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Haan
Mobile Arbeit mit Jugendlichen

Düsseldorf. Antje Bemm ist seit 15 Monaten als Streetworkerin in Haan tätig. Sie hat in ungezählten Gesprächen Kontakte zur jungen Generation knüpfen können, von Wünschen und Problemen erfahren und in vielen Fällen schon helfen können. Von Ralf Geraedts

Die Erwartungen, die die Öffentlichkeit an sie stellt, sind hoch – und nicht immer zu erfüllen. Antje Bemm ist seit gut 15 Monaten im Stadtgebiet als Streetworkerin tätig. Die Diplom-Sozialpädagogin knüpft im Rahmen der "aufsuchenden Jugendarbeit" Kontakt zu Jugendlichen, die sie an deren gewohnten Treffpunkten anspricht. Gerade in Bereichen der Innenstadt erwarten Bürger von ihr, ordnungsbehördlich einzugreifen. "Ich bin aber kein verlängerter Arm der Polizei", stellte sie jetzt im Jugendhilfeausschuss klar, wo sie eine erste, durchweg positive Bilanz zog.

Jugendliche aggressiv behandelt

"Aufsuchende Jugendarbeit ist nicht geeignet, Probleme zu lösen, die Jugendliche machen, sondern Probleme, die Jugendliche haben", umriss Antje Bemm ihre Arbeit. In vielen Einzelkontakten gelang es, persönliche Schwierigkeiten junger Leute aufzunehmen – und auch zu helfen. So etwa bei einem Mobbing-Opfer oder auch bei Musikfreunden ohne Treffpunkt, für die sie im Jugendhaus ein paar gemütliche Stunden bei lauter Rockmusik ermöglichte und mit denen sie an einem Hiphop-Event arbeitet.

Als Antje Bemm, damals noch Lüttmann, im November 2008 ihren Dienst antrat, musste sie "bei null anfangen". Die Ist-Analyse sei ein sehr guter Einstieg gewesen, um die Stadt, Jugendverbände und Einrichtungen kennenzulernen. Denn auf deren Hilfe im Netzwerk kann sie nicht verzichten. Das Vertrauen zu den Jugendlichen musste aufgebaut werden – auch mit Hilfe von Kommunikationswegen im Internet. In Gespräche vermittelte sie zwischen Jugendlichen und zum Beispiel Gewerbetreibenden in der Marktpassage, wo es zuvor immer wieder große Probleme gegeben hat. Als nachteilig wertete Bemm, dass sich viele Bürger nicht in die positive Arbeit mit Jugendlichen einbringen wollten und immer wieder nach ordnungsbehördlichen Maßnahmen riefen. Mehrfach, so Bemm, sei sie Zeugin geworden, dass Jugendliche (gerade solche mit Migrationshintergrund) verbal scharf angegangen wurden – die ihrerseits entsprechend reagierten. "Eine Zurechtweisung ist in Ordnung, aber es muss nicht aggressiv sein", sagte Bemm.

Kleines Budget erwünscht

In diesem Jahr möchte sie einen Internetauftritt schaffen, um mit diesem Medium Hemmschwellen zur Kontaktaufnahme weiter abzubauen. Sie wünschte sich ein kleines Budget (5000 Euro), um auch Angebote machen zu können. "Ich habe ein gutes Verhältnis zu türkischen Jugendlichen, aber die gehen mit einer Frau nicht Fußball spielen." Deshalb brauche sie Honorarkräfte, möglichst mit dem entsprechenden kulturellen Hintergrund. Darüber wird die Politik bei den Etatberatungen sprechen.

Quelle: RP
 
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