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Grevenbroich
Schüler lernen Gefahr im toten Winkel kennen

Grevenbroich: Schüler lernen Gefahr im toten Winkel kennen
Neben einem Lkw geraten Radler oder Fußgänger rasch in Lebensgefahr, denn im "toten Winkel" sind sie für die Autolenker nicht zu sehen. Für die Selbsttests in der Gesamtschule stand gestern ein Feuerwehrwagen auf dem Hof. FOTO: Lothar Berns
Grevenbroich. Wilhelm-von-Humboldt-Gesamtschüler testen mit der Polizei, wie sie trotz toten Winkels sicher durch den Straßenverkehr kommen. Von Valeska von Dolega

Immer wieder verunglücken Kinder im Straßenverkehr. Nach statistischen Erhebungen werden sie in vier von sechs Fällen von rechts abbiegenden Lkw erfasst. Schuld daran ist die "Unsichtbarkeit" im sogenannten toten Winkel. Um darauf aufmerksam zu machen und die Kinder zu sensibilisieren, gab es gestern an der Wilhelm-von-Humboldt-Gesamtschule praktischen Verkehrsunterricht.

Wo sonst Basketbälle geworfen werden, stand ein großer Feuerwehrwagen, umsäumt von gestreiften Hütchen und dreieckigen Planen. "Bereiche in unmittelbarer Nähe eines Fahrzeuges, die nicht gesehen werden", wie Polizei-Hauptkommissarin Martina Vorberg die Lage von Hüten und Dreiecken erklärte. Denn trotz moderner Außenspiegel am Lkw bleiben Fußgänger und Radfahrer ab einem bestimmten Punkt in einzelnen Bereichen unsichtbar.

Dazu zählen die unmittelbare Front vorm Fahrzeug ebenso wie Flächen rechts und links davon. "Das ist wichtig zu wissen", erklärte Polizist Hubert Jansen.

Auch wenn der Fahrer in der Pflicht ist, beispielsweise vor dem Rechtsabbiegen zunächst den geradeaus passierenden Fußgänger oder Radfahrer vorbeilassen zu müssen, sollten die schwächeren Verkehrsteilnehmer eben nicht auf ihrem Recht bestehen - sondern "im sicheren Bereich warten", wie Martina Vomberg sagte. "Das geht sonst in der Regel dramatisch aus - zu Lasten des Schwächeren."

Lässt sich per Augenkontakt keine Rückmeldung erstellen, dass Brummi-Fahrer und Passant einander registriert haben, sollte der Passant grundsätzlich lieber warten, bis der Lkw abgebogen ist, selbst wenn an einer Ampel für ihn alles auf Grün steht und er weiterlaufen dürfte.

Was theoretisch erklärt wurde, wollten beispielsweise die Schüler von Britta Hüttche und Derya Atay, den Klassenlehrerinnen der 5b, selbst sehen und erleben. Jeweils ein Schüler kraxelte ins Fahrerhaus - und genoss den scheinbar weiten Rundumblick. Dann musste Britta Hüttch, keine klein gewachsene Frau, langsam frontal auf das Fahrzeug zugehen - und der im Feuerwehrauto sitzende Schüler "Stopp" rufen, sobald sie nicht mehr zu sehen war. "Boah, ist der Abstand weit", staunten die herumstehenden Schüler über den aus ihrer Perspektive großen Bereich, der eben hoch droben aus der Fahrkanzel quasi im Dunklen liegt.

Gleiche Praxisversuche wurden mit ganzen Schülergruppen unternommen, die sich - aus Bodenperspektive unübersehbar - rechts vom Fahrzeug innerhalb des orange markierten Feldes sammelten und aus der Fahrerkanzel mit Blick in den Außenspiegel schlicht nicht erkennbar waren.

"Es ist wichtig, wirklich mitzuarbeiten und mitzudenken", fassten die Polizeibeamten zusammen. "Sichtbarkeit bedeutet grundsätzlich Sicherheit", und unbedarftes Verhalten oder auf sein Recht zu pochen "bieten leider wenig Chancen für den schwächeren Verkehrsteilnehmer".

Quelle: NGZ
 
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