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Goch
Weniger Straftaten - mehr Aufklärung

Goch: Weniger Straftaten - mehr Aufklärung
Gewaltdelikte Die Zahl ist von 589 auf 555 zurückgegangen. Die Aufklärungsquote liegt bei 80,2 Prozent. Im Bild ist das Haus eines Mordopfers in Elten. FOTO: mvo/eve/end
Goch. Pro 100.000 Einwohner im Kreis Kleve hat es im vergangenen Jahr 6753 Straftaten gegeben, das ist ein neuer Tiefstwert. Deutlich gestiegen sind die Zahlen von Betrugsfällen an älteren Menschen - etwa durch die Enkeltrick-Masche. Von Ludwig Krause

Landrat Wolfgang Spreen fasste sich kurz: "Im Vergleich mit dem gesamten Land NRW leben wir im Kreis Kleve überdurchschnittlich sicher", sagte er bei der Vorstellung der Kriminalstatistik 2017. "Die Entwicklung ist geprägt von einem starken Rückgang der Gesamtzahl aller Straftaten und einer konstant hohen Aufklärungsquote." Dabei wisse man, dass subjektives Sicherheitsempfinden nicht immer mit den Zahlen einhergehen. "Wer einmal selbst von einer Straftat betroffen war, sieht solche Statistiken immer mit anderen Augen."

In Zahlen ausgedrückt sehen diese Statistiken so aus: Pro 100.000 Einwohner hat es im vergangenen Jahr 6753 Straftaten gegeben. Diese Maßeinheit wählt man, um sich vergleichen zu können - etwa mit dem Landesschnitt. Und der ist mit 7677 Fällen deutlich höher. Insgesamt habe es, so erklärte Bert Gricksch, Leiter der Direktion Kriminalität, 20.958 Straftaten gegeben. Das sind 5,6 Prozent oder 1244 Fälle weniger als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ist leicht gesunken: von 55,6 auf 54,9 Prozent, liegt aber immer noch über dem Landesschnitt (52,3 Prozent). Jeder zweite Fall wird also aufgeklärt. "Insgesamt haben wir rund 9000 Tatverdächtige ermitteln können", sagt Bert Gricksch.

Besorgniserregend ist die deutlich gestiegene Zahl der Betrugsfälle an Senioren. Wurden im Jahr 2016 noch 33 Fälle dieser Art gemeldet, waren es im vergangenen Jahr schon 112 Fälle - und nur ein einziger konnte aufgeklärt werden. Auch in diesem Jahr sind Maschen wie der Enkeltrick oder sich "falsche Polizeibeamte" gemeldet worden. Die Polizei hat angekündigt, ihre Bemühungen in diesem Feld, etwa durch Prävention und Aufklärung, noch einmal zu verstärken.

Von besonders großem Interesse sind in der Öffentlichkeit Gewaltverbrechen. Wie im Dezember vergangenen Jahres, als ein 77-Jähriger in Emmerich-Elten tot in seiner mit Wasser gefluteten Wohnung gefunden wurde. Die Ermittlungen der Mordkommission führten auf die Spur eines 25-Jährigen aus Kleve, der sich mit dem Emmericher verabredet hatte. Der 77-Jährige hatte nach dem Tod seiner Ehefrau vor allem online nach Männerbekanntschaften gesucht. Der Verdächtige aus Kleve gab zu, auf das Opfer eingeschlagen und eingestochen zu haben, ihn gefesselt, eine Treppe hinuntergeworfen und schließlich versucht zu haben, ihn anzuzünden. Als Motiv nannte der 25-Jährige Mordlust. Schon seit seiner Kindheit habe er Tötungsfantasien gehabt.

Ein anderer Fall, der die Menschen über den Kreis Kleve hinaus bewegt hat, war die Geiselnahme in der LVR-Klinik in Bebdurg-Hau. Zwei Tage lang befand sich ein 35-Jähriger auf der Flucht, nachdem er gemeinsam mit einem 28-jährigen Insassen einen Mitarbeiter der Klinik als Geisel genommen hatte. Dabei schnitten sie ihm mit einer selbstgebauten Waffe auch einen Teil seines Ohrs ab. Mittlerweile wurden die beiden Täter zu Freiheitsstrafen von acht Jahren und sechs Monaten und sieben Jahren und sieben Monaten verurteilt.

Zu einem SEK-Einsatz ist es Anfang des Jahres in Materborn gekommen. Ein 45-jähriger sogenannter Reichsbürger aus Kleve hatte Angaben zur Vermögensauskunft verweigert, die Gerichtsvollzieherin bat das SEK um Amtshilfe. Bei der Festnahme stellten die Beamten eine scharfe Pistole sicher. Außerdem wurde in der Wohnung eine größere Menge Amphetamine gefunden. Inzwischen wurde der Mann wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittel- und das Waffengesetz zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt.

Gute Nachrichten gibt es beim Dauerthema der Wohnungseinbrüche. Nachdem die Zahlen 2015 und 2016 nahezu konstant geblieben waren, gingen sie im vergangenen Jahr deutlich von 769 auf 603 Fälle zurück. Davon bleibt fast die Hälfte aller Fälle im Versuch stecken. "Damit haben wir weniger als einen vollendeten Einbruch pro Tag im gesamten Kreis Kleve", sagt Bert Gricksch. Gleichzeitig ist die Aufklärungsquote von 23,5 auf 28,7 Prozent gestiegen. Damit liegt sie deutlich über Landesschnitt.

Sorgen bereitet den Beamten der Anstieg von häuslicher Gewalt - nämlich um knapp 20 Prozent auf 410 Fälle. Man habe die Erfahrung gemacht, dass die Täter in diesem speziellen Bereich oft aus Osteuropa kämen, sagt Gricksch. Schaut man auf alle Straftaten, so haben 41 Prozent aller Tatverdächtigen einen Migrationshintergrund - auf ganz NRW verteilt sind es 32 Prozent. "Dabei muss man beachten, dass manche Taten aber nur von Ausländern begangen werden können", sagt Gricksch. Verstöße gegen das Ausländergesetz zum Beispiel.

Auch die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist um 43 Fälle gestiegen, was vor allem aber durch ein neues Gesetz zu erklären ist, wie die Polizei erklärt. Sexuelle Belästigung, bisher vom Gesetzgeber als Beleidigung eingestuft, ist mittlerweile ein eigener Straftatbestand. 53 dieser Fälle hat die Polizei verzeichnet.

Quelle: RP
 
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