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Grevenbroich
Der Gillbach soll sich wieder selbst ein Bett suchen

Grevenbroich. Auf einer Länge von bis zu 200 Metern wird der Gillbach in unmittelbarer Nähe des Festplatzes renaturiert - auch aus Gründen des ökologisches Ausgleichs. Das sagt der zuständige Erftverband. Von Sebastian Meurer

Erst einmal soll die St. Sebastianus-Bruderschaft am ersten Juli-Wochenende in Ruhe ihr Schützenfest feiern können. Danach allerdings wird der Erftverband irgendwann "in diesem Sommer" mit der Renaturierung des unmittelbar am Festgelände vorbei fließenden Gillbachs beginnen, wie Bernd Bucher, stellvertretender Vorstand des Erftverbands, jetzt im Rahmen des Jahrestreffens mitteilte.

Renaturiert wird der Gillbach nach Buchers Worten auf einer Länge von 150 bis 200 Metern. Damit setzt der Erftverband ein Projekt fort, das Ende des vergangenen Jahrzehnts in Ramrath begonnen hat: Der Gillbach soll wieder mäandern (das Wasser fließt in Bögen und Schleifen) und eine unbegradigte Gestalt wiedergewinnen, die er zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch hatte - so lässt sich das Projekt kurz auf einen Nenner bringen.

"Es geht auch darum, die Eigendynamik des Gewässers zu unterstützen", betont Erftverband-Vorstand Norbert Engelhardt. Dass der Bach einmal nicht kanalartig floss, sondern tatsächlich durch die Landschaft mäanderte, macht die während der napoleonischen Herrschaft entstandene Tranchot-Karte deutlich.

Vor gut zwei Jahren hatte der Erftverband das bislang letzte Teilstück bei Gut Alshof in Evinghoven fertiggestellt. Die Gemeinde hat daraufhin im vergangnen Jahr dort einen Naturwanderweg angelegt. Dass nun ausgerechnet in Frixheim ein weiteres Stück Gillbach für die Renaturierung ins Auge gefasst wird, hat indes einen konkreten Grund. Der hat ursächlich mit dem Festplatz selbst zu tun.

"Es handelt sich um eine Ausgleichsmaßnahme für diesen Eingriff in die Landschaft", auf die sich Bernd Bucher zufolge Gemeinde und Erftverband geeinigt haben. Der Landschaftsbeirat hatte den 2011 eröffneten Platz nur unter strengen Auflagen genehmigt, die nicht zuletzt ortsnahe ökologische Kompensationen vorsehen. Zu den Wurzeln für die schrittweise erfolgenden Renaturierungsmaßnahmen gehört das kurz nach der Jahrtausendwende vom Erftverband erstellte "Entwicklungskonzept Gillbachaue".

Zugleich steht die Sanierung im Kontext der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), wonach - beileibe nicht allein der Gillbach - bis 2027 "in einem guten ökologischen Zustand" sein soll, wie Bernd Bucher sagt.

Der Erftverband will den Gillbach nicht auf seiner Gesamtlänge von etwa 28 Kilometern renaturieren. Bis 2027 geht es Bucher zufolge um "sieben bis acht Kilometer". Bislang sind knapp vier Kilometer renaturiert worden. Hinter Frixheim wird in Rommerskirchen zunächst einmal Pause sein. Noch im Herbst will der Verband ein Teilstück in Hülchrath in Angriff nehmen und 2016 ein weiteres, das gleichfalls in Grevenbroich liegt. Was die Umsetzung des WRRL-Ziels von "guten Gewässern" bis 2027 angeht, zeigt sich Norbert Engelhardt skeptisch: "Wir wissen heute schon, dass das sehr sehr ehrgeizig und an vielen Stellen nicht zu schaffen ist." Hauptprobleme sind demnach mangelndes Geld, fehlendes Grundeigentum und zu geringe Personalkapazitäten.

Quelle: NGZ
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