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Postskriptum Die Woche In Unserer Stadt
Ein Transparent weckt Emotionen

Hilden. Ein selbstgebasteltes Plakat, das Unbekannte im vergangenen Herbst über die Autobahn gespannt haben, wird im Netz zu einem Barometer der Stimmung vor Ort. Wir dürfen uns nicht selbst verrückt machen, auch nicht, wenn die Welt verrückt spielt.

Das Internet vergisst nichts, löschen ist eigentlich nur oberflächlich möglich. Das haben wir in Hilden in dieser Woche gemerkt, als immer mehr Klicks und Kommentare auf eine Meldung aufliefen, die aus dem vergangenen November stammte. Damals hatten Unbekannte ein Transparent an eine Brücke über der A 46 kurz vor dem Kreuz Hilden geheftet. "Eure Kinder werden Allah anbeten oder sterben" stand darauf. Es wurde Anzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft hat schließlich die Ermittlungen eingestellt, weil es sich bei dem Hängen des Plakats um nichts Strafbares gehandelt habe. Das mag man mit Unverständnis quittieren.

Noch vor einiger Zeit hätten wir wohl über solch blühenden Unsinn den Kopf geschüttelt. Kaum anzunehmen, dass jemand sich bedroht gefühlt und Anzeige erstattet hätte. Dass sich das geändert hat angesichts der aktuellen beängstigenden Lage im Land, ist verständlich. Trotz allem aber dürfen wir uns nicht selbst verrückt machen, auch und erst recht nicht, wenn die Welt verrückt spielt.

Es ist nicht besonders klug, die vorhandenen Verunsicherungen in unserer Gesellschaft weiter zu schüren, die Ereignisse selbst reichen da völlig aus: Wer blickt angesichts der Meldungen von depressiven und rechtsradikalen bis hin zu islamistischen Tätern schon noch durch? Aus welcher Richtung kommt die tatsächliche Gefahr eigentlich? Was hilft gegen Ohnmacht und Schwäche? Selbstbeherrschung, Vernunft, das Vertrauen in unsere Stärken. Auch wenn es schwer fällt.

goekcen.stenzel@rheinische-post.de

Quelle: RP
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