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Grevenbroich
Britsche Lehrerin lernt die Stadt kennen

Grevenbroich. Zoe Aebischer ist am "Erasmus" Lehrerin auf Zeit. Jenseits des Unterrichts reist sie, um Land und Leute zu studieren. Von Valeska von Dolega

Seit Anfang September lebt Zoe Aebischer bei ihrer Gastfamilie. "Niemals zuvor hatte ich von Grevenbroich gehört", gibt die 20-Jährige unumwunden zu. "Als ich den Namen zum ersten Mal hörte, dachte ich gar nicht, dass so eine Stadt in Deutschland liegt." Der Irrglaube ist längst Sympathie gewichen. "Ich mag das alles sehr. Es erinnert mich auch an Salisbury". Dort lebt die Britin eigentlich - wenn sie nicht gerade in Oxford Deutsch studiert.

Über das Britische Council sowie den pädagogischen Austauschdienst bewarb die Studentin sich um einen Job in Deutschland. Weil gleichzeitig das Erasmus-Gymnasium sich um eine so genannte Fremdsprachenassistentin bewerb, ist Zoe Aebischer jetzt so etwas wie eine Hilfslehrerin. "Zwölf Stunden pro Woche unterstützt sie uns im Englischunterricht", erklärt Kathrin Barth von der Englisch-Fachschaft. "Wir freuen uns, dass sie bei uns ist. Vor allem die Schüler." Denn die werden in Kleingruppen von der Britin betreut und haben die Chance, "richtig intensiv am Vokabelschatz zu arbeiten", wie Kathrin Barth sagt.

Es ist eben etwas anderes, mit einem "Native Speaker", also Muttersprachler, zu reden. Über manche Kreation amüsiert sich Zoe Aebischer, "ein tragbares Telefon ist ein ,mobile phone', kein ,Handy', das Wort gibt es gar nicht." Ebenso ist ,Wellness' eine Eigenkreation, "in England sagen wir ,Spa' zu diesen Maßnahmen."

Jeden Tag lernt sie Interessantes, an das anfangs so obskure Sprudelwasser hat sie sich rasch gewöhnt, Spaß macht es, "deutsche Gerichte wie eine Wurst zu probieren", und Spätzle erinnern sie an nasse Pommes. Weil sie nicht nur unterrichtet, sondern auch an der Heinrich-Heine-Uni für Germanistik eingeschrieben ist, lernt sie "allerlei über Phonetik", speziell die Umlaute haben es ihrer Meinung nach in sich, aber das britisch-gelispelte "th" sei ja auch "kein natürlicher Laut".

Im Kino war Zoe Aebischer hier noch nicht, sie hat aber schon verschiedene britische Filme im Fernsehen gesehen. Erstaunt, keine Originalversion, sondern eine synchronisierte Fassung zu erleben, wundert sie sich vor allem über die stimmlichen Abweichungen. "Da frage ich mich, warum ein Schauspieler, der im Original eine so interessante Stimme hat, mit einer so anderen Stimme zu hören ist."

Ebenso sei das Missverhältnis von Lippenbewegung des Schauspielers zur Akustik "echt komisch".

Obwohl sie sich in der Gastfamilie wohl fühlt, die Lehrtätigkeit am Erasmus-Gymnasium mag und das Dasein in Nordrhein-Westfalen ("habe ich mir ausgewählt, wegen der interessanten Kultur und der schönen Städte") schön ist, vermisst Zoe Aebischer ihre jüngere Schwester und den älteren Bruder. "Anfangs habe ich mich nur schwer eingewöhnt."

Rund um Weihnachten und den Jahreswechsel geht's deshalb auch zurück auf die Insel - und unter den Mistelzweig für ausgedehntes Knutschen. Englische Tradition eben.

Bis Mai kommenden Jahres ist Zoe Aebischer dann im schönen Grevenbroich, eine unbeschwerte Zeit. "Denn wenn ich nach Oxford zurück komme, muss ich für den Abschluss büffeln." Die tadellose Aussprache des "ü" hat sie bis dahin mit Unterstützung des Erasmus-Kollegiums sicher drauf.

Quelle: NGZ
 
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