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Goch
Frühere Kirche bereit für Flüchtlinge

Goch: Frühere Kirche bereit für Flüchtlinge
Im rechten Seitenflügel wurden Schlafräume eingerichtet, der Eingangsbereich wird zur Küche. Im Hauptschiff entstand ein Aufenthaltsraum, der sich leichter heizen lässt als das hohe Gesamtgebäude. FOTO: KLAUS-DIETER STADE
Goch. Die Arbeiten innerhalb des ehemaligen Liebfrauen-Kirchenschiffs werden bald abgeschlossen sein, dann können 40, später bis zu 59 Menschen dort unterkommen. An regelrechtes "Wohnen" ist nicht gedacht - eine Übergangsadresse. Von Anja Settnik

An der Weberstraße 22 entsteht Gochs neue Erstaufnahmeinrichtung für Flüchtlinge. Wer mit der Adresse nichts anfangen kann, dem wird der Zusatz "ehemalige Liebfrauenkirche" helfen. Im Gartengeschoss, dem ehemaligen Liebfrauensaal und der früheren Bücherei sind schon seit einer Weile Asylbewerber untergebracht. Jetzt kommt das eigentliche Kirchengebäude hinzu. Im Seitenflügel werden die Schlafräume eingerichtet, im Hauptschiff ein Aufenthaltsraum. Ab Mitte des Monats können 40, bei Bedarf künftig bis zu 59 Menschen einziehen.

Wohnen in einer aufgelassenen Kirche - das hat noch Seltenheitswert. Und es ist auch für die ehemals katholische Gocher Kirche vermutlich nur eine Zwischenlösung, denn was langfristig aus dem zwar nicht mehr sakralen, aber doch sehr besonderen Haus werden soll, ist noch nicht geklärt. Erst einmal hat die Stadt Goch mit dem Bistum Münster einen Mietvertrag für zwei Jahre geschlossen. Das moderne Bronzekreuz an der Stirnseite bleibt "in Abstimmung mit der Pfarrgemeinde", wie Georg Brenker vom Ordnungsamt sagt, auch in der entweihten Kirche an seinem zentralen Platz hängen.

Zunächst war daran gedacht, die frühere Kirche als eine Art Puffer zu nutzen, Flüchtlinge also vor allem dann dort unterzubringen, wenn akut keine anderen Wohnungen zur Verfügung stehen, berichtet Stadtsprecher Torsten Matenaers. Brenker präzisiert: "Wir haben uns überlegt, dass wir diese Einrichtung jetzt grundsätzlich für neu zugewiesene Flüchtlinge verwenden. Sie werden dort zwei bis drei Wochen bleiben und dann auf dauerhafte Wohnmöglichkeiten verteilt." Ob Alleinstehende oder Familien - die Unterkunft sei für alle geeignet und soll den Menschen erst einmal Ruhe und ein "Ankommen" ermöglichen.

Gero Guntlisbergen vom städtischen Vermögensbetrieb zeigt der RP die entstandenen Räume: Im früheren Seitenschiff, das ohnehin in große Nischen unterteilt war, wurden mit Hilfe von USB-Platten Schlafzimmer geschaffen. "Da kommen jeweils vier Stockbetten rein, so dass acht Menschen Platz finden", erklärt Guntlisbergen. Weil der gesamte "Kirchenraum" mit der vorhandenen Heizung nur auf etwa 15 Grad zu erwärmen ist, was für Wohnzwecke nicht ausreicht, wurden in den Schlafnischen Heizkörper aufgestellt, die über eine Ölheizung im Keller versorgt werden. Die soll auch den speziell konstruierten, etwa 80 Quadratmeter großen Aufenthaltsraum temperieren: "Dort haben wir aus Leichtbauwänden und einem Dach aus Plexiglas eine thermische Hülle geschaffen, in der es warm genug sein wird, um sich auch längere Zeit aufzuhalten", meint Guntlisbergen. Neben Tischen und Stühlen sind vor allem die zahlreichen Steckdosen wichtig: "Da können die Leute ihre Handys aufladen - meist ihr einziger Kontakt zur Familie im Heimatland", sagt Brenker.

Für Männer und Frauen wurde je ein Bad mit mehreren Duschen, Toiletten und Waschbecken eingerichtet, zudem eine Küche für die Selbstverpflegung. "Da stellen wir vier Herde rein, zwei Spülen, sechs Kühlschränke und zwei Waschmaschinen", zählt Brenker auf. Weil es kein zu öffnendes Fenster in dem Trakt gibt, der früher das Foyer war (die Türen wurden dauerhaft geschlossen), wurde auch eine Dunstabzugshaube installiert. Kochen müssen die Bewohner selbst, auch dafür sorgen, dass die Kühlschränke gefüllt sind. Nach dem Asylbewerberleistungsgesetz erhalten sie ja auch Bargeld, das nach eigenen Bedürfnissen ausgegeben werden kann (ein alleinstehender Erwachsener erhält derzeit rund 360 Euro). Die Unterkunft liegt günstig - nahe zur Innenstadt, und einen Supermarkt gibt es gleich gegenüber. Schön für Kinder: Sowohl der frühere Pfarrgarten, als auch der Vorplatz können zum Spielen genutzt werden.

Was den Bewohnern aus Sicherheitsgründen vorenthalten bleibt, ist die Möglichkeit, auf die Orgelempore oder noch weiter nach oben in den Turm zu klettern. Dort hängen noch immer drei mächtige Kirchenglocken, die allerdings seit Jahren schweigen.

Quelle: RP
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