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Geldern
Martin Zingsheim sprunghaft in der Gelderner Tonhalle

Geldern. Ob er am Klavier spielte und dabei über vergangene Pop-Musik-Jahrzehnte resümierte oder beißend-vegetarische Ansagen tierisch vertonte: Der Kölner Martin Zingsheim blieb nie bei einem Thema und sprang von Anekdote zu Idee, zurück zu einer Beobachtung und schließlich hin zu einem bösen Kommentar über die aktuelle politische Situation. "Kopfkino" heißt sein aktuelles Programm, das er, präsentiert vom Kunstverein Gelderland, am Sonntagabend in der Tonhalle der Kreismusikschule zeigte.

Die Zuschauer waren begeistert: "Das war echt gut mit viel witziger Wortakrobatik und den verschiedenen Themen, die er miteinander verknüpft hat. Auch dass viel Ironie vorkam, hat mir gefallen", fand Niklas Wiemann (16), dessen Vater Ralf (50) ebenfalls lobende Worte fand: "Bei manchem musste man kurz überlegen, bevor der Witz klar wurde. Man musste die ganze Zeit bei der Sache bleiben. Das hat mir gut gefallen."

Die sprunghaften Kurswechsel im Vortrag und die assoziativen Kehrtwenden, die Zingsheim immer wieder in sein Programm einstreute, konnten dabei innerhalb weniger Worte ganze Ozeane an Alltagssituationen durchschiffen. Vom Outsourcen von Kinderneugier der Marke "Frag Oma!" über die Idee, Geisteswissenschaftler in Stadien und Fußballfans in die Museen zu bringen, bis hin zum eng getakteten Kalender vieler moderner Säuglinge: Das "Kopfkino" von Zingsheim mutierte meist zu "Kopf-Trailern", denn gerade, wenn etwas angesprochen wurde, war es auch schon wieder vorbei, und die nächste humorvolle Beobachtung wartete auf ihren Einsatz.

Denn wie sagte der Kabarettist doch so schön: "Es geht um die Wahrnehmung im eigenen Kopf, und nur durch Sprache kann einem schlagartig etwas bewusst werden."

Zwischendurch gab es verbale Kunststücke wie einen Markennamen-Song und als eines der Highlights wohl mit die beste Klaus-Kinski-Imitation seit langer Zeit. Manchmal nahm der Kölner auch Platz am Klavier und sorgte für ein paar auflockernde Gesangsstellen, die unter anderem furchtbare Nummer-1-Songs der vergangenen Jahrzehnte aufspießten: "Ich singe es mit Tränen in den Augen, denn wer die 90er nicht durchgemacht hat, wird es nicht glauben." Das Publikum in der mit 130 Personen voll besetzten Tonhalle belohnte all das mit viel Applaus.

Sylvia Helling-Holz (46) gefielen die "verbalen Spitzfindigkeiten sehr gut und dass es gut auf den Punkt gebracht und auf sehr hohem Niveau war". Andrea Goetzens (19) mochte, "dass einfach von allem etwas mit dabei war".

(cnk)
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