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Issum
Vierkampf um den Bürgermeister-Titel

Issum: Vierkampf um den Bürgermeister-Titel
In schwül-warmer Atmosphäre kam es zu keiner hitzigen, unfairen Diskussion im prall gefüllten Issumer Bürgerhaus. FOTO: Gerhard Seybert
Issum. Podiumsdiskussion im Issumer Bürgersaal mit hohem Unterhaltungswert. Mehr als 400 Zuhörer bekamen die Möglichkeit, ihre Kandidaten kennenzulernen. Eine harte politische Auseindersetzung blieb weitgehend aus. Von Stefan Kriegel

Wirkungstreffer nennt der Sportfan bei einem Boxkampf die Schläge, die beim Gegner für Irritation und Innehalten sorgen. Bezogen auf die Podiumsdiskussion im Issumer Bürgersaal mit den vier Bürgermeisterkandidaten blieben solche Treffer überwiegend aus. Nur als ein Bürger gegen Ende der Veranstaltung die politische Herkunft zweier Kandidaten ansprach, kam ein leichter verbaler Schlagabtausch zustande.

Quartett mit Dame (v. l.): Hans-Theo Deckers, Clemens Brüx, Andrea Franken, Stefan Vester und Bernd Deckers. FOTO: Seybert, Gerhard (seyb)

Der Bürger hatte gegen Ende des Abends gefragt, warum denn Clemens Brüx sich von der SPD und FDP in den Ring um das höchste Amt in der Gemeinde schicken lasse? Und an Bernd Deckers gerichtet: Warum er denn als ehemaliges CDU-Ratsmitglied nicht für die Christdemokraten angetreten sei? Bernd Deckers berichtete, dass er sich bei der CDU als Bürgermeisterkandidat beworben habe, doch die Christdemokraten zu einer anderen Entscheidung gekommen seien. Da er trotzdem Bürgermeister werden wolle, sei er eben als Parteiloser angetreten. Ähnlich die Schilderung von Brüx. Die CDU habe sich auf ihren Kandidaten verständigt. Dann sei er von SPD und FDP angesprochen worden, ob er denn nicht als Parteiloser antreten wolle. Das habe er nach der Konstellation aus der Kommunalwahl 2014 (Verlust der absoluten CDU-Mehrheit im Rat) als gute Idee empfunden.

Ungefragt mischte sich auch noch Stefan Vester ein, der die Vorteile hervorhob, als "Parteisoldat" nominiert worden zu sein. Als Bürgermeisterkandidat komme er natürlich mit vielen Menschen in Kontakt. Doch diese Möglichkeit habe ein Bürgermeister später nicht mehr. Dann sei es von großem Vorteil, wenn es Parteivertreter in den Wahlbezirken gebe. Sofort konterte Brüx mit dem Hinweis, dass eine Parteizugehörigkeit auch erhebliche Nachteile habe, und nannte den Koalitionszwang. Vester wollte jedoch davon in seiner zehnjährigen Ratstätigkeit nichts gemerkt haben, was bei den Zuhörern für Gelächter und Schmunzeln sorgte. Abschließend holte noch Bernd Deckers zum finalen Schlag in Richtung Brüx aus: "Denk doch mal an Deine politische Vergangenheit. Früher warst Du in der CDU, heute lässt Du Dich von SPD und FDP aufstellen. Damit hast Du die Palette der im Issumer Rat vertretenen Parteien durch", keilte der Oermter aus. Daraufhin Brüx lapidar: "Es gibt ja auch Verjährungsfristen."

Doch damit war es das auch schon mit der etwas härteren Gangart im Ring. Der Rest des Abends wirkte wie lockeres Sparrings-Boxen. Die Kontrahenten taten sich nicht weh, man duzte sich, und häufig schloss sich ein Kandidat auch seinem Vorredner an. Applaus für einen Kontrahenten inklusive.

Moderatorin Andrea Franken hatte zuvor die eingereichten Fragen der Bürger in vier Themenkomplexe eingeteilt: Ortskern-Nutzung; Weiterentwicklung der Gemeinde mit Wirtschaft, Gewerbe und Internet; Vereine und Ehrenamt; geografische und mentale Distanz von Issum und Sevelen. Während sich bei der Dorfentwicklung mit dem aktuellen Stand Bernd und Hans-Theo Deckers (vor alle gegen Einbahnstraße in Sevelen) sowie Stefan Vester nicht einverstanden erklärten, positionierte sich Clemens Brüx eindeutig. Er sprach sich deutlich gegen das Planungsbüro ASS aus. Eine Aussage von Regina Kampmann, die sich gegen den Ortskern "An de Pomp" aussprach, machte alle Kandidaten nachdenklich. Eindringlich mahnte auch Stadtführerin Sabine Vitten touristische Unterstützung aus der Verwaltung beim neuen Bürgermeister an. Sie selber habe bereits vieles auf die Beine gestellt, vermisse jedoch Flexibilität im Rathaus.

Interessant für Außenstehende zu beobachten ist immer wieder die Diskussion zur Konkurrenz zwischen Issum und Sevelen. Bernd Deckers fand dabei keine Besonderheiten. Clemens Brüx und Stefan Vester erkennen keine großen Differenzen mehr zwischen den Ortschaften, empfinden hingegen eine gewisse Rivalität (zum Beispiel beim Fußball) eher als "Salz in der Suppe".

Der Vorschlag von Hans-Theo Deckers, die Schützenvereine zusammenzulegen, nur noch abwechselnd ein Schützenfest pro Jahr in Issum oder Sevelen zu feiern oder ein gemeinsames Schützenzelt auf die Grenze beider Ortschaften zu stellen, sorgte für ablehnendes Gemurmel beziehungsweise Heiterkeit im Saal.

Quelle: RP
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