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Serie Denkmäler In Korschenbroich
Gaststätte "Zum Anker" trotzt gleich zweimal dem Feuer

Grevenbroich. Korschenbroich (drlp) 300 Jahre ist es her, dass Korschenbroich von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht wurde. 45 Gebäude fielen den Flammen zum Opfer. Das Haus an der ehemaligen Hochstraße 9 aber hielt stand - weil es aus massivem Mauerwerk errichtet war. Noch einmal sollte ihm sein stabiles Mauerwerk das Überleben sichern: Im Jahre 2009, als ein Brandstifter die Gaststätte "Zum Anker" anzündete. "Das Haus musste daraufhin komplett entkernt werden, und wir konnten vom Erdgeschoss bis in den Dachstuhl gucken", erinnert sich Kathrin Thoren. Sie hat das Gebäude nach dem Brand gemeinsam mit ihrem Bruder Sebastian gekauft und fachgerecht saniert. Dabei machten die Handwerker einen bedeutenden Fund: Sie stießen auf zwei Paar Kinderschuhe, die in einer Nische verbaut waren. Schon in Schloss Liedberg und einem weiteren Liedberger Wohnhaus wurden eingemauerte Schuhe entdeckt. Was es mit diesem Brauch auf sich hatte, können Historiker des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) nur vermuten. Wahrscheinlich sollten die Schuhe Haus und Bewohner vor Unheil schützen.

Da die originalen Schuhe noch beim LVR untersucht werden, kam Günter Thoren, dem Vater der Hauseigentümer, eine witzige Idee: Er hat stattdessen moderne Kinderschuhe zusammen mit einem Zeitungsbericht über den historischen Fund über einem Türsturz im "Anker" eingemauert. Die Kinderschuhe lassen Rückschlüsse zu auf die ursprünglichen Bewohner des Hauses: "Wer vor etwa 300 Jahren Schuhe aus hochwertigem Leder für seine Kinder anfertigen ließ, gehörte dem Adel an", vermutet Günter Thoren.

Ein Wappen, das das Haus früher zierte, lässt darauf schließen, dass es sich einst im Besitz der Herren von Myllendonk befand. Wann genau es erbaut wurde, ist allerdings unklar. Untersuchungen haben ergeben, dass die Holzbalken ein Alter von 500 Jahren aufweisen. Damit hat das Gebäude spätmittelalterliche Ursprünge und gehört zu den ältesten in Korschenbroich. Um 1740 wurde der übergiebelte Anbau angefügt; seitdem gibt es dort eine Gaststätte. Im Volksmund ist sie auch als "Hoff Marie" bekannt. Maria Hoff war jene resolute, früh verwitwete Wirtin, die die Gastwirtschaft vor dem Zweiten Weltkrieg betrieb. Wegen eines Vergehens gegen das Reichsstrafgesetzbuch wurde sie zu drei Monaten Gefängnis verurteilt und verlor die Schankerlaubnis. Was sie nicht kampflos hinnahm. Als der Bürgermeister seinen Gemeindemitarbeiter beauftragte, alle Firmenschilder an der Gaststätte abzuschrauben, schwante ihm wohl nichts Gutes: Er riet ihm, einen Polizisten zu seinem Schutze mitzunehmen. Um das Haus ranken sich zahlreiche Überlieferungen: So soll dort früher einmal das Gericht getagt haben. Dass der Gewölbekeller mit seinen meterdicken Wänden aber als Gefängnis diente, verweist Günter Thoren ebenso in den Bereich der Legenden wie das Gerücht, es führe ein Geheimgang nach Schloss Myllendonk.

Quelle: NGZ
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