwaltung, wo in der Gemeinde so was möglich wäre. "Wo gibt es Baurecht, wo sind die nötigen Anschlüsse vorhanden, damit wir relativ zügig Unterkünfte erstellen können", erklärt der Bürgermeister.

Die Vorschläge der Verwaltung haben in der Ratssitzung für zeitweise emotionale Diskussionen gesorgt. Für einige Politiker ist der Adlersaal als Unterkunft ein "No-Go". Auch die Via Stenden war umstritten, ebenso die Turnhalle. "Ich bin der Meinung, dass wir noch nicht über konkrete Objekte sprechen sollten", riet Rainer Hufschmidt von der CDU-Fraktion. Denn jedes ins Auge gefasste Gebäude, jeder konkrete Standort, muss noch mal durch den Gemeinderat, bevor tatsächlich was passiert.

Die Zeit drängt dabei. Daher wird die Suche nach Möglichkeiten Verwaltung und Politik in Kerken wohl auch in den Sommerferien weiter beschäftigen. Und auch die Nieukerker Pfarrgemeinde St. Dionysius hat sich zu Wort gemeldet: In ihrer aktuellen Wocheninfo ruft sie dazu auf, die Flüchtlinge freundlich zu empfangen, und bittet die Kerkener, Wohnraum für die Menschen zu finden. Dafür kann man sich bei Pastor Prießen oder im Pfarrbüro melden.

Quelle: RP
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