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Vom Ehrgeiz angetrieben

Seit 1998 ist Klaus Mangelmann auf einen Rollstuhl angewiesen. Seither betreibt er damit Sport und bringt auch andere behinderte Menschen dazu, es ihm gleich zu tun. Von Stefanie Sandmeier

Wenn er sie so durchblättert, seine Ordner, kann man erahnen, mit wie viel Herzblut Klaus Mangelmann seiner Tätigkeit nachgehen muss. Nicht nur, dass er sämtliche Zeitungsartikel seiner Schützlinge aufbewahrt und abheftet – genauso eifrig sammelt er auch die Fotos seiner Kursteilnehmer.

Feinsäuberlich klebt und sortiert er die Bilder. Jeder Fortschritt wird festgehalten, über jede positive Entwicklung freut er sich, und Mangelmann könnte so manche Geschichte erzählen von Menschen mit Behinderung, deren Leben er durch den Sport positiv beeinflusst hat. Seit rund neun Jahren schon engagiert sich der 63-jährige aus Rheinhausen für den Behindertensport. Erst in Orsoy, wo er bis 2006 eine Rollstuhlgruppe leitete und auch Schwimmkurse anbot – seit 2008 aber kümmert er sich um die Reha-Sportgruppe in Kevelaer.

Man könnte sagen, die sportliche Geschichte von Klaus Mangelmann beginnt im Jahr 1998. Das ist das Jahr, in dem er nach schwerer Krankheit selbst in den Rollstuhl kam. Doch der 63-Jährige ist schon immer aktiv gewesen. Auch vor seiner Krankheit. Er hat begeistert Tennis gespielt, war ein guter Skiläufer und hat ausprobiert, was es auszuprobieren gab. Dass er nun durch seinen Alltag rollt, "das hat meine Lebensqualität nicht im geringsten beeinträchtigt", wie er sagt.

Obwohl ihm die Ärzte damals wenig Hoffnung auf Heilung gaben, kämpfte sich Mangelmann zurück ins Leben. Der Sport habe ihm stets dabei sehr geholfen. Und er möchte anderen behinderten Menschen helfen, ihr Leben auf eine ebenso gute Weise zu meistern. Und das fängt schon bei für Laien vermeintlich einfachen Dingen an. Das Befahren von Rampen und Bordsteinen gehört dazu wie das Benutzen einer Rolltreppe. "Man muss das regelrecht lernen", sagt Mangelmann, der sich selbst vieles von Kindern abgeschaut hat.

Angetrieben vom Ehrgeiz absolvierte er vor jetzt ziemlich genau neun Jahren den Übungsleiterschein, der ihn zum Führen von Kursen für Rollstuhlfahrer berechtigt. Jeden Samstag trifft er sich im Sportzentrum Kevelaer mit einer kleinen, aber feinen Anzahl von Rollstuhlfahrern. Sie üben das Fortbewegen und treffen sich zum Sporttreiben. Sie spielen Badminton, Basketball oder sie fahren mit den Handbikes.

Doch Kevelaer sei erst am Anfang, wie Mangelmann sagt. "Die Gruppe ist im Aufbau, und wir würden uns freuen, wenn wir Zuwachs bekämen." Auch an Ausrüstung fehlt es. Die Stadt stellt zwar kostenlos die Halle zur Verfügung, "wir könnten aber weitere Rollstühle gebrauchen – eben weil wir auch die Eltern und Freunde zum Mitmachen animieren möchten." Für den Übungsleiter sind das alles aber eher kleine Hürden, die mit ein wenig gutem Willen und viel Hartnäckigkeit überwunden werden sollten. Mangelmann hat in seinem Leben schon ganz andere Hürden genommen.

Quelle: RP
 
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