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Geldern
Zum Fest wollen alle den "Eckbaum"

Geldern: Zum Fest wollen alle den "Eckbaum"
Larissa Schimke, Andre Honnen, Bettina Joisten und Anna Schoemackers (von links) von der Landjugend engagieren sich für die Aktion "Lichtblicke". Hier zwängen sie gerade einen Weihnachtsbaum in ein Netz. FOTO: Thomas Binn
Geldern. Die Gelderner Landjugend verkauft Weihnachtsbäume für den guten Zweck. Die Einnahmen gehen an die Aktion "Lichtblicke". 90 Prozent der Kunden kommen aus Tradition. Nicht jeder Käufer lässt sich von Emotionen leiten. Von Monika Kriegel

"Eckbäume" sind besonders beliebt. Ansonsten geht der Trend in diesem Jahr zu Charakteren wie "groß, schlank, füllig". Aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen die Mitglieder der Gelderner Landjugend alle Jahre wieder, wenn es um die passende Wahl des Weihnachtsbaumes geht. Am Wochenende war die erste von zwei Aktionen in Walbeck und Veert, am kommenden Wochenende folgen weitere. "Aber: Auf ist auf, wir haben nur 200 Stück im Sauerland geordert", erklärte Helferin Bettina Joisten.

Die Nordmanntannen wurden schon im Sommer geordert, frisch geschlagen und eingenetzt an den Niederrhein transportiert. "Eingenetzt" bedeutet andererseits, dass der Käufer nicht "die Katze im Sack" kaufen möchte, sondern sein spezielles Exemplar zuerst in voller, runder, grüner Pracht mustern möchte. Die bis zu zehn Freiwilligen dienen zwischendurch als "Tannenbaumhalter".

"Der ist doch toll, oder?", stellen sie die bis zu zwei Meter hohen, potentiellen Weihnachtsbäume vor. "Jeder empfindet die Schönheit des Baumes anders. Mal ist er zu grün, zu hell, zu klein, zu dick, zu eckig. Dann hat er oben rum zu wenig", berichten Daniela Hippler, Thomas Joisten, André Honnen und Anna Schoemackers und Larissa Schimke von ihren Erfahrungen.

Am Ende finden sie alle "ihren" Baum. Bettina Joisten erzählt belustigt, dass nach einer Vorführung von gut einem Dutzend Exemplaren oft doch der Allererste der Richtige ist. Sie erinnert sich an eine helle Nordmanntanne vom Vorjahr, die fast bis zum Schluss stand, bis schließlich eine ältere Frau kam, dann zielstrebig und freudig behauptete: "Ja, das ist er!"

Heinz Kanders und seine erwachsenen Kinder Stefan und Silke machten wenig Aufhebens um ihre drei Christbäume fürs Fest. "Jeder Baum ist schön. Den habe ich ausgesucht. Da bleibt noch Platz für die Krippe", sagt der Lüllinger und packt sein Grün in den Gärtnerhänger. Tochter Silke meint sogar: "Meiner muss nicht perfekt sein, nur dicht gefüllt. Das ist er! Der steht bis ins neue Jahr."

Daniela und Arno van Stiphoudt erwägen immer wieder, "doch mal einen Plastikbaum zu kaufen, weil er so praktisch ist". Vor zwei Jahren hätten sie ihren "echten" Christbaum "im Vorbeifahren" bei der Landjugend gesehen, angehalten und gekauft. Schwieriger dieses Mal, aber wieder soll es ein "echter" mit Nadeln sein: Aus dreien wählen sie nach kurzem Geplänkel wie "Daraus entsteht doch keine Ehekrise!" den mittleren aus, den die Walbeckerin sich jetzt sogar schon mit roten und goldenen Elementen geschmückt vorstellen kann.

Während eine Ponterin mit ihrer Tochter sich nach und nach die Tannen aus den Netzen zur Begutachtung befreien lässt, kommt ein anderer herangefahren, entscheidet sich und lässt ihn innerhalb von Minuten für den Transport einnetzen. Bezahlt und fährt weg. "Nein, das kann doch nicht sein", empfindet die unschlüssige Käuferin den "Expresseinkauf" als zu wenig emotional.

"Ich muss ihn mir einfach bei mir zu Hause vorstellen. Das dauert eben", entschuldigt sie sich fast. Ob sie schließlich doch einen "Eckbaum" gefunden hat? Das sind übrigens jene Christbäume, die an einer Seite vom natürlichen Wuchs eher benachteiligt waren. Aber bestens in eine Wohnzimmerecke passen, ohne dass Zweige abgeschnitten werden müssen.

Die jungen Verkäufer von der Landjugend beobachten diese Szenen eher geduldig. Tobias Baumann weiß: "90 Prozent der Menschen kommen aus Tradition zu uns. Ich bin schon seit gefühlten 15 Jahren dabei. Das macht einfach Spaß. Und wieder spenden wir unseren Erlös für die Aktion ,Lichtblicke'."

Quelle: RP
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