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Seniorenfreundliches Grevenbroich
Ausnahmeheim ohne Pflegenotstand

Seniorenfreundliches Grevenbroich: Ausnahmeheim ohne Pflegenotstand
Sitzgymnastik wird im Albert-Schweitzer-Seniorenzentrum regelmäßig angeboten. Aber auch die Rollstuhlfahrer werden in die Stadt begleitet, ins Café, zum Einkaufen oder zu Ausflügen. FOTO: Anja Tinter
Grevenbroich. Im Albert-Schweitzer-Seniorenzentrum wird der Stellenplan im Pflegebereich sogar übererfüllt. Für dieses größte und älteste Seniorenheim in Grevenbroich gibt es eine Anmeldeliste von 200 jüngeren Bürgern, die später dort einziehen möchten. Von Gundhild Tillmanns

Das Albert-Schweitzer-Seniorenzentrum ist das größte in Grevenbroich und auch das älteste Alten- und Pflegeheim. Und es ist auch trotz des allgemeinen Pflegenotstandes eines der ganz wenigen Heime, das keine Personalnot zu verzeichnen hat, im Gegenteil: "Wir haben mit 50 Pflegestellen sogar zwei mehr, als es der Stellenschlüssel erfordert", sagt Leiterin Ines Netzer-Schikora. Das liege einerseits am Träger der Einrichtung, die vom Diakonischen Werk des evangelischen Kirchenkreises Neuss geführt wird. Zum anderen werde das Personal gut bezahlt und werde nicht mit Überstunden belastet. "Das Wichtigste ist für mich, den Bewohnern ihre Lebensqualität zu erhalten und dass ich zufriedene Mitarbeiter habe", sagt die Leiterin, die seit zehn Jahren im Albert-Schweitzer-Haus beschäftigt ist.

Der 30 Jahre alte Gebäudetrakt wurde vor zehn Jahren komplett entkernt und saniert: "Wir haben also keinen Investitionsstau. Die Zimmer haben auch alle angeschlossene Bäder", betont die Leiterin. 134 stationäre Plätze hat das Albert-Schweitzer-Zentrum und einen Kurzzeitpflegeplatz. Betreut werden die Bewohner von 106 Mitarbeitern, die sich auf die 56 Vollzeitstellen verteilen, inklusive der 50 Fachpflegerstellen. Dazu kommen zwei Freiwillige, die ein soziales Jahr im Pflegebereich absolvieren und drei Sozialbetreuer.

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"Wir bilden auch in jedem Jahrgang zwölf junge Menschen aus und behalten jeweils zwei davon. Mehr sind leider nicht möglich", bedauert Netzer-Schikore. Denn der Stellenschlüssel sei zwar großzügig bemessen, aber es gebe eine sehr geringe Fluktuation beim Personal: "Manche sind schon 30 Jahre von Anfang an dabei", berichtet die Altenheimleiterin.

Eine weitere Besonderheit sind im Albert-Schweitzer- Seniorenzentrum die Bewohner selbst: "Bei uns kommen die wenigsten nach einem Krankenhausaufenthalt ins Heim, weil sie sich zu Hause nicht mehr helfen können. Fast alle Bewohner haben sich schon früh, so mit 50 oder 60 Jahren, auf die Anmeldeliste setzen lassen. Die meisten ziehen dann erst ab dem 75. Lebensjahr aufwärts bei uns ein, manche auch erst mit 90", berichtet Ines Netzer. 200 Vormerkungen seien aktuell auf dieser Liste. Durch diese besondere Struktur entstehe auch eine gesunde Mischung: "Bei uns leben Senioren, die noch absolut fit und selbstständig sind, Tür an Tür mit Pflegebedürftigen", sagt Netzer. Es gebe lediglich einen Schutzbereich für schwer Demenzkranke mit 18 Plätzen. Der jüngste Bewohner, ein 60-Jähriger, sei nach einem Unfall ins Heim gezogen, die älteste Bewohnerin sei 101, dicht gefolgt von einer 100-Jährigen, bilanziert die Leiterin.

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Zum Konzept des Albert-Schweitzer-Seniorenzentrums gehört neben Freizeitangeboten in den Gebäuden selbst vor allem auch, "den Alltag weiter so erleben zu können, wie es vorher war", beschreibt die Leiterin den Ansatz. Der bestehe darin, die Bewohner möglichst oft in die Stadt zu begleiten: "Sie sollen ins Café gehen und Kuchen essen oder sich in einer Drogerie ein Parfüm kaufen, eben alles das tun, woran sie auch in früheren Jahren Freude hatten", sagt Ines Netzer-Schikora. Für diese Zwecke gibt es dann, wenn erwünscht oder notwendig, die Möglichkeit der Einzel- oder Gruppenbegleitung. Das sind Aufgaben, die die Sozialbetreuer und Betreuungsassistenten wahrnehmen.

Quelle: NGZ
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