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Grevenbroich
Nachwuchs für Parteien ist gesichert

Grevenbroich: Nachwuchs für Parteien ist gesichert
Daniel Rinkert (29), Kreis-Chef der Sozialdemokraten FOTO: Woi
Grevenbroich. Auf Bundesebene nimmt die Mitgliederzahl stetig ab, in Grevenbroicher sieht das anders aus. Von Nicole Scharfetter

Die etablierten Parteien an der Basis haben immer mehr Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden. 2015 verloren die fünf Bundestagsparteien und die FDP im Vergleich zum Vorjahr 36.500 Mitglieder - ein Minus von drei Prozent. Seit 1990 hat sich die Zahl der Mitstreiter halbiert, von 2,4 Millionen auf 1,2 Millionen. Die Grevenbroicher Stadtverbände dagegen sind weitestgehend von diesem Negativtrend verschont geblieben.

"Wir verlieren nicht", sagt der SPD-Kreisvorsitzende Daniel Rinkert. Im Gegenteil: "Wir gewinnen sogar." Während im Rhein-Kreis Neuss die Zahl der Mitglieder stabil bei knapp 2000 geblieben ist, gibt es in Grevenbroich drei Prozent mehr SPDler. Das liege sicher an Bürgermeister Klaus Krützen, der einen guten Job mache, "und am starken Wahlkampf, der noch nachwirkt", sagt Rinkert. Auch im Nachwuchsbereich bei den Jusos seien die Zahlen gestiegen. "Austritte gibt es nicht groß, wenn jemand nicht mehr der SPD angehört, dann weil er gestorben ist", sagt Rinkert.

In der Politik sei es einfach schwierig, Menschen zu mobilisieren, sagt Wolfgang Kasier. "Das ist parteiunabhängig." Die CDU-Fraktion in Grevenbroich zählt circa 500 Mitglieder und ist damit die größte aller Fraktionen in der Stadt. Wie jede andere Partei auch, wollen die Christdemokraten Mitglieder werben, man sei vor allem interessiert an Menschen im mittleren Alter. "Traditionell ist die CDU bekannt für ihre älteren Strukturen", sagt Kaiser. Immerhin: Nachwuchssorgen plagen den Parteivorsitzenden nicht, die Junge Union sei sehr gut aufgestellt, "mit rund 100 Mitgliedern." Politiker brauche man immer, sagt Kaiser, "es nutzt niemandem, nur zu kritisieren, aber nicht mitmachen zu wollen."

Markus Schumacher (31), FDP-Ratsherr in Grevenbroich FOTO: FDP

Dirk Gawlinski von den Grünen will nicht von einem Abwärtstrend der Mitgliederzahlen reden, "wir haben insgesamt nicht viele Mitglieder", sagt er. Wegen RWE sei es unter anderem nicht einfach, Mitstreiter für die Grünen zu gewinnen, "viele sind direkt oder indirekt von dem Unternehmen abhängig", sagt Gawlinski. Man habe schon mehrfach versucht, vor allem junge Menschen zu mobilisieren, vielleicht fehle die Vertretermentalität, oder aber das Netzwerk sei zu schlecht. "Von uns ist keiner in einem Schützenverein", sagt er.

Ratsherr Markus Schumacher von der FDP kann den Abwärtstrend, den es auf Bundesebene gibt, für den Grevenbroicher Ortsverband der Liberalen nicht bestätigen. "Das Interesse an den freien Demokraten wächst, bei den letzten Vorstandssitzungen haben wir zwei neue Mitglieder gehabt", sagt er. Eine ganze Menge unternehme die FDP (circa 80 Mitglieder), um die eigenen Reihen aufzufüllen, man versuche konkret auf die Belange der Grevenbroicher einzugehen, "zum Beispiel organisieren wir Veranstaltungen zu aktuellen Themen wie die Flüchtlingskrise, die die Menschen beschäftig", sagt Schumacher. Bald werde eine Diskussion stattfinden mit der Polizei und den innenpolitischen Sprechern der Landtagsfraktionen zu den steigenden Einbruchszahlen in NRW. "Wir zeigen Präsenz", sagt Schumacher. Und der Grevenbroicher Ortsverband der Jungen Liberalen sei einer der größten Ortsverbände der Republik, "unser Nachwuchs ist garantiert", sagt Schumacher. Von Januar 2016 bis Juni 2016 hat die FDP insgesamt sechs Neumitglieder gewinnen können und ist aktuell der zweitstärkste Stadtverband im Kreisgebiet. "Den letzten Verlust haben wir im Dezember 2016 durch den Tod von Ratsfrau Heike Kohlbach erleiden müssen", sagt Schumacher.

Quelle: NGZ
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