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Serie Unsere Seelsorger
Den Glauben musste er erst finden

Grevenbroich. Seit fünf Jahren ist Werner Hoffmann als Pfarrer für Büttgen, Vorst und Driesch innerhalb der neu entstandenen evangelischen Kirchengemeinde in Kaarst tätig. Ursprünglich wollte er lieber zur See fahren. Von Elisabeth Keldenich

Büttgen/Vorst/DRiesch Es war ein weiter Weg für Werner Hoffmann (61) vom oldenburgischen Geburtsort bis zum evangelischen Pfarrhaus in Büttgen. Eigentlich wollte er zur See fahren und heuerte bei der Marine an. "Aber meine Sehkraft war zu schlecht", erinnert sich der hochgewachsene Brillenträger und deshalb stand für ihn fest: "Also lernst du erst mal etwas Ordentliches!" Er macht eine kaufmännische Lehre in einem Autohaus in Düsseldorf, spürt aber schnell, dass er lieber mit Menschen arbeiten möchte.

Da er ein Studium der Sozialpädagogik an einer evangelischen Fachhochschule anstrebt, benötigt er ein pfarramtliches Zeugnis. "Ich sehe dich nie in der Kirche", befindet der zuständige Pfarrer und verordnet ihm wöchentliche Gottesdienstbesuche, denen Hoffmann eher widerwillig nachkommt. In dieser Zeit erlebt er eine elementare Glaubenserfahrung "wie vom Saulus zum Paulus", so erinnert er sich. "Während eines Gottesdienstes wird mir klar: Gott ist ein lebendiger Gott und er liebt mich so sehr, dass sein Sohn für mich starb!"

Dieses für ihn sehr beglückende Erlebnis zeigt ihm endgültig seine Berufung, als Pfarrer seinen Glauben mit und für die Menschen zu leben. Seine Eltern und sein jüngerer Bruder tragen diese Entscheidung aus vollem Herzen mit. Während des Studiums der Religionspädagogik und des Predigtaufbaus ist er im missionarischen Einsatz auf dem Sinai tätig. "Hier machte ich elementare Erfahrungen mit Gott, die mich bis heute immer wieder im Glauben stärken", erzählt Hoffmann. Später arbeitet er zunächst als Gemeindemissionar an verschiedenen Stellen in Solingen und Mettmann, bevor er 1998 die Prüfung zur Anstellungsfähigkeit als Pfarrer ablegt.

Seit 2005 ist er in dieser Funktion in Büttgen und Glehn tätig, seit fünf Jahren als Pfarrer des dritten Bezirks der neu entstandenen evangelischen Kirchengemeinde in Kaarst. Vor Ort schätzt er die gute ökumenische Zusammenarbeit mit den katholischen Glaubensgeschwistern. In der Verkündigung des Evangeliums sehe er den zentralen Auftrag Gottes, so Hoffmann. "Glaube kommt aus dem Hören", ergänzt er. Deshalb umfassen seine Angebote der Seelsorge viele Impulse wie etwa die musikalisch begleiteten "Sing and pray"-Abende mit geistlichem Lobpreis und Gebet. Zum Abschluss gibt es Leckeres vom Grill. Auch der "Brunch-Gottesdienst" ist ein beliebter Treffpunkt. "Ich versuche Gottesdienste für Suchende anzubieten", umreißt Hoffmann seine Intention.

Wichtig sind ihm zwei Dinge: Wie kann die Kirche die Menschen erreichen und welche Sehnsüchte vermag sie zu wecken? Bei der Familienkirche mit Angeboten für Groß und Klein steht ihm seine Frau Christa tatkräftig zur Seite. "Ohne sie ginge gar nichts", räumt Hoffmann freimütig ein. Das Ehepaar Hoffmann ist seit 28 Jahren verheiratet und hat eine erwachsene Tochter. "Meine Frau hat ihren Beruf als Fremdsprachensekretärin aufgegeben und ist jetzt eine Pfarrfrau im alten Stil", erzählt er. "Einer von uns ist immer erreichbar", erläutert Hoffmann. Außerdem freue er sich über die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter.

In seiner Freizeit bevorzugt er das Lesen und beschäftigt sich mit dem Mittelalter. Davon zeugt das entsprechende Kostüm, das neben dem Talar hängt. "Ich besuche auch Veranstaltungen zu diesem Thema", erzählt er. Bei seinen Urlaubszielen hat er keine eindeutigen Favoriten. Die Zukunft der Kirche fasst er mit wenigen Worten zusammen: "Wir säen aus und irgendwann wird die Ernte eingefahren!"

Quelle: NGZ
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