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Grevenbroich
Afrika-Markt am Schloss Hülchrath lockt Sammler aus ganz NRW an

Grevenbroich. Etwa einen Meter misst die Figur aus Togo, die Hans Wende auf ein kleines Podest gestellt hat. Auf den ersten Blick wirkt die dunkle Holzfigur gruselig: Dargestellt ist ein betender Mann, dessen Mund eine spitze Metallplatte verschließt. An der Platte ist mit einer Kette eine mit Kokosnuss-Haut ummantelte Kalebasse befestigt. Experte Wende wagt eine Deutung: "Die Figur mahnt, die Geheimnisse des Stamms nicht zu verraten."

Tatsächlich ist die Figur, die mindestens 50 Jahre alt sein soll, auch für den in der Szene bekannten Fachmann aus Düsseldorf eine absolute Besonderheit: Nur drei-, maximal viermal soll es sie in Europa geben. Entsprechend hoch ist ihr Preis: bis zu 50.000 Euro zahlen Sammler für solche Objekte.

Dutzende Kunstwerke standen jetzt beim Afrikamarkt am Schloss Hülchrath zum Verkauf. Vor allem im Händlerzelt tummelten sich zahlungskräftige Liebhaber. "Zu uns kommt vor allem der harte Kern deutscher Sammler, die eine Leidenschaft für diese Form der Kunst hat", erzählt Hans Wende. Er hatte gut zu tun, viele potenzielle Kunden interessierten sich für die Figuren an seinem Stand - darunter auch für besagten betenden Mann mit der Metallplatte im Mund.

Abstrakt sind sie, dennoch haben sie auch etwas Faszinierendes an sich, meint etwa die Sammlerin Victoria Bogojawlensky aus Bergisch Gladbach. Ein Mitbringsel ihres Vaters, eine Maske, hatte bei ihr bereits im Alter von zehn Jahren eine gewisse Begeisterung für afrikanische Kunst geweckt. Später hat sie unter anderem Völkerkunde studiert. "Die Figuren haben alle eine bestimmte Bedeutung. Sie stehen zum Beispiel für Fruchtbarkeit und das Leben", erzählt die 73-Jährige, die zugibt, als Kind zunächst Angst vor der Maske gehabt zu haben, die ihr Vater ihr damals geschenkt hatte. "Heute begeistert mich die Kunst. Ich schätze, dass rund 200 kleine und große Stücke in meiner Wohnung stehen."

Doch der Markt bot keineswegs ausschließlich Interessantes für Insider: Auch Fans afrikanischen Essens, Kleidung und Musik kamen auf ihre Kosten. Während Trommler typische Klänge über das Areal schallen ließen, verkauften etwa 40 Händler - darunter einige mit afrikanischen Wurzeln - Waren wie Körbe, Hüte oder bunte Kleider, die für einige Teile des Kontinents typisch sind. Im nächsten Jahr soll es wieder einen Afrika-Markt geben.

(cka)
 
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